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Borussia Dortmund : Künstlerischer Leiter gesucht

  • -Aktualisiert am

Durchbeissen: Mario Götze hat ein paar Konkurrenten mehr bekommen Bild: dpa

Nach dem Weggang von Spielmacher Kagawa braucht Borussia Dortmund eine neue Ordnung im Mittelfeld. Personal gibt es beinahe im Überfluss - der Konkurrenzkampf wird hart.

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          Einmal, ganz kurz nur, bekam es Jürgen Klopp ein wenig mit der Angst zu tun. Ein nackter Mann lief über den ramponierten Rasen von Meppen und rief ihm zu: „Ich liebe dich.“ Das war dem Trainer von Borussia Dortmund ein wenig unangenehm. Außerhalb solcher Angriffe auf den guten Geschmack bietet sich Klopp beim Start in die Vorsaison der Fußball-Bundesliga kein Anlass zur Sorge. Dortmund will den FC Bayern München abermals „herausfordern“, obwohl die Borussen selbst Titelverteidiger sind.

          Der deutsche Meister der vergangenen beiden Spielzeiten besitzt eine eingespielte Mannschaft und eine noch länger eingespielte Führungscrew - Geschäftsführer Watzke, Sportdirektor Zorc und Klopp nennen sich selbstironisch „G3“. Wenn ein Verein in den vergangenen Jahren die vielbeschworene Kontinuität erfolgreich vorgelebt hat, ist es Borussia Dortmund. „Aber es ist nicht wichtig, dass es im nächsten Jahr besser und besser wird“, sagt Klopp, zumindest mit Blick auf die Bundesliga. „Unser Anspruch ist, es wieder so hinzukriegen wie in der vergangenen Saison.“

          Dennoch kann und wird sich etwas ändern - nicht nur im Vergleich zum 2:1 im ersten Testspiel gegen den Regionalligaverein SV Meppen, gegen den noch Spieler wie Hofmann, Amini oder Bittencourt mitwirkten, die demnächst in die zweite und dritte Reihe zurücktreten. Die Änderungen werden nicht revolutionär ausfallen, aber das Dortmunder Offensivspiel dürfte einen Relaunch erfahren.

          Der Grund dafür liegt nicht nur in dem Wunsch, variabler zu werden, sondern auch in einem Personalwechsel. Shinji Kagawa, zuletzt der künstlerische Leiter im offensiven Mittelfeld, hat den Klub in Richtung Manchester United verlassen. „Seine engen Drehungen sind für einen normalen Mitteleuropäer schwer zu verteidigen“, sagt Zorc. Der Japaner ist „nicht eins zu eins zu ersetzen“ - aber er ist zu ersetzen.

          Vorteil für Götze, Reus, Perisic

          So wie vor einem Jahr, entgegen vielen Unkenrufen, auch Nuri Sahin, vor seinem Weggang der beste defensive Mittelfeldspieler der Liga, zu ersetzen war, obwohl sein Nachfolger Ilkay Gündogan ein halbes Jahr brauchte, um Tritt zu fassen. Auch jener Wechsel habe stilistische Veränderungen mit sich gebracht, sagt Zorc. Für Kagawas zentrale Position hinter der Spitze bieten sich mehrere Fachkräfte an: allen voran Marco Reus, der für mehr als siebzehn Millionen Euro Ablöse von Borussia Mönchengladbach nach Dortmund gewechselt ist und am 22. Juli gemeinsam mit den drei anderen deutschen EM-Teilnehmern des BVB in die Vorbereitung einsteigt.

          Schon in der vergangenen Saison nicht immer zufrieden: Jakub Blaszczykowski Bilderstrecke
          Schon in der vergangenen Saison nicht immer zufrieden: Jakub Blaszczykowski :

          Auch Mario Götze, Ivan Perisic und Moritz Leitner kommen für diese Rolle in Frage. Wenn alle fit und in Form sind, ist das Dortmunder Mittelfeld ein dichtbesiedeltes Gebiet. Je vielseitiger ein Spieler einsetzbar ist, desto größer wird seine Chance sein, einen Platz in der Startelf zu ergattern. Insofern haben Reus, Götze und Perisic einen Vorteil: Sie finden sich auf allen drei Positionen zurecht. Reus kennt man aus Gladbach nicht zuletzt als zweite Spitze. Das wiederum eröffnet Klopp auch die Möglichkeit, seine bevorzugte Grundordnung, ein 4-2-3-1 zu einem 4-4-2 abzuwandeln.

          Großkreutz hat den Kampf angenommen

          Für arrivierte Meister wie Kevin Großkreutz und Jakub Blaczszykowski, die auf das Flügelspiel spezialisiert sind, könnte es im Kampf um einen Platz unter den ersten elf eng werden. Solch eine Konstellation hat mancherorts schon zu atmosphärischen Störungen geführt, auch in Dortmund.

          Im ersten Halbjahr der vergangenen Saison etwa hatte Blaczszykowski, Kapitän der polnischen Nationalelf, zuweilen Unmut über seine geringen Einsatzzeiten geäußert und sogar einen Wechsel in Betracht gezogen, ehe er von der Verletzung Götzes profitierte und in der Rückrunde zu einem der besten Spieler der Liga im rechten Mittelfeld wurde. Zorc sieht in der hohen Leistungsdichte einen Vorteil. „Wir sind auf jeder Position doppelt besetzt, das ist so gewollt. Wir brauchen diese Konkurrenz.“

          Während seine Mitbewerber noch im Urlaub sind, hat Großkreutz, einer der beliebtesten und laufstärksten BVB-Profis, den Kampf schon angenommen. „Ich habe jetzt drei Jahre gespielt, will wieder spielen und werde alles dafür tun“, sagt er. So wünschen es sich seine Vorgesetzten. Unabhängig davon wer beim Bundesligastart letztlich aufläuft - es wird sich etwas ändern. In Dortmund gilt: nicht kopieren, sondern variieren.

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