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Borussia Dortmund : Klopps Erbe hat keine Zeit für Europa

Dann mach mal schön Europa League! Was gibt Jürgen Klopp seinem Nachfolger Thomas Tuchel beim BVB mit auf den Weg? Bild: Reuters

Borussia Dortmund international - unbedingt? Darum kämpft der BVB auch an diesem Samstag gegen Eintracht Frankfurt (15.30 Uhr). Dem künftigen BVB-Coach Tuchel käme die Europapokal-Qualifikation vermutlich ungelegen.

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          Christian Heidel muss es wissen. Der Manager von Mainz 05 ist schließlich der Entdecker zweier Trainer, die in den vergangenen Tagen für so viel Aufsehen gesorgt haben. Heidel beförderte einst Jürgen Klopp im Frühjahr 2001 vom minder begabten Abwehrspieler zum Trainer, 2009 ernannte er ebenso überraschend und unkonventionell Thomas Tuchel über Nacht vom A-Junioren-Meistertrainer zum Bundesligacoach. „Wenn einer es schaffen kann, Dortmund nach Kloppo wieder in die Erfolgsspur zu bringen, dann kann das der Thomas sein. Er hat einfach überragende Qualitäten als Trainer“, sagt Heidel.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Natürlich, so sollte das auch heißen, kann er ein zweites Mal das Erbe Jürgen Klopps antreten. Denn die Situation in Dortmund ist nicht neu für Tuchel. Der 41 Jahre alte, am Sonntag vom BVB für die kommenden drei Jahre verpflichtete Trainer trat schon in Mainz, wenn auch nach einem Interregnum des vor Saisonstart zu Gunsten des Juniorentrainers entlassenen Aufstiegs-Coaches Jörn Andersen, die Nachfolge Klopps an. Eigentlich wurde schon in den ersten Wochen der Arbeit klar, dass er ganz anders zu Werke geht als der Kulttrainer der Mainzer Vereinsgeschichte. Wo Klopp etwas mehr auf Intuition vertraute, war Tuchel der akribischere Tüftler mit bis ins letzte Detail ausgearbeiteten Trainingseinheiten. Wo Klopp meist unverändert einem System vertraute, versuchte Tuchel von Beginn an, Qualitätsnachteile gegenüber der Konkurrenz durch taktische Flexibilität auszugleichen. Entsprechend wechselte er bisweilen gar während des Spiels die Grundausrichtung derart massiv, dass die Gegner nie zu ihrem Rhythmus fanden.

          Respektiert, aber nie geliebt

          Und dennoch wurde Tuchel zu Beginn sehr oft mit Klopp verglichen, was den Typus des emotionalen, lauten Trainers angeht. Er verwies dabei immer wieder etwas genervt darauf, dass sich seine Zeit am Bruchweg mit der seines vermeintlichen Alter Egos Klopp nicht überschnitten habe. Tuchel kam als A-Juniorentrainer nach Mainz, nachdem sich Klopp im Mai 2008 verabschiedet hatte. „Deshalb habe ich ihn nie direkt erlebt und lief nicht Gefahr, ihn kopieren zu wollen“, sagte Tuchel einst. Bezüglich Emotionalität am Spielfeldrand und Verkaufstalent in den Medien sind sie sich dennoch ähnlich, hier muss Tuchel so wenig wie wohl kein anderer in der Bundesliga den Vergleich mit Klopp fürchten.

          In Mainz bevorzugte Thomas Tuchel von Beginn an akribische Arbeit auf dem Trainingsplatz
          In Mainz bevorzugte Thomas Tuchel von Beginn an akribische Arbeit auf dem Trainingsplatz : Bild: dpa

          Tuchel war auch deshalb in Mainz stets respektiert für seine Arbeit, aber er wurde nie vergöttert wie Klopp. Weil er nie den nötigen Kompromiss eingegangen ist im Zusammenspiel mit den an sich leicht zu begeisternden Mainzer Anhängern. Er lebte gern in der Stadt, deren Menschen er als „herzlich“ bezeichnete. Er genoss und genießt sogar derzeit noch die Zeit auf den Plätzen und Cafés im Schatten des mehr als tausend Jahre alten Doms, aber er wollte oder konnte sich nicht von Mainz und den Mainzern vereinnahmen lassen.

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