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Gescheiterter BVB : Jürgen Klopps langer Schatten

  • -Aktualisiert am

Weitestgehend erfolgreiche BVB-Zeit: Jürgen Klopp, hier 2015 Bild: dpa

Borussia Dortmund ist ein undankbarer Standort für Fußballtrainer. Das liegt an der eigenen Vergangenheit – und an den Verantwortlichen. Nun braucht es dringend eine passende Lösung, sonst droht dem Klub wohl Schlimmes.

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          Lucien Favre hat einige große Momente in Dortmund feiern können. Es gab mit dem Schweizer Trainer hinreißende Partien, vor allen Dingen als noch 80.000 Menschen das Spiel der Mannschaft im eigenen Stadion mit einer Energie speisten, für die es keinen Ersatz gibt. Aber angekommen im emotionalen Kern dieses Klubs ist Favre nie. Abgesehen vom Gewinn des Supercups gewann er keinen Titel, in DFB-Pokal und Champions League ist er stets im Achtelfinale ausgeschieden, seine öffentlichen Auftritte waren wenig unterhaltsam, und nun hatte er offenbar die Mannschaft verloren. Gescheitert ist auch die Klubführung, weil sie einen Trainer auswählte, der nicht zum BVB passte. Wieder einmal.

          Bundesliga

          Nachdem Jürgen Klopp seine schwarz-gelbe Ära im Jahr 2015 beenden musste, sind mehrere Fußballlehrer bei diesem zweitgrößten deutschen Fußballverein angestellt gewesen, immer hakte es irgendwo. Nach zwei sportlich sehr erfolgreichen Jahren mit Thomas Tuchel gab es „leider keine Grundlage mehr für eine auf Vertrauen ausgelegte und perspektivisch erfolgreiche Zusammenarbeit“, teilte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke damals nach der Trennung mit. Nun gewinnt Tuchel Titel in Serie mit Paris Saint-Germain und erreichte in diesem Jahr das Finale der Champions League. Es folgte Peter Bosz, der gerade mit Bayer Leverkusen an der Tabellenspitze der Bundesliga steht. Er wurde gefeuert, weil ihm Teile der Mannschaft nicht folgen wollten.

          Bei Trainersuche kein Gespür

          Nach einer Zwischenlösung mit Peter Stöger kam Favre, doch auch die Arbeit dieses hochgeschätzten Menschen und Fachmannes war permanent begleitet von Skepsis und Zweifeln. Die Dortmunder Trainerschicksale der vergangenen fünf Jahre führen ziemlich direkt zu der Einsicht, dass es sich bei diesem Klub um einen recht undankbaren Standort für Fußballlehrer handelt. Einerseits liegt das daran, dass jeder an Jürgen Klopp gemessen wird und in diesem Vergleich nur den Kürzeren ziehen kann. Der Zauber der Jahre mit dem heutigen Trainer des FC Liverpool wird noch lange unerreichbar bleiben. Andererseits scheinen die Verantwortlichen bei der Trainersuche kein ganz so feines Gespür zu haben wie bei der Entdeckung großer Talente.

          Es gibt dieses geflügelte Wort vom Trainer, der „der wichtigste Mann“ ist, wenn ein Team alle paar Jahre einmal über sich hinauswachsen soll. Nichts anderes streben die Dortmunder in ihrer Rolle als wirtschaftlich unterlegene Nummer zwei hinter dem FC Bayern an, bereits an diesem Dienstag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga sowie bei Sky) geht es gegen Werder Bremen in der Liga um die nächsten Punkte. Doch dazu muss ein Trainer passen, er darf keine Notlösung und kein Kompromiss sein. Den Moment, als Julian Nagelsmann zu haben war, verpassten sie, während RB Leipzig konsequent auf den Wunschkandidaten wartete, nun suchen die Dortmunder wieder. Zwar hat auch Edin Terzic die Chance, zum Zukunftstrainer des BVB zu werden, aber diese Möglichkeit ist relativ unwahrscheinlich, zumal der Mann, der oben auf der Wunschliste fürs kommende Jahr stehen soll, angeblich eine Ausstiegsklausel hat: Marco Rose.

          Der Gladbacher Trainer war womöglich weitsichtig genug, um die BVB-Option schon bei seiner Vertragsunterschrift am Niederrhein zu antizipieren. Denn klar ist, dass der BVB nach Jahren der Kompromisse jetzt dringend einen Chefcoach braucht, der wirklich passt. Sonst droht dieser vielleicht beste Kader der Klubgeschichte irgendwann ganz ohne Titel auseinanderzufallen.

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