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Borussia Dortmund : Im selbstverursachten Rausch

  • -Aktualisiert am

5:0 - die Dortmunder kamen gar nicht aus dem Jubeln heraus Bild: dapd

Borussia Dortmund nimmt den Schwung vom Derbysieg gegen Schalke mit. Die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp hat beim 5:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern keine Mühe. Plötzlich gilt der Revierklub zumindest bei Freunden der Südsee als Meisterschaftsanwärter.

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          Borussia Dortmund bleibt im Fußball- und im Höhenrausch. Beim 5:0 über den 1. FC Kaiserslautern setzten die Westfalen ihren Aufstieg Richtung Tabellenspitze der Bundesliga fort. Der vierte Sieg in der fünften Bundesligarunde dieser Saison brachte ihnen den zweiten Platz ein; nur das Überraschungsteam aus Mainz, das bisher alle Partien gewann, steht jetzt noch vor den Borussen. Beflügelt vom souveränen Derbysieg gegen Schalke, frenetisch angefeuert von begeisterten Fans und angetrieben vom überragenden Mittelfeldstrategen Nuri Sahin erteilte der BVB dem nur zu Beginn widerstandsfähigen Aufsteiger aus der Pfalz eine Lektion.

          Die Tore für die zeitweise unwiderstehliche Heimelf erzielten Lucas Barrios (31./88. Minute), Kevin Großkreutz (38.), Mats Hummels 3:0 (65.) und Robert Lewandowski (75.). „Hätte uns einer vor der Saison beim Blick auf den Spielplan gesagt, dass wir zu diesem Zeitpunkt zwölf Punkte haben, dann hätten wir gesagt: Na ja, alles klar“, sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp. „Zwölf Punkte sind ein Traum, den sich die Mannschaft verdient, aber auch hart erarbeitet hat.“ Auf Nachfragen, ob der BVB nun seine Saisonziele korrigieren nach oben Richtung Meistertitel müsse, antwortete Klopp gewohnt salopp: „Freunde der Südsee, geht mir damit nicht auf den Sack.“

          Zur Einstimmung auf die Partie hatte die Stadionregie noch einmal die drei Tore eingespielt, die den BVB ein paar Tage zuvor zum Gewinner des Derbys gegen den Erzrivalen Schalke gemacht hatten. Die aufputschende Wirkung, die damit beabsichtigt war, stellte sich zwar auf den Rängen alsbald ein, zunächst aber noch nicht bei den Dortmunder Profis auf dem Rasen. Der forsche Aufsteiger aus Kaiserslautern ließ sich zunächst weder von den lautstarken Fans noch von den jüngsten Taten der Heimelf einschüchtern.

          Versuchter Kunstschuß: Srdjan Lakic trifft nicht den Ball, sondern den Kopf von Dortmunds Sven Bender
          Versuchter Kunstschuß: Srdjan Lakic trifft nicht den Ball, sondern den Kopf von Dortmunds Sven Bender : Bild: dpa

          Betriebstemperatur erreicht

          Bei ihren ersten Angriffsversuchen kamen die Pfälzer allerdings selten so zum Abschluss wie Srdjan Lakic, der BVB-Torhüter Roman Weidenfeller in der siebten Minute zum ersten Mal prüfte. Schmerzhaft wurde es in der Anfangsphase nur für Sven Bender, den Lakic beim Versuch eines Fallrückziehers mit dem Fuß so an der Schläfe traf, dass der Dortmunder Mittelfeldspieler für kurze Zeit benommen am Boden liegen blieb. Doch nach einer kurzen Pause konnte Bender weiterspielen - und dazu beitragen, dass seine Elf den Gegner allmählich besser in den Griff bekam.

          Ein Kopfball von Shinji Kagawa und ein Distanzschuss von Großkreutz waren die ersten Vorboten der Offensive, die Dortmund Mitte der zweiten Halbzeit startete. Nach einer halben Stunde hatten die Borussen ihre Betriebstemperatur vollends erreicht. Von ihren Fans voller Inbrunst nach vorne getrieben, flößten sie den Lauterern Respekt ein, besonders wenn sie über die linke Angriffsseite nach vorne stießen.

          Dort setzte sich auch Torschütze Barrios beim ersten Treffer durch; den Weg dorthin hatte ihm der abermals stark spielende Mittelfeldstratege Nuri Sahin mit einem präzisen Pass geebnet. Sahin, der immer mehr zum Lenker des BVB-Spiels wird, bereitete auch das 2:0 vor. Diesmal profitierte Großkreutz von der Vorarbeit des jungen Türken und vollendete mit einem gefühlvollen Schuss ins lange Eck. Die Dortmunder hatten ihre Startschwierigkeiten überwunden und fühlten sich nun in ihrem Element - auf dem Platz, aber auch auf den Rängen, wo es immer lauter wurde.

          „Wir haben viel Lehrgeld bezahlt“

          Den Spielern des 1. FC Kaiserslautern dürfte die Pause überaus gelegen gekommen sein, so konnten sie sich für einige Minuten dem Druck des Gegners entziehen. Doch das war nur eine Verschnaufpause. Kagawa, Piszczek und zweimal Bender versäumten es zunächst, den Vorsprung schon in der ersten Viertelstunde des zweiten Durchgangs weiter auszubauen. An der Dortmunder Dominanz änderte das jedoch nichts. Die Westfalen ließen keinen Zweifel aufkommen an ihrer Entschlossenheit, auf den zweiten Tabellenplatz vorzurücken und nebenbei etwas für ihre Tordifferenz zu tun, was sie in Schalke noch verpasst hatten.

          Beim dritten Treffer vollendete Hummels mit dem Kopf, was Sahin - wer sonst? - diesmal mit einem Freistoß in die Wege geleitet hatte. Auch der durch den Fünfmeterraum fliegende, aber nicht zupackende Torhüter Sippel konnte das Tor nicht verhindern. Doch die Dortmunder, berauscht von sich selbst, hatten immer noch nicht genug. Lewandowski und abermals Barrios machten mit weiteren Toren auch diesen Abend zu einer Party in Schwarz-Gelb. „Wir haben unheimlich viele Passfehler gemacht“, sagte Lauterns Trainer Marco Kurz. „In der zweiten Halbzeit waren wir fast chancenlos. Wir haben viel Lehrgeld bezahlt.“

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