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Personalprobleme beim BVB : Das Improvisieren in Dortmund hält an

  • -Aktualisiert am

Muss kreativ werden: Marco Rose fehlen in der Abwehr viele Stammspieler. Bild: dpa

Der BVB hat Probleme in der Defensive. Zu Saisonbeginn fehlten viele wichtige Spieler. Jetzt kehren Meunier, Can und Guerreiro zurück. Abwehrchef Hummels wird aber länger fehlen.

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          Eigentlich hatte Marco Rose dringend gehofft, dass die Phase der Defensiv-Improvisationen endlich zu Ende gehen würde, nachdem am vergangenen Wochenende Mats Hummels und Raphael Guerreiro, zwei wichtige Verteidiger, ins Fußball-Bundesligateam von Borussia Dortmund zurückgekehrt waren. Auch Thomas Meunier ist nach einer Covid-Erkrankung einsatzfähig, doch seit Wochenbeginn weiß Trainer Rose, dass seine Abwehrkette ihm noch länger Sorgen bereiten wird. Nach den gut zehn Minuten Spielzeit in Freiburg habe Hummels’ Knie „direkt wieder eine Reaktion gezeigt“, berichtet er am Donnerstag. Der Nationalspieler, der auch nicht in dem ersten Aufgebot steht, das Bundestrainer Hansi Flick an diesem Freitag bekannt gab, fällt vorerst aus. Aber nicht nur deshalb bleibt die Besetzung der Defensive ein schwieriges Thema beim BVB.

          Bundesliga

          Nico Schulz erlitt in Freiburg eine Muskelverletzung, auch er muss pausieren, und Felix Passlack erlebte während seiner Einsätze auf der rechten Seite gute, aber auch sehr schwierige Momente. Dennoch sehnt kaum ein BVB-Anhänger mit voller Überzeugung die Rückkehr von Thomas Meunier oder Emre Can herbei, die Passlack ersetzen könnten. Beiden unterliefen in der vergangenen Saison zu viele Fehler. Und als Rose am Donnerstag gefragt wird, ob auch eine Startelf mit Dreierkette denkbar sei, muss er lachen und fragt: „Mit wem denn?“

          Sieht so ein Meister aus?

          Es waren also nicht viele Spieltage nötig, um eine vor Saisonstart häufig formulierte These zu widerlegen. Der BVB sei „in der Breite besser aufgestellt“ als Bayern München, hatte beispielsweise Lothar Matthäus erklärt, etliche Kommentatoren stimmten zu. Die bisherigen Eindrücke deuten aber eher darauf hin, dass Verletzungen umgehend zu großen Problemen führen. Der Dortmunder Lizenzspielerchef Sebastian Kehl sagt daher: „Personell können wir uns auch noch besser aufstellen.“ Vor allem außen in der Abwehr. Selbst Guerreiro stand im Vorjahr immer wieder in der Kritik, weil er gerade in einem Viererkettensystem gelegentlich zugunsten seiner Offensivstärke Lücken in seinem Rücken aufreißen lässt.

          Dass Verstärkungen auf diesen Positionen dem Kader gut tun würden, ist kaum zu übersehen, dennoch sagte Kapitän Marco Reus in der Sommerpause: „Wir haben den Kader dazu, deutscher Meister zu werden.“ Diese Behauptung lässt sich nach den ersten Eindrücken der Saison kontrovers diskutieren. Vermutlich sieht Rose schon länger, wo sein Kader Schwächen hat, Diskussionen über weniger gut besetzte Positionen vermeidet er allerdings konsequent: „Mit dem Thema müssen wir gar nicht erst anfangen. Ich lasse nichts auf meine Jungs kommen“, sagt er im Wissen, dass er kaum noch mit prominenten Neuzugängen rechnen kann.

          Suche nach Außenverteidiger

          Die finanziellen Spielräume sind nämlich klein und günstige Profis für das gehobene Champions-League-Niveau, das die Dortmunder anstreben, selten. Lange sagte Sportdirektor Michael Zorc, der Klub werde „aus wirtschaftlichen Gründen nichts machen, wenn uns nicht noch ein Spieler verlässt“. Am Mittwoch wurde nun Thomas Delaney zum FC Sevilla verkauft, über eine Ablöse von sieben Millionen Euro wird spekuliert.

          Dieses Geld und das eingesparte Gehalt können in einen neuen Profi für die Außenbahnen investiert werden. Und da Zorc auch an Verkäufen von Marius Wolf und Roman Bürki arbeitet, könnten die Einnahmen bis zum Transferschluss am 31. August sogar noch steigen. „Wir bewerten die Situation immer wieder aufs Neue und schauen uns um“, lässt sich der Sportdirektor bei „Sport 1“ zitieren.

          Zunächst galt Marcel Halstenberg als Kandidat, der Linksverteidiger von RB Leipzig würde gerne nach Dortmund kommen, doch dem Vernehmen nach ist das Dortmunder Interesse an dem verletzungsanfälligen Nationalspieler erloschen. Oder pokern sie nur? Für den anderen Flügel wäre Valentino Lazaro von Inter Mailand eine Option, der in der Vorsaison als Leihspieler bei Borussia Mönchengladbach mit Rose zusammenarbeitete. Doch der Österreicher hat seine Stärken in der Offensive und setzte sich in Gladbach nie durch. Richtig gute Außenverteidiger sind schwer zu finden.

          Gut möglich ist daher, dass die Dortmunder während der kommenden Tage einen Transfer realisieren, über den bislang noch gar nicht spekuliert wird, wobei Rose diese ganze Diskussion ohnehin wenig zielführend findet. Der Trainer richtet den Blick nach der Niederlage in Freiburg am vergangenen Samstag eher auf die alte Debatte über den Charakter der Mannschaft als auf mögliche Schwächen Einzelner. „Uns hat in Freiburg Bedingungslosigkeit gefehlt“, sagt Rose in einer Talkrunde fürs Klub-TV, „an erster Stelle steht in jedem Beruf die Arbeit, dann kommt die Kür.“

          Damit hat auch der neue Trainer seinen ersten Beitrag zu der langen Geschichte geliefert, die während der vergangenen Jahre in vielen Kapiteln unter dem Titel „Mentalitätsdebatte“ verhandelt worden ist. Gegen Hoffenheim muss jetzt an diesem Freitag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei DAZN) dringend ein Sieg her, denn „wenn wir kein Ergebnis bekommen, dann wird es richtig ungemütlich“, sagt Rose.

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