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Fußball-Bundesliga : Darum ruft Dortmund kein Ziel mehr aus

  • -Aktualisiert am

Erling Haaland soll Borussia Dortmund mit seinen Toren helfen. Bild: dpa

Neue Saison, neues Glück: Viele Vereine setzen sich zu Beginn einer Spielzeit ein Ziel. So machte es auch Borussia Dortmund. Nun aber schweigt der zuletzt beste Klub hinter dem FC Bayern. Dafür gibt es Gründe.

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          Die Laune war gut bei den meisten Angehörigen von Borussia Dortmund, als sie am Donnerstag nach und nach auf dem Trainingsgelände eintrafen, um die neue Saison mit einem Corona-Test zu beginnen. Zwar wird Marco Reus aufgrund seiner hartnäckigen Sehnenblessur im Adduktorenbereich weiterhin auf unbestimmte Zeit ausfallen, und Mats Hummels muss vorerst kürzertreten; der Routinier ist bei seinen privat durchgeführten Fitnessübungen umgeknickt.

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          Dafür gehört der junge Youssoufa Moukoko ab sofort fest zum Profikader, auch wenn er erst nach seinem 16. Geburtstag im November in der Bundesliga spielen darf. Der hochbegabte Stürmer „soll jetzt auch an den Seniorenfußball rangeführt werden“, sagte Michael Zorc, der zwei weitere Neuzugänge von einem Wechsel zum BVB überzeugen konnte: Thomas Meunier (Rechtsverteidiger von Paris St. Germain) und Jude Bellingham (Mittelfeldspieler von Birmingham City).

          „Wir freuen uns, dass es wieder losgeht“, erklärte der Sportdirektor also, auch wenn der Betrieb sich weiterhin in einem pandemiebedingten Ausnahmezustand befindet. „Das Thema Corona wird uns leider weiter begleiten“, sagte Zorc, der allerdings hofft, dass ein anderes Ärgernis der jüngeren Vergangenheit an Relevanz verlieren wird: die Debatten über Diskrepanzen zwischen vorab proklamiertem Saisonziel und der Realität.

          Diese Kontroversen haben sich in den vergangenen Jahren derart negativ auf das Alltagsklima ausgewirkt, dass Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke schon Ende Juni angekündigt hat, vorerst keine konkreten Ziele mehr für ein Spieljahr zu benennen. „Nach den Erfahrungen der letzten Saison macht das keinen Sinn“, führte Zorc nun aus. Der öffentliche Umgang mit den Ankündigungen des Sommers 2019 habe dazu geführt, „dass wir das Gefühl haben, dass wir getrieben werden durch Nennung des Saisonziels“.

          Stimmungen im Umfeld und atmosphärische Strömungen sind ja immer ein wichtiger Faktor im Verlauf eines Fußballjahres, nun hoffen sie mit ihrer neuen Strategie nicht nach jeder Niederlage mit mehr oder weniger höhnischen Schlagzeilen zu einem drohenden Scheitern an den eigenen Ansprüchen konfrontiert zu werden. Es wird spannend, ob dieser Plan aufgeht, denn der Umgang mit Saisonzielen ist schon seit längerem immer wieder ein schwieriges Thema in den Debatten rund um dem BVB. Auch intern.

          Die Saison 2018/2019 wurde nach der Trennung von Trainer Thomas Tuchel als Jahr des Umbruchs deklariert, weshalb die Verantwortlichen trotz der zwischenzeitlich sehr deutlichen Tabellenführung lange zögerten, bis sie das Wagnis eingingen, öffentlich zu bestätigen, dass sie sich vorgenommen haben, Meister zu werden. Am Ende feierten dennoch die Bayern den Titel, und beim BVB sind sie in der anschließenden Saisonanalyse zu der Erkenntnis gelangt, dass es womöglich besser gewesen wäre, früher klar zu sagen, dass die Meisterschaft angestrebt wird.

          Es folgte ein Wechsel der Kommunikationsstrategie: Man wolle „alles versuchen, um Meister zu werden“, erklärte Watzke vor einem Jahr, was als Kampfansage an den FC Bayern begriffen wurde. Nun sprach nach jeder Niederlage irgendjemand süffisant vom „selbsternannten Meisterschaftskandidaten“, was im Subtext nichts anderes hieß als: Die haben ihr Maul zu weit aufgerissen. „Dieses Spielchen – um ehrlich zu sein – brauchen wir nicht mehr“, sagte Zorc nun. „Klar ist, dass wir als Borussia Dortmund weiterhin sehr ambitioniert sein werden.“ Damit schwenken die Verantwortlichen auf die Linie von Lucien Favre um, der mit vollmundigen Ankündigungen fremdelt.

          Allerdings läuft das Spiel, das die Verantwortlichen gerne beenden würden, längst wieder. Denn selbstverständlich lebt der Titelwunsch in der Mannschaft, die zuletzt explizit mit mutigen und selbstbewussten Anführern wie Emre Can oder dem unglaublichen Erling Haaland verstärkt wurde. Die Meisterschaft „muss immer das Ziel sein, wenn man so eine Mannschaft hat“, hat Hummels neulich erklärt, und Haaland sagte gegenüber der „Sport-Bild“: „Wir haben die Qualität, Meister zu werden.“

          Tatsächlich ist viel möglich in der bevorstehenden Saison. Etliche der jungen Spieler reifen weiter, mit Achraf Hakimi ist nur ein wichtiger Profi gegangen, und mit Moukoko haben sie ab November einen zweiten Zentrumsstürmer, der zuletzt fehlte. Zudem sind die immer wieder aufflammenden Diskussionen um Lucien Favre erst mal verstummt. Mittlerweile ist hinlänglich bekannt, dass der Schweizer gewisse Schwächen hat, aber es fällt den Funktionären und auch vielen kritischen Geistern aus dem Umfeld mittlerweile leichter, das auszuhalten.

          „Es gibt kein Wunder, nur Training“: Youssoufa Moukoko von Borussia Dortmund.
          „Es gibt kein Wunder, nur Training“: Youssoufa Moukoko von Borussia Dortmund. : Bild: Picture-Alliance

          Denn Favres Qualitäten als Fachmann und integrative Kraft, hat auch Skeptiker davon überzeugt, dass für den BVB derzeit einfach kein besserer Chefcoach verfügbar ist. „Wir haben ein gewachsenes Vertrauensverhältnis zueinander“, sagte Zorc, daher sei es erstmal auch nicht nötig, über eine Verlängerung des im Sommer 2021 endenden Vertrages mit dem Trainer zu sprechen. Der BVB könnte mit größtem Optimismus in die neue Saison gehen. Wäre da nicht der FC Bayern, der zuletzt immer im Weg stand, wenn die Dortmunder mal wieder kurz davor standen, sich ihren großen Traum von einem Fest mit Schale auf dem Borsigplatz zu erfüllen.

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