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Topspiel-Debakel : Eine Debatte reizt überforderte Dortmunder

„Es ist scheißegal, wo du auf dem Platz stehst“: Marco Reus Bild: AFP

Die Borussia geht mit einer unerwarteten Aufstellung ins Topspiel. Der Versuch ohne Götze und mit Reus auf ungeliebter Position geht komplett schief. In der Diskussion danach finden vor allem zwei Dortmunder klare Worte.

          Sie hatten keinen Plan, keinen Zugriff, keinen Erfolg. Und am Ende erst einmal auch keine Erklärung. „Es ist ganz schwer, nach einem solchen Spiel Worte zu finden“, fand Michael Zorc, der Dortmunder Sportdirektor, nach dem 0:5-Debakel in München. „Wir haben heute alles vermissen lassen, was eine Spitzenmannschaft ausmacht. Wir haben Fehler gemacht, die manche Spieler zuletzt in der A-Jugend gemacht haben.“

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          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Vielleicht lag es daran, dass manche Spieler ja noch in der A-Jugend spielen könnten. Der 19 Jahre alte Jadon Sancho, bisher der aufregendste Offensivspieler der Saison, verdarb neunzig Minuten lang praktisch jeden der wenigen Angriffsversuche, in die er einbezogen war. Der 19 Jahre alte Dan-Axel Zagadou schenkte Robert Lewandowski vor dem 0:2, das seinem Team schon nach 17 Minuten das Genick brach, als letzter Mann den Ball. Bayern-Trainer Niko Kovac verriet: „Wir haben das in der Analyse angesprochen, dass Zagadou immer mal wieder einen Bock drin hat.“

          Als der Franzose dem ins leere Tor trudelnden Ball hinterherschaute, sah man die vier blauen Klebestreifen, die den kräftigen Nacken den 1,96-Meter-Hünen bedeckten. Es war eine orthopädische Vorsichtsmaßnahme, die aber in diesem Moment auch als optischer Kommentar zu seinem Spiel, ja dem der ganzen Dortmunder Elf passte: ein interessantes, aber unfertiges, noch nicht völlig ausgepacktes Produkt.

          Die beiden Teenager waren beileibe nicht die einzigen, die überfordert schienen von den Anforderungen eines solch großen Duells. Nicht mal der zehn Jahre ältere Marco Reus war eine Ausnahme. „Wir haben katastrophal gespielt, katastrophal verteidigt“, sagte der Kapitän. „Ich habe dafür keine Erklärung.“ Zorc hatte eine: „Ich hatte das Gefühl, dass wir dieser Konstellation mental nicht gewachsen waren.“ Auch der Gegner empfand das so. „Die Dortmunder haben eine junge Mannschaft“, sagte Thomas Müller, eine, die dann auch noch „in so kurzer Zeit solche Rückschläge hinnehmen musste wie bei den ersten Gegentoren.“ Die Bayern spürten die Wirkung ihrer Wirkungstreffer, und „da sind wir einfach auf dem Gaspedal geblieben“. Ein Pedal, das der BVB nie fand. So wenig wie die Bremse.

          Man kann nicht sagen, ob Trainer Lucien Favre geschockt war oder nicht. Wüsste man nicht, wie ein Spiel ausgegangen ist, es wäre unmöglich, es ihm anzusehen. Die Stimmlage, mit der er nach diesem Spiel von einer „Lehrstunde“ sprach, die „nur schwer zu verdauen sein wird“, klang wie dieselbe, mit der er auch viele der Siege des BVB in dieser Saison kommentiert hatte. Und das wissende Lächeln, mit dem er die Frage nach seinem Anteil an diesem Debakel begleitete, verriet, dass er genau diese Frage, die nach seiner unerwarteten Aufstellung, natürlich erwartet hatte. „Nach dem Spiel ist es leicht zu sagen, dass Reus keine gute Idee war“, räumte er ein und relativierte: „Ich weiß nicht, ob wir gewonnen hätten, wenn wir anders gespielt hätten.“

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