https://www.faz.net/-gtm-8jqyu

Borussia Dortmund in China : Fußball Made in Germany auf Tour

  • -Aktualisiert am

Die Borussia obenauf: Der Auftritt beim 4:1 gegen Manchester United – hier BVB Neuzugang Ousmane Dembele gegen Eric Bailly – fand große Beachtung in China. Bild: firo Sportphoto

Mehr als eine Übungseinheit Tai-Chi und Vermittlung chinesischer Schriftzeichen: Borussia Dortmund eröffnen sich bei der Reise nach China beste Perspektiven.

          3 Min.

          Von der halben Million Trikots, die Borussia Dortmund in der vergangenen Fußball-Saison verkaufte, fanden rund 75.000 im Ausland einen neuen Besitzer. Noch nimmt sich dieser Wert im Vergleich zu den Branchenriesen der englischen Premier League bescheiden aus, aber in allen Bereichen seiner Internationalisierung vermeldet der Bundesliga-Zweite: Tendenz steigend. Während Marketing-Direktor Carsten Cramer seinen Verein in Deutschland schon „sehr gut vertreten“ sieht, entdeckt er im Ausland noch manchen Claims, die sich abstecken und ausnutzen lassen, dort sind für ihn „die größten Sprünge“ zu erwarten.

          Allein beim viel beachteten Test gegen Manchester United am vergangenen Donnerstag schätzten die BVB-Spezialisten die Zahl der entsprechend gekleideten Fans im Stadion von Schanghai auf 6000 bis 7000, „das“, sagte Hans-Joachim Watzke, „hat uns sehr gut gefallen“. Noch besser dürfte der Vorsitzende der BVB-Geschäftsführung finden, wenn der 4:1-Sieg über das neue Team von José Mourinho der Borussia einen Schub bei ihren wirtschaftlichen Expansionsplänen verleiht. „Wir haben durch dieses Spiel in China große Aufmerksamkeit erregt und einen phantastischen Eindruck hinterlassen“, sagt Marketing-Direktor Carsten Cramer.

          Längst hat sich die in der Rangliste der Europäischen Fußball-Union (Uefa) aktuell an Position acht gelistete Borussia auch über die Grenzen Deutschlands hinaus einen hohen Bekanntheitsgrad erworben. Andernfalls wäre Dortmund von den Veranstaltern des auf vier Kontinenten stattfindenden International Champions Cups (ICC) nicht nach China und zu dem hervorragend besetzten Turnier gemeinsam mit den beiden Klubs aus Manchester eingeladen worden. „Diese Gelegenheit konnten wir unmöglich verstreichen lassen“, betont Cramer.

          Die Borussia generiert durch Drohnen bei Sportveranstaltungen Einnahmen

          In Form von zwei regionalen Partnerschaften mit Reiseveranstalter wowsports sowie dem Unternehmen dji, das 75 Prozent aller Drohnen dieser Welt produziert und sich in einer Sparte darauf spezialisiert hat, Drohnen auch in Sportveranstaltungen oder im Training einzusetzen, generiert die Borussia bereits die ersten sicheren Einnahmen. Sieben dieser Kooperationen unterhält der Klub mittlerweile in Asien, jede bringt zwischen 150000 und 500000 Euro. Durch die Teilnahme am ICC erhält der BVB einen ganz anderen Zugang zum chinesischen Markt, als wenn er sich ihn mühsam selbst erarbeiten müsste.

          Die im siebenstelligen Bereich liegende Antrittsprämie und die einmalige Chance, sich auf einem riesigen Markt zu präsentieren, führte zu einem Kurs- und Strategie-Wechsel. Anders als in Japan, wo sich Dortmund für einen „bottom-up-approach“ entschied, womit in der Fachsprache der gründliche Beziehungsaufbau von unten gemeint ist, der 2015 erst nach vier Jahren zu einer Reise nach Tokio, Singapur und Malaysia führte, entschied man sich in China gleich für einen großen Aufschlag.

          BVB-Trainer Thomas Tuchel agiert vom Spielfeldrand.

          „Es gibt da keine Blaupausen“, sagt Cramer, „wir versuchen, unsere Strategie individuell den jeweiligen Ländern anzupassen.“ In China, wo man gerade versucht, bis zum Jahr 2050 zu einer Fußball-Großmacht aufzusteigen, sieht der BVB enorme Potentiale. Ein Langzeitplan des chinesischen Verbandes sieht vor, dass bereits bis 2020 möglichst 50 Millionen Kinder und Erwachsene Fußball spielen sollen. Viele Gespräche im Umfeld der Reise kreisen deshalb um ein Thema, auf das Dortmund „extrem fokussiert“ (Cramer) ist: Wie bringe ich den Fußball in die Schulen? Für den Anfang unterhält die Borussia selbst eine Fußball-Schule in China, gemein mit Hauptsponsor Evonik.

          Gar nicht so ungern bezuschusst die Deutsche Fußball Liga den 20000-Kilometer-Trip der Westfalen mit der Maximalsumme von 300000 Euro: Der Fernsehvertrag mit CCTV, der als staatlicher und reichweitenstärkster Sender die Bundesliga-Rechte in China hält, läuft aus und muss neu verhandelt werden. „Die Bundesliga wird nicht unglücklich sein, dass wir jetzt eine gewisse mediale Wahrnehmung erzeugen“, sagt Cramer. Im Zuge der Auslandsvermarktung erhofft sich die DFL für die Rechte in China ab 2017 ein Mehrfaches der aktuellen Konditionen, die im niedrigen siebenstelligen Bereich liegen sollen – und nur einen Bruchteil der Summe betragen, die die Premier League einstreicht (annähernd 60 Millionen).

          Jesse Lingard von Manchester United kontrolliert den Ball während des International Champions Cups gegen BVB Spieler Sven Bender.

          Wenn dann die beiden Leuchttürme aus München und Dortmund China regelmäßig bereisen und bereits jetzt ihren nächsten Trip für 2017 ankündigen, erhöht das zwangsläufig die Attraktivität des Hochglanz-Produkts Bundesliga. Cramer erwartet, dass der Wert des nächsten Fernsehvertrages „angepasst wird“. Den am Donnerstag endenden Dortmunder Auftritt in China wertet der BVB-Fachmann als „kleines Mosaiksteinchen, dass Fußball Made in Germany hier einen gewissen Wert“ hat.

          Um Bekanntheitsgrad und Sympathiewerte zu erhöhen, mutet der BVB seinen Profis ein strammes Programm zu. Am Montag und Dienstag ließ Thomas Tuchel zweimal intensiv trainieren. Sportdirektor Michael Zorc hält Kritikern der Neun-Tage-Reise, die am Donnerstag (13.35 Uhr MESZ) mit der Partie gegen Manchester City endet, gar nicht erst entgegen, dass allein der sportliche Aspekt im Vordergrund stehe. Lieber spricht er von einer „gesunden Mischung aus sportlich werthaltigen Spielen, Training und PR-Aktivitäten“. Dazu zählte auch ein Besuch im „Yu Garden“, einer Garten- und Tempel-Anlage in Schanghai. Fünf Profis ließen sich dort wie vorher schon in einer offiziellen Übungseinheit im Tai Chi anweisen. Hinterher durften sie noch versuchen, Borussia Dortmund in chinesischen Schriftzeichen zu schreiben.

          Weitere Themen

          Größtes Solar-Rennen der Welt startet Video-Seite öffnen

          Voll elektrisiert unterwegs : Größtes Solar-Rennen der Welt startet

          Der Rennwettbewerb „Bridgestone World Solar Challenge“ gilt weltweit als das härteste Rennen für Solarfahrzeuge. Mehr als 40 Teams starteten aus über 20 Ländern im australischen Darwin, um mit den zurzeit schnellsten solarbetriebenen Autos der Welt quer durch Australien in die südliche Stadt Adelaide zu fahren.

          Süle schlampig – Kimmich schlau

          Deutsche Einzelkritik : Süle schlampig – Kimmich schlau

          Neuer kann keinen geruhsamen Abend genießen, nachdem Can unfreiwillig früh Feierabend hat. Doppeltorschütze Gündogan glänzt als unermüdlicher Antreiber. Die deutsche Mannschaft in der Einzelkritik.

          Topmeldungen

          Gestärkt: Der türkische Staatspräsident Erdogan spricht am Sonntag mit türkischen Journalisten

          Türkische Offensive : Erdogans Gewinn

          Wieder einmal stärkt eine Krise, die der türkische Staatspräsident ausgelöst hat, seine innenpolitische Stellung. Die ausbleibende internationale Unterstützung aber dürfte einen hohen Preis haben.
          Zweimal Gündogan: Kimmich schreit seine Erleichterung über die Treffer des Kollegen heraus.

          3:0 für Deutschland : Geduldsspiel in Tallinn

          Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss einen frühen Platzverweis von Emre Can verkraften, gewinnt aber nach zähem Beginn 3:0 in Estland. Gündogan trifft zweimal, Werner setzt noch einen drauf.
          Was denkt die Queen über den Brexit? Die britische Königin Elisabeth II. im Mai 2019.

          Brexit-Streit : Die Queen liest Johnson

          Elisabeth II. trägt an diesem Montag im Unterhaus das Regierungsprogramm des Premierministers Boris Johnson vor. Im Zentrum steht der Brexit-Prozess, der gerade in einer entscheidenden Phase ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.