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Borussia Dortmund : Elf Wutbürger sollt ihr sein

  • -Aktualisiert am

Mit Wut gegen die Krise: Dortmund und Trainer Jürgen Klopp Bild: REUTERS

Der deutsche Meister steht im Mittelfeld der Tabelle. Doch Jürgen Klopp sieht Lichtblicke bei seinen Dortmundern. Vor der Partie in Mainz hat der Trainer „gewisse Wut“ entdeckt.

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          Überraschungsmeister, also alle deutschen Fußballmeister außer Bayern München, haben es schwer im „Jahr danach“. Sogar die Dortmunder Borussen. Auf diversen Maifeiern als jüngster Champion der Bundesliga gewürdigt, sind die Westfalen ein paar Monate später im Alltag angekommen – und im Mittelmaß. „Die Situation ist nicht schwarz und nicht weiß, sondern grau“, sagt Trainer Jürgen Klopp.

          Nach dem teils inflationären Gebrauch von Superlativen finden neuerdings Vergleiche Eingang in die Diskussion, die den Dortmundern weniger gefallen. Nach sechs Runden sieht der Titelverteidiger sich als Tabellen-Elfter mit sieben Punkten in eine Reihe mit seinen Vorgängern Stuttgart und Wolfsburg gestellt, die nach einem allseits bestaunten Überraschungscoup nicht nur die Bayern, sondern auch viele andere Mitbewerber an sich vorbeiziehen lassen mussten. Wolfsburg brachte es vor zwei Jahren im Vergleichszeitraum auf neun Zähler und belegte den neunten Rang; vor vier Jahren war Stuttgart mit sieben Punkten Dreizehnter.

          Spätestens seit der jüngsten Niederlage in Hannover macht sogar das Unwort von der Krise, derzeit noch in der Unterform der Ergebniskrise, die Runde. „Bei der Art und Weise, wie Fußball gespielt wird, sind wir nicht so weit vom Idealbild entfernt wie beim Ergebnis“, sagt Klopp. Nach einigen schwächeren Leistungen hatte die Mannschaft gegen die Niedersachsen scheinbar wieder in die Spur gefunden, sich aber letztlich selbst im Wege gestanden.

          Zum verschwenderischen Umgang mit Torchancen, einem altbekannten Mangel, kam eine rätselhafte Konzentrationsschwäche hinzu, die zu zwei Gegentoren in den letzten drei Minuten führte. In Klopps Augen ist es „kein Zufall“ und schon gar kein Pech, was seinen lernenden Meistern zuletzt widerfahren ist. „Wir haben uns das selbst eingebrockt“, sagt er. „Du bist ein wenig nachlässig, und schon gibt es die volle Breitseite.“ Aber jetzt sei es auch „genug mit dem Einbrocken“.

          Gegenüber seinen Mitarbeitern bevorzugt Klopp, der auch laut und streng sein kann, derzeit einen moderaten Ton – sagt er. Sonst müsste er die Spieler „die ganze Woche wieder aufbauen“. Die Profis, die zur Verfügung stehen, erhalten einen Vertrauensvorschuss. So darf etwa ein zuletzt ungewohnt fehlerhaft verteidigender Mann wie Neven Subotic weiter seinen Stammplatz im Abwehrzentrum einnehmen. Klopp war ohnehin gezwungen, die Elf oft genug umzustellen.

          Jungstar Mario Götze fehlte zwei Wochen wegen einer Sperre, ist an diesem Samstag in der Auswärtspartie gegen Mainz 05 (15.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) aber wieder spielberechtigt. Torjäger Lucas Barrios hat erst vor ein paar Tagen das Mannschaftstraining aufgenommen. Der beste defensive Mittelfeldspieler im Team, Sven Bender, ist aufgrund einer Blessur (noch) ein Wackelkandidat, sein möglicher Vertreter Sebastian Kehl noch gesperrt.

          „Eine gewisse Wut entwickelt“

          Die Offensivkräfte Shinji Kagawa und Kevin Großkreutz sind weit von ihrer Meisterform entfernt. Ein Zugang wie Ilkay Gündogan, mag er noch so talentiert sein, vermag einen fast kompletten Strategen wie Nuri Sahin nicht zu ersetzen, jedenfalls noch nicht. Es gibt also viele (Teil-)Ausfälle, von denen jeder einzeln zu verkraften wäre, die den BVB in der Summe aber so schwächen, dass die Mannschaft höchste Ansprüche nicht mehr erfüllen kann.

          Aber für Jürgen Klopp gibt es auch Lichtblicke beim deutschen Meister: „In uns hat sich eine gewisse Wut entwickelt, die manchmal nötig ist, um die letzten paar Prozentpunkte herauszuholen“, sagt der Trainer. Frei nach dem Motto: Elf Wutbürger sollt ihr sein.

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