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Borussia Dortmund : Ein Friedrich gegen den plötzlichen Kurssturz

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Komm, hilf mir! Manuel Friedrich kehrt noch einmal in die Obhut von Jürgen Klopp, seines ehemaligen Mitspielers und Trainers aus Mainzer Tagen, zurück Bild: dpa

Borussia Dortmund ist vor dem Bundesliga-Gipfel gegen Bayern München am Samstag in Not: Ein ehemaliger Mitspieler Klopps soll nach den Verletzungen von Mats Hummels und Marcel Schmelzer nun zum Helfer in der Not werden.

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          Bei seinem langersehnten Debüt in der Nationalelf erlebte Roman Weidenfeller einen weitgehend ruhigen Abend. Der Torhüter von Borussia Dortmund wurde von den Engländern kaum gefordert. Doch in wenigen Tagen, beim Bundesliga-Spitzenspiel gegen Bayern München, wird Weidenfeller stärker unter Druck geraten als in Wembley. Es wird allmählich einsam um den Torwart. Am Tag nach dem Länderspiel schockierten neue medizinische Diagnosen den BVB. Der Verein gab bekannt, dass zwei weitere hochqualifizierte Abwehrkräfte ausfallen werden.

          Mit Innenverteidiger Mats Hummels sei erst Mitte Januar wieder zu rechnen, teilte Mannschaftsarzt Markus Braun mit. Bei Hummels klingt schon der Name der Verletzung kompliziert: „knöcherner Bandausriss am rechten Fersenbein“. Auch Marcel Schmelzer kehrte lädiert aus London zurück. Der Linksverteidiger erlitt in London einen Muskelfaserriss in der linken Wade und wird voraussichtlich drei Wochen nicht zur Verfügung stehen. „Wir waren kurz ein wenig geschockt“, sagte Sportdirektor Michael Zorc am Mittwoch. „Aber dann haben wir uns geschüttelt und gesagt: Es geht weiter.“

          „Nicht optimal für alle Beteiligten“

          Sogar seinen Humor hatte der Manager nach dem Schrecken in der Abendstunde wiedergefunden. „Die Rahmenbedingungen haben sich verändert, aber wir treten trotzdem an gegen die Bayern.“ Weniger lustig reagierte Zorc mit Blick auf das Spitzenspiel jüngst auf die Ansetzung der Partie gegen Bayern. „Dieses Spiel vor einem fünften Spieltag in der Champions League und unmittelbar nach einer langen Länderspielpause anzusetzen ist nicht optimal für alle Beteiligten.“

          Manchmal mag es ein wenig weinerlich klingen, wenn Trainer oder Manager, auch in Dortmund, auf die Verletztenliste hinweisen oder auf die Risiken und Nebenwirkungen einer Länderspielpause. Bei Borussia Dortmund aber spitzt sich die Personalnot nun dramatisch zu. Gegen Bayern München müssen die Westfalen auf die komplette Vierer-Abwehrkette verzichten, die in der vergangenen Saison so stabil war, dass Dortmund in der Bundesliga zum einzigen ernsthaften Herausforderer der Herrscher aus München wurde und eben jenem FC Bayern auch ins Finale der Champions League folgte.

          Mats Hummels: Durch einen „knöchernen Bandausriss am rechten Fersenbein“ außer Gefecht
          Mats Hummels: Durch einen „knöchernen Bandausriss am rechten Fersenbein“ außer Gefecht : Bild: dpa

          Neben Hummels und Schmelzer fehlen auch Neven Subotic, der bis zum Saisonende ausfällt, und Lukasz Piszczek, der zwar wieder das Mannschaftstraining aufgenommen hat, aber nach fast einem halben Jahr Zwangspause noch längst nicht die Fitness für einen Auftritt in der Bundesliga besitzt. Dass es Dortmund derart hart trifft, dürften nicht nur BVB-Anhänger bedauern, sondern all jene, die sich von dem Spiel gegen Bayern München einen Zuwachs an Spannung an der Spitze der Tabelle versprechen. Mit einem Sieg in Dortmund könnte der Titelverteidiger seinen Vorsprung auf sieben Punkte ausbauen.

          Auch Ilkay Gündogan, hoch gelobte Fachkraft im defensiven Mittelfeld, ist noch nicht einsatzfähig. Also stellt sich die Frage, wer überhaupt verhindern soll und kann, dass allzu viele Bayern-Profis frei vor Weidenfeller auftauchen, der in London vor Stolz fast platzte, aber seine gute Form auch brauchen wird. Weil sich die Kalamitäten schon länger abzeichneten (wenn auch nicht in dieser Schärfe), hat Trainer Jürgen Klopp gemeinsam mit Zorc schon seit einer Weile nach Lösungen gesucht.

          Sogar die Börse reagierte auf die ungünstigen Umstände

          Während der Länderspielpause ließen sie Manuel Friedrich zur Probe mittrainieren und verpflichteten ihn nun am Mittwochabend. Der Innenverteidiger war nach Auslaufen seines Vertrags in Leverkusen vereinslos, seine Pläne eines Fußballabenteuers zum Karriereausklang in einer asiatischen Liga ließen sich bislang noch nicht realisieren.  Deshalb konnte er nun außerhalb der Transferfenster verpflichtet werden. Zuletzt hatte sich der ehemalige Nationalspieler bei Rot-Weiß Oberhausen, einem Verein aus der vierten Liga, fit gehalten. „Manuel ist immer noch ein guter Fußballer“, sagte Zorc schon nach den ersten Trainingseinheiten.

          Schmelzer kommt aus dieser Szene heil raus, in der anderen Wade aber plagt ihn ein Faserriss
          Schmelzer kommt aus dieser Szene heil raus, in der anderen Wade aber plagt ihn ein Faserriss : Bild: AFP

          Friedrich, der in jungen Jahren bei Mainz 05 noch mit dem alternden Spieler Klopp zusammengespielt und nach dessen Wechsel auf die Trainerbank seine wichtigsten Entwicklungsjahre unter dem damaligen Jungtrainer  absolviert hat, hatte den Dortmundern Anlass zur Hoffnung gegeben und sich für die Teilnahme an einem Test qualifiziert, den die wenigen nicht für Länderspiele abgestellten BVB-Profis gemeinsam mit einigen Nachwuchskräften gegen den Zweitligaklub SC Paderborn (1:2) absolvierten. Auch er musste, in der 58. Minute, verletzt ausgewechselt werden, nachdem er sich mehrmals ans Knie gefasst hatte. Der Vorfall hatte aber keine Folgen, weshalb ein Einsatz schon gegen die Bayern denkbar ist.

          Unabhängig davon wird zunächst wohl Sven Bender aus dem defensiven Mittelfeld ins Abwehrzentrum rücken, ein Nationalspieler, der gesund und munter von der Nationalmannschaft zurückgekehrt ist. Benders Position im defensiven Mittelfeld wiederum könnte Kapitän Sebastian Kehl übernehmen, auch wenn es ihm nach einer längeren Verletzungspause an Spielpraxis fehlt.

          Jürgen Klopp war in den vergangenen Jahren oft erfolgreich gegen die Bayern. Aufgrund der vielen Ausfälle fällt es diesmal auch dem mitunter genialen Trainer des BVB schwerer als sonst, die richtige Lösung zu finden. Solch ungünstige Umstände hat er in Dortmund noch nie vorgefunden. Darauf reagierte sogar die Börse. Der Kurs des einigen deutschen Fußballwerts sank am Mittwoch zeitweise um vier Prozent.

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