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Borussia Dortmund : Druck für den Meister

  • -Aktualisiert am

Gewohnte Bilder: Zuletzte jubelte nur der BVB - und München trauerte Bild: dpa

Vor dem Supercup gegen Borussia Dortmund übt sich der FC Bayern in der Provokation. Doch der Rivale bleibt ruhig, stapelt tief und bezeichnet die Münchner immer noch als Nummer eins.

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          Kurz vor dem Ende des Gesprächs kam doch noch eine Frage, die der Rivalität zum FCBayern München galt. Ein Reporter wollte von Jürgen Klopp erfahren, ob es ihm nicht auf die Nerven gehe, dass die Bayern den Dortmundern erklären wollten, wie ihr Saisonziel auszusehen habe. Der Cheftrainer des BVB antwortete zunächst mit einer Gegenfrage. „Wer hat das gemacht?“ Zuletzt Paul Breitner. Der meinungsfreudige Münchner, früher Mittelfeldstratege, inzwischen „Markenbotschafter“ des FC Bayern, hatte den Dortmundern vorgeworfen, den Gewinn zweier Meisterschaften nacheinander nicht zum Anlass zu nehmen, die abermalige Titelverteidigung als Ziel auszugeben: „Das ist kindisch und lächerlich.“ Nicht nur Klopp, sondern auch das Management des Revierklubs sprechen indes davon, es gehe vorrangig darum, sich so in der Spitzengruppe der Bundesliga zu etablieren, dass die Qualifikation für die Champions League zur Regel werde.

          Bundesliga-Spielplan von Borussia Dortmund für die Saison 2012/13

          Bundesliga-Spielplan von Bayern München für die Saison 2012/13

          Eine Wand mit Werbelogos im Rücken, ließ Klopp sich auf seinem Stuhl ein wenig zurückfallen, straffte und reckte seinen Oberkörper und erwiderte, vielleicht sei es für andere „nerviger, dass ich das nicht mitkriege“. Er lachte herzhaft über die Pointe. Um jedoch keine Schärfe aufkommen zu lassen, schickte Klopp sogleich hinterher: „Nein, ist egal, alles gut.“ Die Szene stammt aus dem Vorausblick auf das Spiel um den Supercup der Deutschen Fußball-Liga an diesem Sonntagabend in München. In diesem Wettbewerb trifft für gewöhnlich der deutsche Fußballmeister auf den DFB-Pokalsieger. Da die Dortmunder als Gewinner beider Titel jedoch nicht gegen sich selbst antreten können, dürfen sich die Bayern als Meisterschaftszweiter knapp zwei Wochen vor dem Ligastart mit ihnen messen. In der Münchner Arena geht es also noch nicht um Punkte - aber um viel Prestige.

          Keine vereinzelten Störfälle

          Das sehen vor allem die Bayern so. Auf dem Rasen konnten sie den Dortmundern schon länger nicht mehr gefährlich werden, dafür tragen sie mit ihren kritischen Kommentaren dazu bei, die Rolle des BVB als Mitbewerber neu zu definieren - und erhöhen, wieder einmal, den Druck auf das eigene Personal. Sie stufen Dortmund nicht mehr als den netten Meister und Pokalsieger von nebenan ein, der die Bundesliga spannend macht, dem Branchenführer auf Sicht aber doch nicht gewachsen ist - wie Bremen, Stuttgart oder Wolfsburg, die in den vergangenen Jahren nach einem Titelgewinn zurückfielen, weil die Substanz nicht reichte, das Außergewöhnliche zu wiederholen.

          Michael Zorc und der Supercup

          Fünf Pflichtspiele, darunter das Pokalfinale im Mai (5:2), haben die Borussen in Serie gegen den Rekordmeister gewonnen. Dessen Präsident Uli Hoeneß sagt, er könne sich „die Schlagzeilen der Presse schon vorstellen“, die produziert würden, falls sein Klub den Prolog zur neuen Saison auch noch verlieren sollte. In den Augen der Bayern-Granden gelten Niederlagen gegen den westfälischen Widersacher nicht mehr bloß als vereinzelte Störfälle, die mit sportlichen oder rhetorischen Mitteln leicht zu beheben wären. „Also wird dieses Spiel auf jeden Fall ein Ernstfall sein“, sagte Hoeneß vor dem Supercup, der unter diesen Umständen, sicher zur Freude des Veranstalters, an Aufmerksamkeit gewinnt.

          „Steht nicht im Grundgesetz, ist aber so“

          Die Dortmunder halten stur an ihrem Kurs des Understatements fest, und den Münchnern fällt es schwer, dieser schlichten Strategie etwas Wirksames entgegenzusetzen. Der Dortmunder Standpunkt leuchtet auf den ersten Blick ein. Die Borussen berufen sich auf den wirtschaftlichen Vorsprung, den die Bayern vermutlich noch lange besitzen werden. Hans-Joachim Watzke, der Vorsitzende der BVB-Geschäftsführung, bemisst diesen Vorsprung gern nach „Lichtjahren“. Sportdirektor Michael Zorc behauptet, sich „an Fakten“ zu halten. Im Fußball sei „der sportliche Erfolg von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängig“, sagt er.

          Diese Regel könne für eine gewisse Zeit außer Kraft gesetzt werden, „aber aufgrund seiner wirtschaftlichen Stärke muss der FC Bayern München die Nummer eins sein. Das steht zwar nicht im Grundgesetz, ist aber so.“ Wenn die Dortmunder glauben machen wollen, die Münchner wären noch unangefochten die Nummer eins im deutschen Fußball, mögen sie sich am Rande zur Unglaubwürdigkeit bewegen. Aber sie tun es so beharrlich, so unbeirrbar, manchmal auch subtil, dass die Bajuwaren bei ihren Angriffen unbeholfen, ja dünnhäutig wirken. Und wem hilft das? Dem BVB. Was die Dortmunder bei ihrer Tiefstapelei mit einer gewissen Chuzpe ausblenden, sind Ergebnisse und Tabellen der vergangenen beiden Jahre. Die aber gehören auch zu den Fakten, oder anders formuliert: zur Wahrheit - jedenfalls soweit sie auf dem Platz liegt.

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