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Borussia Dortmund : Kampf gegen die bösen Mächte

  • -Aktualisiert am

Nicht zu glauben: Erik Durm, Pierre-Emerick Aubameyang und Adrian Ramos nach der Niederlage in Frankfurt. Bild: AP

Letzter in der Tabelle! Borussia Dortmund wankt in der Fußball-Bundesliga. Wie ist das möglich? Die Fans jedenfalls verlieren die Geduld. Erstmals gibt es Pfiffe aus der Kurve.

          Das tröstende Wort am Sonntag kam von Alexander Meier. Der Torjäger der Frankfurter Eintracht, der mit seinem achten Saisontreffer die neuerliche Niederlage von Borussia Dortmund eingeleitet hatte, sagte im Brustton der Überzeugung: „Dortmund kann gar nicht absteigen. Die sind zu gut.“  Es gehört zu den Fußball-Wundern, dass der BVB am 13. Spieltag nach dem 0:2 in Frankfurt auf den letzten Platz abgerutscht ist und Meiers Trost bedarf.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Jeder Fußballfan mit Realitätssinn konnte sich vorstellen, dass es auch mal schlechter laufen könnte für die Dortmunder, die seit Jahren auf die Plätze eins und zwei abonniert sind. Aber weniger als Platz fünf oder sechs? Das schien bei der Substanz des Kaders einfach nicht möglich. 

          Gut, das Verletzungspech schlägt in Dortmund seit Monaten unbarmherziger zu als in anderen Bundesligastädten und es war sicher der Auslöser der Krise. Doch mittlerweile hat die Abwärtsentwicklung eine Dramatik erreicht, die durch die Abwesenheit einzelner oder auch mehrerer wichtiger Spieler nicht mehr erklärt wird.

          Die Mannschaft, die Klopp in Frankfurt auf den Rasen brachte, war keine mit Aushilfsprofis mit grauen Bärten oder Juniorenspielern mit Eierschalen hinter den Ohren. Aber was ist es denn nun, das Borussia Dortmund bis auf den letzten Tabellenplatz abrutschen ließ?

          Wieder einmal geschlagen: Torhüter Roman Weidenfeller und seine Abwehr. Bilderstrecke

          Eine Mischung aus verloren gegangenem Selbstvertrauen und Pech. Im Moment geht den Dortmundern nichts leicht von der Hand, aber es ist auch nicht so, dass ihnen nichts gelänge. In Frankfurt waren sie zwischen der 15. und 75. Minute das bessere Team, hatten vier große Möglichkeiten zum Ausgleich. Nicht, dass sie mit verwirrenden Spielzügen geglänzt und die Eintracht ausgespielt hätten. Dazu fehlt es an Lockerheit und Leichtigkeit. Aber der BVB hatte sich in die Partie gebissen und die Frankfurter unter Druck gesetzt. Doch ein Tor wollte nicht fallen. Trainer Klopp sagte dazu: „Wir machen viel für nichts.“

          Und im Gegenzug verhalfen die Dortmunder der Eintracht durch grobe Fehler zu ihren Toren. Das zweite Gegentor, zu dem Matthias Ginter ungewollt für Eintracht-Stürmer Haris Seferovic  die Kopfballvorlage gab, gehörte für Klopp sogar ins „Kuriositätenkabinett“. Woche für Woche geht das nun so, unterbrochen von dem 1:0-Sieg über Mönchengladbach, bei dem Kramer mit einem kuriosen Eigentor den Borussen zur Seite sprang.

          Trainer Klopp versteht den Unmut der Fans

          Sogar den Borussen-Fans wird das Dilemma langsam zu viel. Erstmals empfingen sie die Profis bei deren Besuch in der Kurve nach dem Abpfiff mit Pfiffen. Nichts Schlimmes, aber schon bemerkenswert bei der sprichwörtlichen Treue der Dortmunder Anhängerschaft. Zumal die Spieler kämpferisch und läuferisch alles gegeben hatten.

          Trainer Klopp zeigte Verständnis dafür. „Wir machen es unseren Fans nicht leicht. Ich kann nachvollziehen, dass sie nicht begeistert sind, dafür gab es wenig Gründe. Das wir ihr Vertrauen zurück erarbeiten müssen ist klar. Wir müssen daran arbeiten, dass die Mannschaft weiter an sich glaubt. Wenn es keiner im Umfeld mehr tut, müssen wir das ganz alleine für uns machen.“

          Klopp wirkte in Frankfurt ein wenig angegriffen, wer wird schon gerne Letzter. Aber er wirkte alles andere als niedergeschlagen. Er nimmt den Kampf gegen die bösen Mächte des Fußballs an. Ein Aufgeben, wie es Armin Veh vor einer Woche beim VfB Stuttgart tat, kommt für ihn nicht in Betracht. Der hatte gemeint, er bringe Stuttgart kein Glück. „Wenn es so einfach wäre, würde ich auch gehen“, sagte Klopp dem Pay-TV-Sender Sky. „Aber so einfach ist es nicht. Ich sehe mich hier total in der Verantwortung und stelle mich dem. Ich stehe ganz bestimmt nicht im Weg, aber ich kann auch nicht gehen, bevor es eine bessere Lösung gibt.“

          Für Sportdirektor Michael Zorc ist Klopp nach wie vor die beste Lösung: „Wir sind einhundertprozentig davon überzeugt, dass wir mit ihm aus der Situation herauskommen.“

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