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Borussia Dortmund : Die mysteriöse Verletzung des Ilkay Gündogan

  • -Aktualisiert am

Liebend gerne würde Ilkay Gündogan wieder im Dortmunder Trikot auflaufen Bild: dpa

Aus wenigen Wochen Pause wurden sechs Monate, und bei Borussia Dortmund tun sich alle schwer mit Erklärungen: Eine mysteriöse Verletzung hat Ilkay Gündogan aus der Bahn geworfen. Er fehlt auch heute gegen den HSV (15.30 Uhr).

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          Ilkay Gündogan läuft und läuft und leidet. Runden um den Trainingsplatz zu drehen ist noch immer das Äußerste, was er sich zumuten kann. „Das ist eine knallharte Phase, die härteste in meiner Karriere bisher“, sagt er. Der Mittelfeldspieler fehlt seinem Arbeitgeber Borussia Dortmund, der am Samstag beim HSV antritt (15.30 Uhr/ live in SKy und F.A.Z.-Liveticker) und der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nun schon seit einem halben Jahr. Gündogan laboriert an einem Rückenleiden, das Rätsel aufgibt. Eine Rückkehr ins Stadion oder zumindest ins Mannschaftstraining war mehrmals angekündigt worden, musste aber jedes Mal verschoben werden.

          Inzwischen wagt niemand mehr, den Zeitpunkt der vollständigen Genesung vorherzusagen. Der Dortmunder Sportdirektor Michael Zorc äußert sich in der Diktion medizinischer Bulletins. „Eine Aussage darüber zu treffen, wann Ilkay Gündogan seinen Körper wieder schmerzfrei belasten kann, ist schwierig“, sagt er. Es sei „nicht seriös, eine genaue Prognose abzugeben“.

          Unter dem Eindruck des langwierigen, immer wieder unterbrochenen Heilungsverlaufs könnte sogar Gündogans Teilnahme an der Weltmeisterschaft im kommenden Sommer in Gefahr geraten. Auch dem eloquenten BVB-Trainer Jürgen Klopp bleibt nichts anderes übrig, als sich in Zurückhaltung zu üben. „Wir haben damit umzugehen gelernt und müssen der Sache Zeit geben“, sagt er.

          Angefangen hatte „die Sache“ wie eine alltägliche Verletzung. Mitte August nahm Gündogan trotz leichter Beschwerden am Test-Länderspiel gegen Paraguay teil, erzielte ein Tor, musste aber nach einer halben Stunde ausgewechselt werden, weil der Rücken zu stark schmerzte. Die Diagnose lautete: Stauchung der Wirbelsäule. Zwei Wochen Pause.

          Abwarten und zuschauen: Gündogan muss schon seit sechs Monaten aussetzen

          Nach Ablauf der ersten Krankschreibung folgten weitere vier Wochen wegen einer „Überlastungsreaktion im Lendenwirbelbereich“. Immer noch erschien das Ganze, zumindest für den Laien, nicht allzu dramatisch. Verein und Spieler verbreiteten Zuversicht. Doch der Zustand des hoch veranlagten Mittelfeldstrategen wurde nicht besser, sondern schlechter, weil ein Nerv sich entzündete. Aus sechs Wochen wurden sechs Monate Pause - Ende offen.

          Für Dortmund hat Gündogan in dieser Saison erst zwei Pflichtspiele bestritten. Anfang Januar wähnte er sich auf dem Wege der Besserung. Im Trainingslager in Spanien absolvierte er vier Trainingseinheiten mit der Mannschaft, das Bundesliga-Comeback war für eines der ersten Rückrundenspiele annonciert. Prompt folgte der nächste Rückschlag. Gündogan reiste aus La Manga vorzeitig ab - wegen einer Bronchitis.

          Hartnäckig, aber zu behandeln

          Wenig später wurde bekannt, dass ihm wieder der entzündete Rückennerv zu schaffen machte. Seitdem ist das Comeback auf unbestimmte Zeit verschoben. Es kam sogar das Gerücht auf, der Patient werde vielleicht gar nicht mehr auf hohem Niveau Fußball spielen können. Die Rede war von einem „Wirbelgleiten“, das im ungünstigen Fall zum Ende der Karriere führen könne.

          Solchen Spekulationen tritt Gündogan mit Nachdruck entgegen - und mit einem „klaren Nein“. Vermutlich gab er auch deshalb einer großen Boulevardzeitung ein Interview, in dem zum Ausdruck kommen sollte, dass kein Grund zur Besorgnis bestehe. Es handele sich um „eine Nervenwurzelentzündung“, sagt der Dortmunder Patient. Die Beschwerden seien hartnäckig, ließen sich aber behandeln.

          Muss er um die Teilnahme an der Fußball-WM bangen?

          So sieht es auch Sportdirektor Zorc. Dennoch wirkt die Krankheit mysteriös. Der Sportdirektor spricht zwar von einer „komplizierten Verletzung“, die schwer zu behandeln sei, behauptet aber, die Sache „relativ gelassen“ zu sehen, weil Gündogan „auf dem Weg der Besserung“ sei - wieder einmal. Seit Monaten befinden sich Trainer, Manager und Spieler in einer heiklen Lage.

          Sie bemühen sich darum, den Heilungsverlauf als vielversprechend darzustellen, müssen aber jedes Mal feststellen, dass die Wirklichkeit anders aussieht. Der aktuelle Befund stört nicht nur die weiterhin hohen sportlichen Ambitionen des Spielers und seines Arbeitgebers, sondern wirkt sich auch auf Verhandlungen aus, bei denen es um die mittelfristige Zukunft dieses außergewöhnlich begabten Profis geht.

          „Und zu meinem Wort stehe ich“

          Der BVB würde Gündogans Vertrag, der bis Juni 2015 datiert ist, gerne verlängern. Auch andere Klubs von internationaler Klasse sind an den Diensten des Dreiundzwanzigjährigen interessiert, darunter angeblich Real Madrid. Zorc hält sich bedeckt. Der Verein stehe „mit der Familie Gündogan in einem regelmäßigen Austausch“, sagt er. „Es gibt keinen neuen Stand.“ Gündogan hatte mehrmals angekündigt, die Borussia werde der erste Ansprechpartner sein, wenn es um seine berufliche Zukunft gehe. „Und zu meinem Wort stehe ich.“

          Derweil sagt sein Vater Irfan, niemand wolle den jungen Mann „auch noch damit“, also den Gedanken an eine Vertragsverlängerung oder einen Wechsel, belasten. Es sei „alles offen“. Der Spieler selbst rechnet damit, „schnell auf Topniveau Fußball spielen zu können“, sobald er wieder auf dem Platz stehe. „Dann kann auch die WM kommen.“ Ob es wirklich so schnell geht nach so langer Leidenszeit?

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