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Trotz Bundesliga-Spektakel : Die Dauerprobleme des BVB

  • -Aktualisiert am

Auch Axel Witsel konnte die vielen Gegentore für den BVB nicht verhindern. Bild: Reuters

Eine alte, aber immer noch offene Wunde: Borussia Dortmund zeigt in der Bundesliga zwar eine weitere beeindruckende Offensivleistung. Dennoch gibt es Kritik. Und die kommt vor allem aus den eigenen Reihen.

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          Wie ein Buch, dessen Botschaften erst auf den zweiten Blick oder mit Hilfe von intimen Kennern der Autorin oder des Autors erkennbar werden, kann auch ein Fußballspiel sehr unterschiedliche Geschichten erzählen. So wurde das 4:2 von Borussia Dortmund gegen Union Berlin zunächst einmal als weiteres BVB-Spektakel wahrgenommen. Die Saison ist noch jung, aber die Dortmunder haben schon 5:2, 4:3, 3:2 und nun 4:2 gewonnen; wenn das Team von Marco Rose auf dem Platz steht, ist viel los vor den Toren.

          Bundesliga

          Auch als weiteres Kapitel in der Superheldenstory des Erling Haaland ließ sich dieser Fußballabend begreifen, im zweiten Spiel nacheinander ist dem Stürmer ein Tor per Kopf gelungen, woraufhin Trainer Rose sagte: „Wenn er die Qualität jetzt auch noch bekommt, dann herzlichen Glückwunsch an alle anderen, die noch auf uns warten.“ Das Kopfballspiel war lange eine Schwäche des Norwegers, nun scheinen die Übungen zu diesem Thema Wirkung zu zeigen. Und Haalands zweiter Treffer, das 4:2 per Lupfer im Fallen über den Berliner Torhüter Luthe hinweg in die lange Ecke, war ein Weltklassetor.

          Wer wollte, konnte diesen fünften Spieltag auch als Moment für eine erste Bilanz nutzen, mit vier Siegen in der Liga sowie ersten Erfolgen in DFB-Pokal und Champions League ist der Saisonstart mit dem neuen Trainer gelungen. Die Grundlage für einen spannenden Titelkampf unter Beteiligung des BVB ist geschaffen.

          Zorc moniert, Reus fordert

          Und dennoch lag eine große Nachdenklichkeit in den Worten, welche die Beteiligten nach dem Abpfiff wählten. Das Team habe nach der komfortablen 3:0-Führung durch Treffer von Guerreiro, Haaland und einem Eigentor des Berliners Friedrich „die Zügel schleifen lassen“, monierte Sportdirektor Michael Zorc, und Kapitän Marco Reus sagte: „Wir müssen viel cleverer sein und erwachsener spielen.“

          Mitte der zweiten Hälfte hatte sich nämlich doch wieder diese seltsame Unzuverlässigkeit gezeigt, über die sich die Dortmunder seit Jahren ärgern. Mit einer derart klaren Führung im Rücken müsse ein Spitzenteam den beinahe schon besiegten Gegner „totspielen“, sagte Mats Hummels. Und zwar nicht durch den Rückzug in eine stabile Defensive, sondern durch Dominanz mit Ball; so lassen sich Kräfte sparen. Stattdessen sei der BVB jedoch „in alte Muster verfallen“.

          Rose, der nicht zuletzt nach Dortmund geholt wurde, um die Mannschaft an genau dieser Stelle weiterzuentwickeln, hatte sich ebenfalls sehr geärgert, hielt sich aber mit Kritik zurück. „Wenn ich jetzt jede Woche Zinnober machen würde, dann würden wir eine negative Grundstimmung reinkriegen, die es gar nicht braucht“, sagte er. Vielmehr dankte der Trainer den Spielern dafür, selbst erkannt zu haben, wie fahrig sie mit ihrer Führung umgegangen waren.

          Hummels nutzte den Abend sogar, um an einer alten, aber immer noch offenen Wunde zu rühren. Der Abwehrchef, der nebenbei verriet, dass er seine empfindlichen Kniegelenke derzeit nicht nur nach Spielen, sondern sogar nach jedem Training in Eis einpacken muss, zog den Vergleich zum großen Konkurrenten aus München. „Der eine Unterschied zwischen dem FC Bayern und uns ist, dass bei Bayern elf Spieler über 90 Minuten scharf bleiben“, sagte Hummels, der BVB habe hingegen angefangen, „unseriös und nicht erfolgsorientiert“ zu spielen. Wieder einmal. Ein Fortschritt ist immerhin, dass solche Debatten neuerdings nach Siegen geführt werden und nicht im Zustand der Verärgerung über verlorene Punkte.

          Das änderte aber nichts daran, dass das Duell mit Union viel Kraft gekostet hatte, was vor einer Woche ohne Europapokal nicht so schlimm ist. Doch im Herbst wird die Müdigkeit kommen, daher müsse die Mannschaft „versuchen, sich das in Zukunft leichter zu machen, weil wir Energie sparen müssen“, sagte Rose, dessen Mannschaft sich an diesem Abend noch mit einem anderen Dauerproblem quälte: Wieder hatte die Defensive zwei Gegentore nach Standardsituationen zugelassen – was möglicherweise ein weiteres Symptom des gleichen Grundproblems ist. Der BVB erlaubt sich zu viele Phasen und Momente der Nachlässigkeit, das hat sich auch unter dem neuen Trainer nicht geändert.

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