https://www.faz.net/-gtm-9g1g2

1:0 in Wolfsburg : Diesmal reicht Dortmund ein Tor

  • -Aktualisiert am

Strahlemänner in Schwarz und Gelb: Reus (links) trifft, Sancho freut sich mit. Bild: EPA

Der BVB trifft nicht so oft wie so oft zuvor, der Erfolg ist aber schön anzuschauen. In Wolfsburg kann sich Dortmund auf den Kapitän verlassen – und hat nun eine starke Position vor dem Topspiel gegen die Bayern.

          2 Min.

          Bis zur letzten Sekunde war dieser beachtliche Mut zu beobachten. Anstatt den eigenen Vorsprung über die Zeit retten, in den letzten Spielminuten Risiken zu meiden oder sonst etwas Absicherndes zu tun, suchte Borussia Dortmund immer wieder im Angriff nach Entlastung. Der 1:0-Erfolg beim VfL Wolfsburg war völlig verdient, zu keiner Phase der Partie wirklich gefährdet und am Ende auch noch schön anzusehen. 

          Bundesliga

          Marco Reus hatte nach einer Flanke von Jadon Sancho und einer Kopfballvorlage durch Thomas Delaney das Tor des Tages erzielen dürfen. Dem Führungstreffer in der 27. Minute war eine starke Dortmunder Vorstellung gefolgt, die den Status als Tabellenführer festigte. Mit dem Schlusspfiff ballte der sonst so ruhige Borussen-Cheftrainer Lucien Favre die Fäuste. Dank dieser Geste lässt sich gut einordnen, welchen Stellenwert dieser nächste Dortmunder Sieg hat.

          Der feine Unterschied zwischen zwei Mannschaften, die sich gegenseitig mutig und mit Elan gestört hatten, machte sich vor allem bei einer Komponente des modernen Fußballs bemerkbar. Während der VfL Wolfsburg vor 30.000 Zuschauern zwar sicher kombinierte, mangelte es seinem Team in den entscheidenden Momenten am nötigen Tempo und cleveren Pässen in die Spitze. Es fehlte jenes Überraschungsmoment, das notwendig ist, um einen routinierten Gegner aus seiner Balance zu bringen. Wie das gelingt, führte Borussia Dortmund gelungen vor, ohne allzu große Risiken beim Passen einzugehen. Vor allem Kapitän Reus versteht es, aus einem vermeintlich simplen Spielzug etwas Kreatives mit mehreren Optionen zu machen. Während die Wolfsburger also rannten, kämpften und auf dem Weg zum Tor an Puste sowie Gefährlichkeit einbüßten, zog der Gast sein Spiel ohne allzu große Anstrengungen durch.

          Der wunde Punkt, den der staunende Rest der Liga im System von Borussia Dortmund noch sucht, war an diesem 10. Spieltag in der Defensive zu vermuten gewesen. Angesichts mehrerer verletzter Stammkräfte muss Cheftrainer Favre vor allem in seiner Abwehr immer wieder improvisieren. Raphael Guerreiro, Manuel Akanji, Dan-Axel Zagadou und Achraf Hakimi – so war die Viererkette vor Torhüter Roman Bürki dieses Mal besetzt. Aber war das wirklich schlimm? Abgesehen davon, dass Zagadou in manchen Szenen unsicher und Hakimi bei seinen Schussversuchen hölzern wirkte, fiel die veränderte Besetzung des BVB kaum ins Gewicht. Was auch immer der VfL Wolfsburg auf dem Weg zum Tor des Gegners versuchte: Es blieb schlichtweg zu durchsichtig und harmlos.

          Das 0:1 – Reus köpft aus kurzer Entfernung ein. Bilderstrecke

          Viele Spitzenmannschaften erliegen einer Verführung. Sie gehen früh in Führung, denken ganz pragmatisch schon an die nächste Aufgabe und versuchen auf schonende Art und Weise zum Sieg zu kommen. Im Fall von Borussia Dortmund sah das drei Tage vor dem nächsten Auftritt in der Champions League bei Atletico Madrid allerdings anders aus. Auch in der zweiten Halbzeit stellte die Mannschaft ihre Klasse gerne unter Beweis und griff weiter munter an. Dass der im Sturmzentrum von Beginn an aufgebotene Spanier Paco Alcacer kaum zur Entfaltung kam und in der Schlussphase folgerichtig ausgewechselt wurde, war zu verschmerzen. Die wahre Klasse der Dortmunder besteht aus ihrer Vielfalt. Der Belgier Axel Witsel trieb das Team an, und Reus zeigte seine ganze Cleverness. Nach diesem Strickmuster sind seit Saisonbeginn sieben Siege, drei Remis und keine einzige Niederlage der Borussia zustande gekommen.

          Das abschließende Aufbegehren des VfL Wolfsburg überstand der BVB mit Ruhe und Geschick, ohne sich die schwarz-gelb geringelten Stutzen stark zu verschmutzen. Es versteht sich von selbst, dass das Remis des FC Bayern München den Jubel bei den mitgereisten Dortmunder Fans auf ein noch freudigeres Level hob.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Unsere Sprinter-Autorin: Ilka Kopplin

          F.A.Z.-Newsletter : Bluttat in Hanau

          Bei zwei Schießereien im hessischen Hanau starben neun Menschen – der mutmaßliche Schütze ist wohl tot. Die EU verhandelt, und es geht mal wieder ums Geld. Was sonst noch wichtig ist und wird? Der Newsletter für Deutschland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.