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2:1 auf Schalke : Dortmund auch im Derby nicht aufzuhalten

  • -Aktualisiert am

Schwarz-Gelb ist obenauf: Dortmund jubelt nach dem 1:0 gemeinsam . Bild: EPA

Wer soll diese Borussia in der Bundesliga nur stoppen? Auch das emotionale Derby im Revier geht an den Spitzenreiter. Die Borussia ist besser als Schalke und siegt durch das Tor eines 18-Jährigen.

          Nach etwa einer halben Stunde legte Domenico Tedesco seine Jacke ab, und ganz gewiss befreite er sich nicht von dem Kleidungsstück, weil er schwitzte. Es war kühl an diesem Dezember-Nachmittag, und das Spiel seiner Schalker hatte den jungen Trainer sicher auch nicht erwärmt. Offenkundig wollte Tedesco eine Botschaft an sein Team senden: Bitte krempelt die Ärmel hoch und investiert noch ein bisschen mehr! Aber es half nichts, am Ende verloren die Schalker verdient 1:2 gegen den großen Rivalen, eine Viertelstunde vor dem Ende war Jadon Sancho der Siegtreffer für den Tabellenführer gelungen. „In der zweiten Hälfte haben wir uns gut reingebissen, hatten nach dem 1:1 zehn gute Minuten. Beim 1:2 haben wir schlecht verteidigt, am Ende hat die Kraft gefehlt“, sagte Tedesco.

          Es war ein Erfolg der besseren Mannschaft, die bereits nach sieben Minuten führte, durch einen Treffer, der Tedesco augenscheinlich schwer erzürnte. Marco Reus hatte einen Freistoß aus dem Halbfeld in den Strafraum geschlagen, den Thomas Delaney aus acht Metern ins Tor köpfte. Mit Salif Sané und Weston McKennie hatten zwei eigentlich kopfballstarke Spieler den Dänen entwischen lassen. Es war nicht die einzige Situation in der ersten halben Stunde, in der Schalke schläfrig und unaufmerksam wirkte. Der BVB war wacher, zielstrebiger und hätte beinahe schon früh einen zweiten Treffer nachgelegt, doch Paco Alcácers Schuss aus 18 Metern flog knapp am Pfosten vorbei (17.).

          Der spanische Sensationsstürmer stand mal wieder in der Anfangsformation, erst zum dritten mal in dieser Bundesligasaison. Außerdem hatte sich Manuel Akanji rechtzeitig von seiner Kapselzerrung erholt, der Schweizer bildete gemeinsam mit Abdou Diallo die Dortmunder Innenverteidigung, weil Dan-Axel Zagadou sich noch mit seiner Fußstauchung herumplagt. Die Schalker begannen in ihrem 4-4-2-System mit Mittelfeldraute, das am vorigen Wochenende so gut in Hoffenheim funktioniert hatte, Sebastian Rudy zog die Fäden auf der Sechs und Nabil Bentelab sollte als klassischer Zehner für Kreativität sorgen.

          Doch gegen diesen BVB fand der Algerier lange nicht ins Spiel. Heraus kombinierte Chancen hatten die Gelsenkirchener überhaupt nicht, Gefahr für den Tabellenführer entstand in der ersten Hälfte eigentlich nur zwei mal: Zunächst sprang ein Ball im Dortmunder Strafraum an die Hand von Axel Witsel, die Schalker forderten Elfmeter. Aber die Schiedsrichter lagen schon richtig mit ihrem Urteil: Eine Absicht konnte man dem Belgier keinesfalls unterstellen. Nach einer halben Stunde landete ein Ball nach einer Ecke bei Guido Burgstaller, der aus vier Metern frei abschließen konnte, jedoch Roman Bürki anschoss.

          Burgstaller musste sich dann mit einer Verletzung auswechseln lassen (36.), nach Breel Embolo, Mark Uth, und Franco Di Santo droht damit der nächste Angreifer auszufallen. Wie groß die Not ist, wurde sichtbar, weil Außenverteidiger Hamza Mendyl für Burgstaller in die Partie kam und die Position des Österreichers in der Doppelspitze übernahm. Es war nun viel Unruhe im Spiel, auch das 4:4 aus der vorigen Saison wirkte nach: „Wir sind euch noch etwas schuldig“, hatte BVB-Kapitän Marco Reus vor der Partie in einer Botschaft an die eigenen Fans formuliert, entsprechend engagiert spielte der Kapitän, zu energisch, vielleicht.

          Nach einer Stunde trat Reus Amine Harit bei einer Verteidigungsaktion im eigenen Strafraum auf den Fuß, mit Hilfe des Videoassistenten wurde die Situation aufgeklärt. Daniel Caligiuri verwandelte den Strafstoß zum 1:1 (61.). Aber wirklich nutzten konnten Schalker dieses Momentum nicht. Statt neue Energie zu schöpfen, blieb ihr Spiel zerfahren und nach 74. Minute verteidigten Alessandro Schöpf und Sebastian Rudy so unaufmerksam, dass Sancho nach einem simplen Doppelpass mit Raphael Guerreiro frei zum Abschluss kam und das 1:2 erzielte.

          Auch Bundestrainer Löw (links, daneben Schalkes-Boss Tönnies) ließ sich das Derby nicht entgehen. Bilderstrecke

          Reus hatte noch eine Großchance (79.), Guerreiro traf den Pfosten (84.), am Ende hätten sie sogar höher gewinnen können. Aber auch so geht eine Serie von mittlerweile fünf Derbys ohne Dortmunder Sieg zu Ende, der Tabellenführer scheint einfach nicht aufzuhalten zu sein in diesem Jahr. „Es war ein sehr schweres Spiel für uns, vor allem in der ersten Halbzeit“, sagte der Dortmunder Trainer Favre. „Was mir gefallen hat, ist, wie die Mannschaft nach dem 1:1 reagiert hat. Wir haben am Ende verdient gewonnen.“

          Polizei-Fazit: Revier-Derby „mit einigen Ecken und Kanten“

          Die Bundespolizei hat nach dem Revier-Derby in Gelsenkirchen zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund (1:2) ein weitgehend positives Fazit gezogen. Unter Vorbehalt sei es „mit einigen Ecken und Kanten ein ruhiges Derby geblieben“, sagte ein Sprecher am Samstagabend. Dennoch habe es „kleinere Scharmützel“ gegeben. So sei es bei der Abreise immer wieder zu Provokationen zwischen den Anhängern gekommen. Bei einem Entlastungszug war die Notbremse gezogen worden, was für Verzögerungen sorgte. Wie die Bundespolizei weiter mitteilte, seien drei „Problemfans“ festgenommen worden. Mehr als 60.000 Fans sahen das 93. Revierderby in der Fußball-Bundesliga live im Stadion. (dpa)

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