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1:0 gegen Hertha BSC : Dortmund ist der große Gewinner

  • -Aktualisiert am

Die Dortmunder freuen sich über das goldene Tor von Emre Can (Zweiter von links). Bild: AFP

Leverkusen und Gladbach verlieren, Leipzig spielt remis – und der BVB gewinnt seine Partie im Kampf um die Plätze in der Champions League. Dabei ist Dortmunds Leistung gegen Hertha alles andere als berauschend.

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          Wenn jemand früher zur Geschwätzigkeit neigte, hieß es schon mal, „erzähl das deinem Friseur“. Heute erzählt der eine oder andere Coiffeur lieber selbst, um sein Profilierungs- und Mitteilungsbedürfnis zu stillen. So geschehen in dieser Woche, als gleich fünf Profis von Borussia Dortmund einen in seiner Szene bekannten Haareschneider ohne Wissen des Vereins und gegen die derzeitigen Vorschriften zu sich nach Haus einluden, von denen zwei, Jadon Sancho und Manuel Akanji, dumm genug waren, sich danach mit dem Meister der Schere ohne Masken ablichten zu lassen.

          Ein deutlicher Verstoß gegen die Hygiene- und Infektionsschutzregeln, die die Deutsche Fußball Liga (DFL) vor der Fortsetzung der durch die pandemische Corona-Gefahr wochenlang unterbrochenen Bundesliga-Saison allen Beteiligten vorgegeben hat. Sancho, dem 20 Jahre alten englischen Jungstar, gefiel die von der DFL in einer Höhe von angeblich 10.000 Euro erlassene Geldbuße so wenig, dass er am Freitag twitterte, „Absolute Joke DFL“ – und diesen Tweet wenig später wieder löschte.

          Am Samstag, nachdem der aufregende Teil der Woche vorbei war, durfte der beruflich frühreife, als Persönlichkeit aber noch nicht ganz erwachsene Flügelstürmer (17 Tore, 17 Torvorlagen in dieser Spielzeit) endlich wieder das tun, was er am besten kann: Fußball spielen im Heimspiel gegen die unter Trainer Bruno Labbadia in zuvor vier Spielen noch ungeschlagene Berliner Hertha. Er tat es eine Halbzeit lang so unauffällig wie alle anderen Dortmunder auch.

          Danach aber wuchs sein Tatendrang mit der etwas größeren Spielfreude der Westfalen, so dass Sancho am Siegtreffer durch den vorzugsweise in der Abwehr gebundenen Emre Can (57. Minute) zumindest beteiligt war. „Es war ein schönes Tor, wir haben gut verlagert, gut geschossen. Julian Brandt macht das fantastisch, das ist die Entscheidung. Emre macht das sehr gut, auch der Pass von Jadon, aber die Aktion von Julian Brandt war top“, sagte Trainer Lucien Favre.

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          Der schmale Erfolg verbreiterte den Abstand des Tabellenzweiten auf RB Leipzig (vier Punkte) und Borussia Mönchengladbach sowie Bayer Leverkusen (sieben) so deutlich, dass die Schwarz-Gelben vier Spieltage vor Ultimo der Verwirklichung ihres Minimalanspruchs, nach den enteilten Münchner Bayern zumindest wieder als zweitbeste Bundesliga-Mannschaft ans Klassenziel zu kommen, sehr nah sind. Die Hertha dagegen steckte ihre erste Niederlage unter Labbadia ein und besitzt als Tabellenneunter keine internationale Perspektive mehr.

          BVB-Trainer Favre musste diesmal von vornherein auf Abwehrchef Mats Hummels, gesperrt nach fünf Gelben Karten, und den noch immer am Knie verletzten norwegischen Mittelstürmer Erling Haaland verzichten. Für Hummels übernahm der Vorkämpfer Can den Part des zentralen Innenverteidigers; den 19 Jahre alten zentralen Angreifer vertraten ohne durchschlagende Wirkung mal Sancho, mal Hazard, mal Brandt. Spannend war das Duell zweier spieltechnisch guter Teams vor der Pause indes nicht. Es fehlte an kapitalen Gelegenheiten und am letzten Einsatz. Der BVB bestimmte zwar diese langweilige Begegnung, ohne jedoch den wohlgeordneten Berlinern vor der Pause ein einziges Mal weh tun zu können.

          So konnte es nicht bleiben, und deshalb forcierte der Liga-Zweite nach dem Wechsel gegen weiterhin passive Berliner seine Bemühungen – ein wenig. Sancho vergab die erste große Gelegenheit, als er frei vor Torhüter Jarstein eine erste Dortmunder Tempoattacke über Hakimi und Hazard suboptimal abschloss (51.). Sechs Minuten später übernahm dann der BVB-Abwehrorganisator Can auch noch das Toreschießen, als er die sehenswerte Vorarbeit von Sancho und Brandt mit einem kernigen Flachschuss zum 1:0 veredelte.

          „Es ist uns heute gelungen, hinten kein Tor zu kassieren. Dann habe ich ein Chance gehabt und habe versucht, das Tor zu machen“, sagte Can. „Man muss einfach ehrlich sein, manchmal fehlt einigen Spielern vielleicht die Spannung ohne die Fans.“ Der Favorit führte und beschied sich schließlich mit dem knappen Erfolg. Das Ergebnis spiegelte einen Fußballabend, dem fast alles fehlte, um über den Tag hinaus in Erinnerung zu bleiben.

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