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Dortmund besiegt Gladbach : „Wenn das kein Hand ist, ist das Wahnsinn“

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Frohes Fest: Siegtorschütze Marco Reus und der BVB können entspannt Weihnachten feiern. Bild: Reuters

Im Topspiel des Ersten gegen den Zweiten zeigt der BVB keine Gala, sondern echte Maloche. Aber selbst der Ärger über den Schiedsrichter bringt die Dortmunder beim 2:1 über Gladbach nicht vom Weg ab.

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          Auf den Trikots der Herbstmeister war diesmal nicht der Name des Sponsors zu lesen. Zum Ende des Steinkohleabbaus im Ruhrgebiet zollten die Dortmunder Profis den Bergleuten mit dem Schriftzug „Danke Kumpel“ Respekt. Diese Botschaft erfüllte der BVB auf dem Platz mit Leben. Beim 2:1 (1:1) im Gipfel der Fußball-Bundesliga gegen Borussia Mönchengladbach gab es zwar keine rauschende Gala, aber echte Maloche zu sehen.

          Bundesliga

          Drei Tage nach der ersten Saisonniederlage in Düsseldorf (1:2) meisterte der Tabellenführer trotz großer Personalnöte in der Abwehr den Stresstest im Stile einer Spitzenmannschaft. „Die Mannschaft hat mentale Qualität bewiesen. Es war eine fast perfekte Leistung und wichtig, dieses Spiel nach der Partie am Dienstag zu gewinnen“, lobte Sportdirektor Michael Zorc. „Wir können zufrieden in die Weihnachtspause gehen.“

          Die Sorge, dass der lange Zeit souveräne Tabellenführer nach der Panne von Düsseldorf ins Wanken geraten könnte, erwies sich als unbegründet. Dank der Treffer von Jadon Sancho (42.) und Marco Reus (54.) vergrößerte der BVB seinen Vorsprung auf den bisher ärgsten Verfolger aus Mönchengladbach wieder auf neun Zähler. „Die zweite Halbzeit war eine Willensleistung“, befand Marco Reus. Auf die M-Frage reagierte der Kapitän bei aller Begeisterung jedoch zurückhaltend. „Jeder will Deutscher Meister werden, dafür spielt man Fußball. Aber es ist noch eine lange Saison.“

          Selbst der Ärger über den zwischenzeitlichen Ausgleich der Gäste durch Christoph Kramer (45.+1), dessen Handspiel sowohl von Schiedsrichter Felix Zweyer als auch vom Videoassistenten zur allgemeinen Verwunderung als regelkonform eingestuft worden war, brachte die Dortmunder nicht aus dem Konzept. Auch dank der guten Leistung von Mario Götze verbuchten sie weitere drei Punkte und konnten sich über die zweitbeste Hinrunde der Vereinsgeschichte freuen. Der Weltmeister von 2014 wurde in der ersten Halbzeit für den verletzten Paco Alcácer eingewechselt und bereitete beide BVB-Treffer vor. „Das 2:1 ist ein positiver Effekt für die Winterpause“, sagte Götze.

          Der Frust der Gäste über die vergebene Chance, den Kampf um die Meisterschaft wieder spannender zu machen, hielt sich in Grenzen. „Wir können sehr zufrieden sein mit den ersten 17 Spielen. Wir haben im Sommer einige Stellschrauben verändert. Es kam etwas raus, was wir so nicht erahnt haben. 33 Punkte sind sensationell“, kommentierte Trainer Dieter Hecking im ZDF.

          Die Gladbacher gingen am Freitagabend respektvoll zu Werke. Der Tabellenzweite stand sehr tief und war vor allem auf Sicherheit bedacht. Da es beim BVB ähnlich wie in Düsseldorf an Tempo und Spielwitz mangelte, entwickelte sich vor allem im ersten Durchgang ein wenig unterhaltsames Spiel mit kaum Torchancen. Bis zur 20. Minute mussten die BVB-Fans warten, ehe die beste Offensive der Liga erstmals für Gefahr sorgte. Nach einem feinen Doppelpass mit Alcácer kam der frühere -Gladbacher Reus frei zum Schuss, doch Torwart Yann Sommer parierte glänzend. Für Alcácer war kurz darauf wegen einer Verletzung bereits Schluss, für den spanischen Torjäger kam Götze ins Spiel.

          Und der WM-Held von 2014 belebte das Spiel und war gleich am Tor beteiligt, als er kurz vor der Pause den Ball auf Sancho weiterleitete. Der Engländer traf aus spitzem Winkel zur Führung. Für Sancho war es das sechste Saisontor. Doch die Freude schlug beim BVB schnell in Verärgerung um. Nach einer Flanke von Gladbachs Denis Zakaria köpfte sich Christoph Kramer den Ball an die eigenen Hände, anschließend schoss er aus kurzer Distanz ein. Eine fragwürdige Aktion, die vom Video-Schiedsrichter nicht zurückgenommen wurde. „Wenn das kein Hand ist, dann ist das Wahnsinn. Damit verschafft er sich einen klaren Vorteil. Das geht nicht. So macht die Regel keinen Sinn“, schimpfte Dortmunds Berater Matthias Sammer bei Eurosport.

          Kramer, dem einst in Dortmund mal ein spektakuläres Eigentor unterlaufen war, krönte damit sein Comeback nach fast zweimonatiger Verletzungspause. Begünstigt wurde das Tor aber auch von der Unordnung in der BVB-Hintermannschaft. Schließlich fehlten Trainer Favre in Manuel Akanji, Abdou Diallo und Dan-Axel Zagadou drei Innenverteidiger. Dafür spielte überraschend Julian Weigl in der Abwehrzentrale.

          Am Ende standen Alassane Plea und Gladbach mit leeren Händen da. Bilderstrecke

          Zur zweiten Halbzeit brachten die Dortmunder mehr Tempo ins Spiel – und diesmal klappte es auch besser. Wieder war das Top-Trio Sancho, Götze und Reus am Tor beteiligt, diesmal in umkehrter Reihenfolge. Bei der feinen Hereingabe von Götze löste sich Reus aus dem Rücken des 18 Jahre alten Jordan Beyer und traf aus kurzer Entfernung. Schon beim ersten Treffer war ihm ein Fehler unterlaufen. Für Reus war es das elfte Saisontor. Treffer Nummer zwölf verhinderte kurz darauf nur der linke Pfosten des Gladbacher Tores, als Reus mit einem sehenswerten Freistoß knapp das Ziel verfehlte (65.).

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