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5:0 gegen Düsseldorf : Mal wieder ein Feiertag für Dortmund

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Hand drauf: Achraf Hakimi (links) und Marco Reus Bild: dpa

Die Borussia spielt beim 5:0 eindimensionale Düsseldorfer an die Wand. Zwei Dortmunder treffen jeweils gleich doppelt. Ausruhen und analysieren steht nun nicht auf dem Plan – denn es wartet ein entscheidendes Spiel.

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          Manchmal sind es ja die kleinen Dinge, die etwas über das große Ganze erzählen. Das gilt auch für die Verfassung von Berufssportlern. Und so war es nicht uninteressant zu sehen, wie Marco Reus am Samstagnachmittag auf seinen erlösenden Treffer zum 1:0 für Borussia Dortmund gegen Fortuna Düsseldorf reagierte. Ein Lächeln oder gar richtiger Jubel waren nicht auszumachen. Stattdessen klemmte sich der Kapitän gleich den aus dem Tor herausspringenden Ball unter den Arm, ballte halbherzig die Faust und nahm recht gleichgültig die Glückwünsche der Kollegen an. Große Emotionen sehen anders aus. Daran konnten auch die aufmunternden „Marco Reus„-Rufe von der Südtribüne nichts ändern. Reus ist derzeit einfach nicht nach öffentlicher Freude zu Mute.

          Bundesliga

          Unter der Woche hatte Trainer Lucien Favre seinem Kapitän noch verbal den Rücken gestärkt. „Ein Spieler kann nicht regelmäßig auf Top-Top-Niveau spielen. Manchmal ist man auch in einem Loch. Das gibt es bei jedem Spieler auf der Welt“, hatte Favre gesagt und zur Sicherheit noch mal bekräftigt: „Wir sind hier alle sehr froh, dass wir Marco haben.“

          Das durfte man ihm ruhig glauben. Und dennoch ist Reus ein Sinnbild für den Wankelmut, der den BVB derzeit auszeichnet. Deutschlands Fußballer des Jahres wandelt seit Wochen zwischen den Welten. Das tun ja viele im Klub: Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zwischen Titelambitionen und eingestandenen Transferfehlern. Trainer Lucien Favre zwischen bewundertem Taktiker und emotionslosem Zauderer. Jadon Sancho zwischen 100-Millionen-Talent und verzogenem Bengel. Die Mannschaft generell zwischen einem 3:2 gegen Inter Mailand und einen 3:3 gegen SC Paderborn. Und die Fans zwischen Feierlaune und blanker Wut.

          All den Widrigkeiten zum Trotz war die Borussia vor dem Düsseldorfspiel keinesfalls meilenweit von ihren Saisonzielen entfernt, gerade mal fünf Punkte trennten sie von der Bundesligaspitze. Und wäre alles nach Plan gelaufen, wären es hinterher nur noch zwei gewesen. Doch es lief nicht alles nach Plan. Tabellenführer Mönchengladbach schlug die Bayern 2:1, Leipzig gewann 3:1 gegen Hoffenheim. So bleibt es bei fünf Punkten Rückstand zur Spitze für den BVB.

          Das interessierte am Samstagnachmittag aber die wenigsten. Viel wichtiger war der eigene Auftritt, an dessen Ende ein souveräner 5:0-Erfolg stand. Und zwar einer, bei dem die zuletzt gescholtenen Marco Reus und Jadon Sancho groß aufspielten und je doppelt trafen, das zwischenzeitliche 2:0 hatte Thorgan Hazard erzielt. Als Reus nach 73 Minuten ausgewechselt wurde, standen fast alle der 81.000 Zuschauer. Das war endlich mal wieder einer der Feiertage, die sie sich in Dortmund häufiger wünschen, wenn Gegner vom Format von Fortuna Düsseldorf in Deutschlands größtem Fußballstadion vorbeischauen. Also Gegner, bei denen bis auf die Sicherung des eigenen Tores kaum etwas im sogenannten Matchplan zu stehen scheint.

          Die körperlich sehr robuste Fortuna tat das bis zur Schlussphase der ersten Hälfte sogar recht erfolgreich. Da baute sie zwei Ketten vor dem Strafraum auf, gegen die dem verunsichert wirkenden BVB nicht oft etwas einfiel. Meist waren es harmlose Fernschüsse. Es sei denn, Julian Brandt hatte eine Idee oder es ging schnell. Aber das passierte lange Zeit selten. Drei, vier vernünftige Chancen hatte der BVB vor der Pause. Doch mit dem 1:0 von Reus warfen die Dortmunder alle Hemmungen ab, die Düsseldorfer brachen komplett ein.

          Nach der Pause war es dann ein Klassenunterschied. Mit der Geschwindigkeit und dem Trickreichtum von Reus, Sancho, Hazard und Brandt waren die biederen Gäste komplett überfordert. Dortmund sah aus wie zu besten Zeiten. Und das Publikum – zuletzt nicht immer bedingungslos hinter seiner Mannschaft – nahm das dankend an. Mehrmals sprangen die Menschen von der Haupttribüne auf und spendeten Szenenapplaus.

          Ausruhen und analysieren steht nun nicht auf dem Plan. Bereits am Dienstag geht es international weiter. Glücklicherweise aber nicht wieder gegen den FC Barcelona oder Inter Mailand, sondern gegen Slavia Prag, eine Art Fortuna Düsseldorf der Champions League: unangenehmen, kampfstark, auch mal für eine Überraschung gut (0:0 in Barcelona), aber wenn alles glatt läuft, ein Team, das zwingend geschlagen werden muss. Allerdings läuft beim BVB ja längst nicht alles glatt. Auch das Hinspiel in Prag war deutlich enger, als es das 2:0 aussagte.

          Ob ein Sieg fürs Weiterkommen reicht, darf ohnehin bezweifelt werden. Aktuell ist der BVB punktgleich mit Mailand, hat aber den direkten Vergleich (0:2, 3:2) verloren. Und da die Italiener auf einen FC Barcelona treffen, der nicht mehr von Platz eins zu verdrängen ist, ist es keine allzu kühne Prognose, dass die Katalanen nicht alles aufbieten, was sie haben. So könnte der BVB selbst nach zehn Punkten aus sechs Gruppenspielen im neuen Jahr nur noch in der Europa League spielen. Es ist also Skepsis angebracht, ob die Dortmunder diese Saison noch mehr als ein Champions-League-Spiel haben. Auch die Fans schienen nicht restlos von einem großen Abend überzeugt zu sein. Vor dem Düsseldorf-Spiel sagte Stadionsprecher Norbert Dickel, es gebe noch 3000 Karten. Das anschließende 5:0 bot allerdings einige Gründe, am Dienstag ins Stadion zu kommen.

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