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Sieg in Bielefeld : Dortmunder Antwort auf das Debakel

  • -Aktualisiert am

Schönes Tor eines Defensivspezialisten: Mats Hummels traf sehenswert für den BVB. Bild: AFP

Nach der herben Pleite in der Champions League will die Borussia in der Bundesliga vieles besser machen. In Bielefeld geht dieser Plan fast vollständig auf – auch ohne Topstürmer Erling Haaland.

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          Einem Traumstart in die Bundesliga- und Champions-League-Saison folgte zuletzt eine Dortmunder Horrorwoche mit gleich zwei Schockerlebnissen. Da war zunächst die 0:4-Ohrfeige, die sich der BVB am Dienstag bei Ajax Amsterdam im internationalen Wettbewerb einfing, ehe sich, ein weiterer Niederschlag, der Dortmunder Superstar und jugendliche Held Erling Haaland für die nächsten Wochen vom Spielbetrieb abmeldete.

          Bundesliga

          Der Norweger, zuletzt schon am linken Oberschenkel leichter verletzt und deshalb in zwei Ligabegegnungen nicht dabei, zog sich in Amsterdam eine Hüftbeugerblessur am selben Oberschenkel zu, die eine längere Fußballpause zur Folge hat. Und doch reagierte der Bundesligazweite ausgesprochen professionell auf die vertrackte Situation. Er löste die Pflichtaufgabe beim Zweitletzten Arminia Bielefeld. Und so war Trainer Marco Rose nach schwierigen Tagen zufrieden mit dem Auftritt seines Teams. „Es war eine gute Reaktion und ein verdienter Sieg“, lautete sein Fazit nach dem bestandenen Charaktertest.

          Wer nun die Tore schießen soll, war die große Frage, die der BVB fürs Erste lösen konnte. Als Haaland das erste Mal in dieser Saison passen musste, verlor Dortmund bei Borussia Mönchengladbach 0:1 und gewann danach daheim 2:1 gegen den FC Augsburg. Nun also ging es zum kampfstarken Tabellenvorletzten und weiter sieglosen DSC Arminia Bielefeld, den keinerlei personelle Sorgen plagten, während die Mannschaft von Trainer Marco Rose außer auf Haaland kurzfristig auch noch auf die in Amsterdam von Schmerzen geplagten Außenverteidiger Meunier (Fußprellung) und Schulz (Muskelfaserriss) verzichten musste.

          Can, Hummels und Bellingham treffen

          „Wir müssen basteln“, hatte der Trainer und Tüftler Rose vor der Fahrt nach Ostwestfalen gesagt und trotzdem voller Zuversicht hervorgehoben: „Wir sehen trotzdem die Chance, zu gewinnen.“ Alles andere wäre für eine Mannschaft mit Titelambitionen auch seltsam gewesen. Und Roses Team lieferte am Samstagnachmittag. Mit 3:1 fiel der Sieg nach den Treffern von Can (31. Minute per Foulelfmeter), Hummels (45.) und Bellingham (72.) sowie Klos per Foulelfmeter (87.) standesgemäß aus.

          Der 18 Jahre alte Engländer freute sich nicht nur über seinen sehenswert herausgespielten Treffer, mehr noch empfand er die Reaktion des BVB auf das 0:4 in Amsterdam als „fast perfekt“. Die Bielefelder dagegen sehnen sich auch nach neun Spieltagen weiter nach dem ersten vollen Erfolg. „Den wollen wir so schnell wie möglich erreichen“, sprach Alessandro Schöpf sich und seiner Mannschaft Mut zu, damit die ersten drei Punkte am kommenden Samstag daheim gegen Mainz 05 fällig werden.

          Dass der Wunderknabe Haaland fehlte, war zwar jederzeit spürbar, doch immerhin durchzog das Spiel des Favoriten nicht die Spur von Wehleidigkeit. Gegen die bei Kontern gefährlichen Bielefelder, bei denen der am Ball noch arg unfertige frühere BVB-Junior Serra die größte Gelegenheit im Duell mit dem dabei leicht verletzten und zur zweiten Hälfte durch Hitz ersetzten Torhüter Kobel vergab (18.), nutzte die Borussia zwei ihrer wenigen Gelegenheiten vor der Pause.

          Zum einen, als ihnen Schiedsrichter Brand nach einer eher regelkonform anmutenden Intervention von Brunner gegen Bellingham einen Foulelfmeter gewährte, den Can zum 1:0 verwertete. Künstlerisch wertvoll war dagegen das 2:0, das Hummels kurz vor dem Halbzeitpfiff mit einem sehenswerten Volleyschuss erzielte. „Es war eines meiner schöneren Tore“, sagte der Schütze, den seit langem Knieprobleme plagen, doch: „Das Tor war zum Glück knieunabhängig erzielt.“ Die Signale standen schon früh auf Sieg für den Favoriten in einem Duell, das auch den qualitativen Unterschied der beiden Mannschaften spiegelte.

          Höhere Ansprüche beim BVB

          Die rund 25.000 Zuschauer auf der ausverkauften Bielefelder „Alm“, soweit Arminia-Fans, mussten sich gedanklich schon früh mit der vierten Saisonniederlage arrangieren. Zunächst verteidigten die Schwarz-Gelben ihren Vorsprung routiniert und konnten sich dabei auch auf Hitz verlassen, der Wimmers Schuss (70.) fabelhaft parierte. Was die Ostwestfalen in diesem Westfalenderby mehrmals versäumten, machten ihnen die Borussen vor. Sie veredelten ihre erste größere Gelegenheit nach dem Wechsel sogleich mit einem Treffer, als Bellingham gleich drei Bielefelder Abwehrspieler ins Leere laufen ließ und den Ball dann zum 3:0 gekonnt ins Tor chippte.

          Das allemal verdiente Bielefelder Tor erzielte dann kurz vor dem Abpfiff der eingewechselte Mittelstürmer Klos, nachdem Hummels den gern zu Boden gehenden Wimmer gefoult hatte. Am Ende war es ein Sieg, der zu erwarten war, unter den speziellen Umständen aber auch darauf deutete, dass die Dortmunder Mannschaft unter erschwerten Bedingungen mit einer guten Wettkampfhaltung ihre Bundesligapflichten erfüllen und damit höhere Ansprüche anmelden kann.

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