https://www.faz.net/-gtm-13qgq

Borussia Dortmund : Außenbezirke sperren

  • -Aktualisiert am

Kein Millimeter Raum für Franck Ribéry: Patrick Owomoyela beschattet den Bayern-Star Bild: AP

An diesem Samstag (15.30 Uhr) empfängt Dortmund den FC Bayern. Für die Borussia geht es vor allem darum, die Münchener Außen Ribéry und Robben zu stoppen. BVB-Trainer Jürgen Klopp erwartet eine „Vollgasveranstaltung“.

          3 Min.

          Dank seiner rhetorischen Stärke gelingt es Jürgen Klopp, auch weniger brisante Fußballspiele als Gassenhauer zu annoncieren. Zwei, drei geistreiche Gedanken genügen ihm oft, Pflichttermine für ein breites Publikum interessant zu machen. Vor dem Bundesliga-Heimspiel an diesem Samstag gegen Bayern München (15.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker), „die jetzt wieder stärkste deutsche Mannschaft“, setzt der Trainer von Borussia Dortmund seine Pointen indes dosiert.

          Wegen ihrer manchmal genialen Flügelmänner Franck Ribéry und Arjen Robben liefern die Münchner, die gegen Wolfsburg zu „Robbery“ verschmolzen waren, schon verbal Vorlagen für martialische Wortspiele. Doch darauf lässt Klopp sich nicht ein. Er will seine Elf „lebendig, mutig, frech Fußball spielen sehen“, aber nicht den Eindruck eines Scharfmachers erwecken. Auch wenn sich neuerdings die ganze Liga fragen dürfte, wie dieses außergewöhnliche Duo aufzuhalten sein mag, das Vollstrecker wie Gomez oder Klose in seine Mitte nimmt, ist es Klopp zu plump, von „Robbenjagd“ zu sprechen, „das hilft niemandem“.

          Die größte Last dürften, beim Blick auf das taktische Schema, Patrick Owomoyela und Leonardo Dede zu tragen haben, die beiden Außenverteidiger der Dortmunder Abwehrkette; der eine war zuletzt formschwach, der andere zu Saisonbeginn noch verletzt. Dennoch will Klopp den Motivationsbogen nicht überspannen. „Ich gehe nicht zu Owomoyela oder Dede hin und sage: Mach ihn kalt.“ Schon gar nicht will er die Verantwortung für die Dortmunder Sicherheitsinteressen einzelnen Spielern überlassen oder gar auf sie abwälzen. Die gesamte Mannschaft müsse, so gut es geht, verhindern, dass es zu Zweikämpfen eins gegen eins komme.

          „Ich gehe nicht zu Owomoyela oder Dede hin und sage: Mach ihn kalt”: Trainer Jürgen Klopp

          „Die Bayern machen alles gern, nur nicht verteidigen

          Insofern klingt der Unterhaltungstrainer moderat, vorsichtig, sachlich, gar ein wenig technokratisch, wenn er seine Strategie (oder wenigstens einen Teil davon) öffentlich erläutert – ganz wie ein Fußball-Lehrer, der er ja auch ist. Klopp spricht von „gruppentaktischen Maßnahmen“, mit denen seine Elf den Favoriten „auf ihr Niveau runterziehen“ solle; sein Kollektiv dürfe keineswegs grüppchenweise vorgehen, nach dem Motto: Die einen kümmern sich um die Abwehr, andere um den Angriff. Alle zusammen müssten darauf hinwirken, dass die Bayern den Ball nicht in die von ihnen bevorzugten Räume spielen könnten, also in die Außenbezirke des Platzes, wo Ribéry und Robben gern ihr Spiel treiben.

          Wie das geht oder wenigstens gehen könnte? Das Rezept klingt wie aus dem Lehrbuch, nicht wie aus dem Wörterbuch der Motivation: Passwege zustellen, Verschieben in Richtung Ball und die gefährlichen Außenstürmer „doppeln“, also zu zweit bekämpfen. Die Strategie klingt nach reichlich Abwehrarbeit. Aber Klopp will den Bayern auch offensiv begegnen und gewissermaßen eine Abkürzung nehmen. „Alles, was wir nach vorn machen, ersetzt Defensivarbeit. Gegen Bayern München kann man nicht nur verteidigen“, sagt der Trainer. Im Gegenteil: Erst die Flucht nach vorn eröffne einem Außenseiter gegen den zuletzt wieder stärkeren Rekordmeister Perspektiven.

          So sieht es nicht nur Klopp, sondern auch Patrick Owomoyela, der es mit Ribéry zu tun bekommen dürfte (falls der launische Franzose mitspielen kann und darf). „Die Bayern machen alles gern, nur nicht verteidigen.“ Gegen Ende des Vorgesprächs neigt Klopp dann doch dazu, die formal klaren Kräfteverhältnisse mit einem unterhaltsamen Augenzwinkern zu kommentieren. Wenn von einer Blessur bei Gomez die Rede sei, könne er nur sagen: „Dann spielt eben Klose, und wenn der nicht kann, kommt Toni, und wenn der ausfällt, rückt Müller nach.“ Gerade im Sturm besitzt der FC Bayern auf Dauer ganz andere Möglichkeiten als die dort weniger gut ausgestatteten Borussen, deren Bundesligastart so verlaufen ist wie jener der punktgleichen Bayern, nur weniger aufregend. Den Münchnern auf Augenhöhe zu begegnen wie einst zur Zeit der großen Geldverbrennung, diese Illusion hat in Dortmund jedoch niemand mehr.

          Jürgen Klopp: „Borussia Dortmund ist nicht irgendein Verein“

          Nur auf den neuerdings wieder ausgeprägten Spieltrieb der Bayern zu reagieren reicht Klopp aber nicht. Die Mischung muss schon stimmen. Also bedient der BVB-Trainer sich am Ende einer Standardvokabel aus seinem eigenen Grundwortschatz. „Wenn es nach mir geht, wird es eine Vollgasveranstaltung.“ Und wenn Ribéry und Robben seinen Gefolgsleuten mit viel Schwung entgegenkommen? Dann geht es vielleicht nur darum, sie mit Vollgas zu bremsen.

          Wie also soll die derzeit nur mittelmäßige Dortmunder Mannschaft dem auf Touren gekommenen Rekordmeister entgegentreten? Grau ist alle Theorie, doch Praktiker Klopp hat eine Idee: „Am liebsten gut.“ Vor allem beherzt und mit einem möglichst hohen Wiedererkennungswert. Westfälischer Fußballadel verpflichtet immer noch, gerade wenn die Bayern kommen. „Borussia Dortmund ist nicht irgendein Verein“, sagt Klopp, „also dürfen wir auch nicht irgendeinen Fußball spielen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Zur Diskussion gestellt: Bundesjustizministerin Christine Lambrecht ließ einen „Diskussionsentwurf“ verschicken, der vorstellt, wie sich die Beamten des Ministeriums die Umsetzung der EU-Urheberrechtsrichtlinie in nationales Recht vorstellen.

          EU-Urheberrecht : Kein Vorschlag zur Güte

          Das Justizministerium schlägt vor, wie das neue EU-Urheberrecht in nationale Gesetze aufgenommen werden soll. Der Vorschlag wirkt moderat, doch er birgt Sprengstoff. Auch für die Bundesregierung.

          „March for Life“ : Gegen Abtreibungen, für Trump

          Donald Trump spricht als erster amerikanischer Präsident beim „Marsch für das Leben“, der jährlichen Demonstration der Gegner des geltenden Abtreibungsrechts. Die Aktivisten, von denen viele sonst Kliniken belagern, bereiten ihm einen warmen Empfang.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.