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Ärger bei Borussia Dortmund : „Immer die gleichen Fehler – das stinkt gewaltig“

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Nicht nur Dortmunds Kapitän Marco Reus ist der Frust ins Gesicht geschrieben. Bild: AP

Beim 2:4 in Gladbach ist der BVB Teil einer großen Unterhaltungsshow. Doch das tröstet niemanden. Vielmehr ärgern sich die Dortmunder über ihre Probleme. Und die Lage in der Bundesliga-Tabelle ist alarmierend.

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          Beinahe hätte Marco Reus den Schiedsrichterassistenten getroffen, als er nach seiner Auswechselung 20 Minuten vor dem Ende wütend gegen den Ball drosch. Auf der Bank feuerte er seine Schuhe auf den Boden, der Kapitän von Borussia Dortmund kochte. „Es sind immer die gleichen Fehler. Das stinkt gewaltig“, schimpfte der 31 Jahre alte Dortmunder schließlich, nachdem seine Borussia ein atemraubendes Fußballspiel mit 2:4 Toren in Mönchengladbach verloren hatte.

          Bundesliga

          Teil einer großen Unterhaltungsshow gewesen zu sein tröstete niemanden beim BVB. „Wir müssen aufpassen“, warnte Julian Brandt, denn der Klub, der bis vor kurzen mehr oder weniger heimlich auf den Meistertitel hoffte, droht nach nur einem Punkt aus den jüngsten drei Partien ins Mittelfeld der Bundesliga-Tabelle abzurutschen.

          In solchen Momenten schrillt der Alarm bei den Verantwortlichen. Spieljahre ohne Titel sind schon okay, ein Verpassen der Champions League ist hingegen eine Katastrophe. So erklärt sich der Zorn, der hinter den betont sanften Worten von Michael Zorc hindurchzuhören war: „Wenn du in so einem Spiel gegen eine gute Mannschaft drei Tore durch Standardsituationen fängst, wo du nicht da bist, brauchst du dir über das Ergebnis keine Gedanken machen“, sagte der Sportdirektor. Damit sei die Geschichte dieses Spiels „relativ einfach erzählt“.

          Manchmal tut es ganz gut, komplexe Probleme in einfache Formen zu pressen, wobei selbst die intimsten Kenner des BVB nicht wirklich zu verstehen scheinen, wie diese Mannschaft, die nach sechs Spieltagen noch für die beste Defensive der Liga gelobt wurde, plötzlich so instabil werden konnte. „Es gibt immer unterschiedliche Gründe für solche Sachen“, sagte Mats Hummels. Ganz so einfach wie Zorc fand der frühere Weltmeister die Sache offensichtlich nicht.

          Bei Nico Elvedis 1:0 für Mönchengladbach funktionierte die Zonenverteidigung bei einem Freistoß aus dem Halbfeld nicht (12. Minute). Beim Marcus Thurams 4:2 nach einer Ecke hatten gleich mehrere Dortmunder ihre klar zugeordneten Gegenspieler verloren (79.), beim 2:2 hatte der seit Wochen wenig überzeugende Torwart Roman Bürki einen Freistoß vor die Füße von Doppeltorschütze Elvedi prallen lassen (32.) – es fehlt das Muster bei den Fehlern. „Woran es am Ende liegt, ob es Konzentration ist, oder dass man einfach die nötige Spannung hat, kann ich gar nicht so beantworten“, sagte Julian Brandt. „Fakt ist: Das ist einfach unsere große Schwäche.“

          Brandt war es, der mit einer viel zu hastigen Verteidigungsaktion gegen Ramy Bensebaini das 3:2 begünstigte (50.); alle vier Tore fielen also nach eher vermeidbaren Fehlern. „Das ist für den Kopf extrem schwer“, sagte Reus. Abgesehen von diesen vier Momenten und den ersten zehn Minuten war die Leistung des BVB aber stark. Hummels sagte: „Wir haben ein wirklich gutes Fußballspiel her gesehen von beiden Mannschaften.“

          Erling Haaland hatte zwei wunderbar herausgespielte Treffer erzielt, Jadon Sancho hatte jeweils die Vorlagen geliefert (22. und 28.). Auch ein drittes und gar ein viertes Tor waren in der ersten Hälfte möglich gewesen, doch in guten Phasen müsse sein Team immer wieder „viel zu viele Rückschläge verkraften“, sagte Trainer Edin Terzic. Irgendwann ist die Energie dann aufgebraucht.

          Immerhin formulierte Gladbachs Trainer Marco Rose, der als möglicher Kandidat für den Trainerposten beim BVB in der kommenden Saison gilt, ein paar Worte, die die Dortmunder etwas beruhigen könnten. Die Borussia vom Niederrhein war in der Hinrunde heftig für wiederkehrende Schwächen kritisiert worden, immer wieder hatten sie durch Gegentore in den letzten Spielminuten wertvolle Punkte verloren und dabei ähnlich ratlos gewirkt wie der BVB mit seinem Standardproblem.

          Im Fußball seien einfach „Spielglück, Phasen, die man manchmal so hat und so weiter“ von Bedeutung – Faktoren, die sich kaum beeinflussen lassen, sagte Rose. Er habe „nichts Großartiges trainiert oder umgestellt“, sondern einfach weitergemacht, nun stehe er mit seinem Team wieder „auf der Sonnenseite“.

          Gegentor nach einer Ecke: Marcus Thuram springt höher als die Abwehr des BVB.
          Gegentor nach einer Ecke: Marcus Thuram springt höher als die Abwehr des BVB. : Bild: Reuters

          Das klang wie ein versteckter Hinweis an den Kollegen Terzic, und auch Hummels forderte „nach dieser misslungenen Woche am nächsten Samstag einfach mit der gleichen Energie zu spielen“, dann werde es schon wieder klappen mit den Siegen. Panik wird vorerst nicht ausbrechen beim BVB, aber der Blick auf die Tabelle könnte während der kommenden Tage auf der Geschäftsstelle am Rheinlanddamm schon als Treibstoff für ein paar nervöse Gedanken taugen. Die finanzielle Lage ist aufgrund der pandemischen Ausnahmesituation ohnehin angespannt, wenn nun noch ein Jahr ohne Champions-League-Einnahmen hinzukommen sollte, droht ein Rückschlag für den Klub, dessen Dimension nur schwer absehbar ist.

          Denn der BVB ist am Freitag auf Rang fünf zurückgefallen, bei entsprechenden Ergebnissen in den anderen Partien an diesem Wochenende droht sogar der Absturz auf den achten Tabellenplatz. Weil sich die Saison immer weiterentwickelt, weil sich Konkurrenten wie Leverkusen, Mönchengladbach und Frankfurt stabilisieren – und der BVB auch nach dem Trainerwechsel keine grundlegenden Fortschritte macht.

          6,2 Millionen sehen Gladbach-Sieg gegen BVB im ZDF

          Die Live-Übertragung der Fußball-Bundesliga hat dem ZDF eine starke TV-Quote beschert. Durchschnittlich 6,20 Millionen sahen am Freitagabend den 4:2-Sieg von Borussia Mönchengladbach gegen Borussia Dortmund und sorgten nach Angaben des Senders für einen Marktanteil von 18,9 Prozent. Mit diesen Zahlen lag das Fußballspiel vor den bisherigen Übertragungen von der Handball-WM, aber klar hinter der bisher erfolgreichsten Sport-Übertragung des Jahres, dem Neujahrsspringen der Vierschanzentournee mit 7,34 Millionen (Marktanteil 32,5 Prozent). (dpa)

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