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Franck Ribéry : „Ich liebe Bayern, die Bayern lieben mich“

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„Man weiß nie, was im Leben passiert“: Franck Ribéry. Bild: Reuters

Die Münchner beenden das Jahr mit einem 3:0 in Frankfurt und Platz zwei. Oldie Franck Ribéry beeindruckt und stellt gar einen Rekord auf. Doch eine Sorge nehmen die Bayern mit in die Winterpause.

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          Der Tross des FC Bayern hatte es eilig. Nach dem 3:0 bei Eintracht Frankfurt brach Hektik aus bei den Münchnern. Nach den verpflichtenden TV-Interviews stellten sich nur Thomas Müller und Niklas Süle den Journalisten, dazu kam Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Die obligatorische Pressekonferenz mit beiden Trainern entfiel. Stattdessen beantwortete Niko Kovac bei seiner Rückkehr zum alten Verein schnell am Rande die drängendsten Fragen – bis er zum Aufbruch ermahnt wurde, der Flieger gehe bald. Die Mitarbeiter der Münchner Medienabteilung zuckten mit den Schultern. In der Kabine seien schon kurz nach Abpfiff nur noch fünf Spieler gewesen, der Rest sei weg.

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          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Der Weihnachtsurlaub wartet. Und vor allem die Spieler aus dem Ausland wollten offenbar keine Minute länger als nötig in Frankfurt bleiben. Dabei traten sie ihre ganz individuellen Reisen mit einem guten Gefühl an. Durch den Erfolg in Frankfurt schob sich der FC Bayern zum Abschluss der Hinrunde in der Tabelle an Mönchengladbach vorbei auf Platz zwei vor, sechs Punkte hinter Spitzenreiter Dortmund. „Es hätte nicht besser laufen können“, sagte Kovac nach dem Sieg durch zwei Tore von Franck Ribéry (35. und 79. Minute) sowie einen Treffer von Rafinha (89.).

          „Schade, dass wir in den drei Heimspielen gegen Augsburg, Freiburg und Düsseldorf unentschieden gespielt haben. Da haben wir sechs Punkte liegengelassen“, blickte Kovac auf seine erste Halbserie als Bayern-Trainer zurück. „Sonst wären wir jetzt pari mit Dortmund.“ So liegt der BVB vorne. Doch die Laune verdarb das am Samstagabend niemandem im Münchner Lager, schließlich war der letzte Eindruck ein erfreulicher. „Das letzte Drittel der Hinrunde war sehr gut“, sagte Salihamidzic. „Die letzten Spiele waren sehr gut. Das ist das, was den FC Bayern ausmacht“, fand Kovac. Und Müller „macht es Spaß, wieder in Reichweite zu sein.“ Klar ist: Die Bayern sind ein hungriger Jäger.

          Der hungrigste von allen in Frankfurt war zugleich der älteste Spieler auf dem arg holprigen Rasen. Franck Ribéry beeindruckte nicht nur durch seine Tore. Fast alle Angriffe der Münchner gingen über die linke Seite des 35 Jahre alten Franzosen. „Ein ganz großes Kompliment an Franck“, sagte Kovac. „Das, was er leistet, ist immens. Er ist ein Weltklasse-Spieler, der sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruht.“ Das imponierte auch Süle. „Wenn ich mit 35 noch so laufen kann, bin ich heilfroh“, sagte der junge Abwehrspieler bei der Rückkehr in seinen Geburtsort. „Er hat uns mit seinen Toren in den letzten beiden Spielen sechs Punkte beschert.“

          Eine schöne Bescherung schon vor dem Fest! Vor dem Doppelpack von Frankfurt erzielte Ribéry das entscheidende 1:0 gegen Leipzig. Auch zuvor beim 3:0-Sieg über Nürnberg war er erfolgreich. In seinen ersten elf Partien in dieser Saison traf der Oldie nicht. Mitten im Winter scheint er in Sachen Torgefährlichkeit aufzublühen. In Frankfurt stellte er damit gar einen Vereinsrekord auf. Nie erzielte ein älterer Münchner Spieler mehr als einen Treffer in einer Partie in der Bundesliga. Müller fand es gar „sensationell, dass er uns so sehr hilft“.

          „Wir hatten eine komplizierte Phase“, sagte Ribéry im TV-Sender Sky. „Aber wir haben gut reagiert. Wir sind jetzt viel besser. Ich versuche immer 100 Prozent zu geben. Das ist meine Mentalität. Ich genieße es.“ Wie lange Ribéry das noch tun kann, ist allerdings ungewiss. Sein Vertrag läuft nach Ende dieser Saison aus. In dieser Form muss er doch nochmal eine Verlängerung bekommen. Oder nicht? Er selbst sagte nur: „Ich liebe Bayern, die Bayern lieben mich. Man weiß nie, was im Leben passiert.“

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          Auch Sportdirektor Salihamidzic wollte in der Personalie Ribéry nicht konkret werden. Genau wie im Fall Lucas Hernandez. Der Weltmeister und Landsmann des Doppel-Torschützen soll angeblich von Atlético Madrid kommen. Salihamidzic wiederholte in Frankfurt nur, was er seit Tagen sagt. „Wir werden Transfergerüchte nicht kommentieren.“ Er sagte aber auch: „Winter-Transfers sind nicht einfach.“ Karl-Heinz Rummenigge blockte ab: „Ob wir jetzt im Winter etwas machen oder im Sommer – darüber ist noch keine finale Entscheidung gefallen“, sagte der Vorstandsvorsitzende bei Sky.

          Der Eindruck vom Samstag jedenfalls lässt Handlungsbedarf erahnen. Nicht, weil die vorhandenen Akteure schlecht spielten, im Gegenteil. Aber nach dem kurzfristigen Ausfall von Mats Hummels, der sich mit Rückenproblemen abmeldete, saßen auf der Bank nur Ersatztorwart Sven Ulreich, Sandro Wagner, Kingsley Coman sowie die jungen Lars Lukas Mai und Meritan Shabani. Ein, zwei Verletzte oder Gesperrte mehr und die Bayern hätten ein veritables Personalproblem, gerade wenn es im Frühjahr um die entscheidenden Punkte im Titelrennen oder auch in der Champions League gegen den FC Liverpool geht.

          Salihamidzic jedenfalls versicherte, dass er sich über Weihnachten ausruhen, aber sein Handy immer dabeihaben werde. Es bleibt also spannend bei den entspannten Münchnern, die am 4. Januar im Trainingslager in Qatar die Arbeit wieder aufnehmen werden. Die Rückrunde beginnt zwei Wochen später mit dem Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim. Dann möchte Kovac seine Serie von zuletzt fünf Siegen ausbauen. Und mit zunächst nur noch drei Punkten Rückstand die am Tag danach spielenden Dortmunder gleich zum Jahresbeginn ein wenig unter Druck setzen. Abwehrspieler Süle ist sich jedenfalls sicher: „Wir haben die Qualität, in der Rückrunde etwas Großes zu leisten.“ Das gilt nicht zuletzt für Ribéry.

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