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Hamburger SV : Bezirksamt stellt Ermittlungen gegen Bakery Jatta ein

  • -Aktualisiert am

Umarmung vom Trainer: Bakery Jatta (vorne) wird beim Zweitligaspiel gegen Hannover von Dieter Hecking geherzt. Bild: dpa

Beim Zweitligaspiel gegen Hannover kommt es zu emotionalen Szenen. Im Mittelpunkt steht der zuletzt verunglimpfte Bakery Jatta. Nun gibt es eine Entscheidung bezüglich seiner Person.

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          Bakery Jattas langer Weg zur Bank führte direkt in die Arme Dieter Heckings. Nach einigen unglücklichen Aktionen hatte Jatta gerade das dritte Hamburger Tor beim 3:0 des HSV gegen Hannover 96 geschossen. Diese 75. Minute gehörte komplett ihm. Das Stadion rief seinen Namen, Hecking umarmte ihn, die Kollegen nahmen ihn im Jubelkreis in ihre Mitte. Wenig später, als Jatta in der 87. Minute seinen Arbeitstag beendete, folgte noch eine halbe Ehrenrunde: Applaus und Rufe voller Zuneigung für den Mann, der vor einer Woche beim 4:2 in Karlsruhe noch von Teilen der KSC-Anhänger verunglimpft worden war.

          2. Bundesliga

          Trainer Hecking hatte offenbar überlegt, ob er Jatta wieder das Startelf-Mandat erteilen würde: „Wie es in ihm drinnen wirklich aussieht, weiß keiner. Er hat zwei Tage nicht verstanden, warum die Leute ihn auspfeifen. Da mussten wir ihn abholen.“ Es hatte beim HSV Befürchtungen gegeben, dass die Pfiffe und Rufe Spuren bei Jatta hinterlassen hätten. Doch Hecking ließ ihn stürmen, und ob die kleinen Fehler in seinem Auftritt etwas mit den Geschehnissen der vergangenen Wochen zu tun hatten, ist von außen natürlich nicht seriös zu beurteilen.

          Allerdings gab es in der vergangenen Woche Anzeichen, dass die Angelegenheit um seine mögliche falsche Identität bald zu seinen Gunsten aufgeklärt sein könnte. Auf der einen Seite hat Jatta einen gültigen Reisepass. Das ist schon länger bekannt. Am Freitag kamen weitere entlastende Fakten hinzu. Es gibt eine Geburtsurkunde Jattas mit dem Geburtsdatum 6. Juni 1998. Zudem wurde die Richtigkeit der Geburtsurkunde von einem Beamten des gambischen Außenministeriums eidesstattlich versichert.

          Auf der anderen Seite soll ein Trainer eines senegalesischen Vereins am 9. September in Frankfurt bei der zweiten Anhörung vor dem DFB offenbar aussagen, dass es sich bei Jatta um Bakary Daffeh handelt, der schon 23 Jahre alt ist. Seydou Sané, so der Name des Trainers, soll vom 1. FC Nürnberg ausfindig gemacht worden sein, um für den „Club“ gegen den HSV und somit die Wertung der 0:4-Heimniederlage auszusagen. Das Ganze hätte sich also doch noch länger ziehen können. Doch das Bezirksamt Hamburg-Mitte hat die Ermittlungen mittlerweile eingestellt, wie die Behörde am Montagmittag mitteilte. Die Aufenthaltserlaubnis des 21 Jahre alten Offensivspielers bleibt damit unangetastet.

          „Das Bezirksamt Hamburg-Mitte hat die bereits vorliegenden und neue Unterlagen, die im Rahmen der Anhörung vorgelegt wurden, geprüft. Aus den dem Bezirksamt vorliegenden Unterlagen gehen keine belastbaren Anhaltspunkte hervor, die ausländerrechtliche Maßnahmen begründen würden“, sagte Bezirksamtsleiter Falko Droßmann: „Die aufgekommen Zweifel an der Richtigkeit der Angaben haben sich im Rahmen der Anhörung nicht bestätigt.“

          Jattas Rechtsanwalt bezeichnete die Entscheidung des Bezirksamts als „sehr positive Nachricht. Das ist eine Erleichterung. Wir haben es allerdings auch nicht anders erwartet“, sagte Thomas Bliwier dem Sportinformationsdienst: „Ich gehe davon aus, dass der Fall nun abgeschlossen ist und sich das Verfahren damit erledigt hat.“ Ob die neue Faktenlage auch Auswirkungen auf das Verfahren vor dem DFB-Sportgericht hat, war am Montag zunächst unklar. Neben dem 1. FC Nürnberg hatten auch der Karlsruher SC und der VfL Bochum nach ihren Niederlagen gegen den HSV jeweils Protest gegen die Spielwertung eingelegt.

          Beim den Hamburgern aber herrschte und herrscht ohnehin die selbe Meinung: volle Rückendeckung für Jatta. „Ich sage schon seit Wochen, dass Baka dafür geradestehen muss, sollte man ihm etwas nachweisen können. Aber nach allem, was ich weiß, bin ich sicher, dass die Sache im Sande verläuft“, hatte Hecking gesagt. Damit sollte er recht behalten, wie nun bekannt wurde. Die Fans von Hannover verhielten sich übrigens vorbildlich – und konzentrierten sich am Wochenende bei Beifall und Kritik ganz auf das eigene Team.

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