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Bezahlfernsehen : Premiere verbündet sich mit Arena

  • Aktualisiert am

Zurück im Spiel: Premiere kooperiert mit Arena Bild: picture-alliance / dpa

Der Bezahlsender Premiere hat ein enges Bündnis mit dem Konkurrenten Arena geschlossen. Die Börse honorierte diesen Schritt. Experten sehen darin den Beweis, dass der deutsche Markt für zwei Anbieter keinen Platz hat.

          Der Bezahlfernsehsender Premiere ist im Millionengeschäft Fußball-Bundesliga wieder voll im Spiel. Gut ein Jahr nach dem Verlust exklusiver Übertragungsrechte vereinbarte das Münchner Unternehmen mit dem Rivalen und neuen Rechteinhaber Arena eine weit reichende Vermarktungskooperation und kann die begehrten Spiele damit auch über Satellit wieder bundesweit live zeigen. Im Gegenzug steigt Arena über eine Premiere-Kapitalerhöhung mit knapp 17 Prozent als größter Aktionär bei dem Konkurrenten ein.

          Durch die Vereinbarung sieht das Münchner Unternehmen seine Geschäftsaussichten nachhaltig verbessert und hob seine Prognosen an. Branchenexperten sprachen von einer „Zukunftssicherung“ für Premiere. Deren Aktienkurs schoss 20 Prozent in die Höhe.

          Kofler fühlt sich obenauf

          „Premiere ist für Bundesliga-Fans wieder die Nummer eins und die erste Adresse“, sagte Firmenchef Georg Kofler. Durch die neue Abmachung mit Arena erreiche Premiere über Kabel und Satellit ab sofort mehr als 30 Millionen Haushalte. Bislang hatte Arena sein Programm über Satellit selbst vermarktet. Der Rechtevermarkter, der zum Kabelnetzbetreiber Unity Media gehört, hatte im Dezember 2005 Premiere bei der Vergabe der begehrten Bundesliga-Übertragungsrechte ausgestochen. Der neue Sender ging mit dem Start der laufenden Saison im August 2006 auf Sendung. Mittlerweile hat Arena mehr als eine Million Kunden - braucht aber mehr, um profitabel zu werden.

          Wieder obenauf? Premiere-Chef Kofler

          Premiere kämpfte seit dem Verlust des Zugpferds Bundesliga mit rückläufigen Abonnentenzahlen. Die Münchner reagierten darauf unter anderem mit niedrigeren Abo-Preisen und begannen, mit Arena zusammenzuarbeiten. So einigten sich die Kontrahenten auf eine Kooperation zur Übertragung der Bundesliga im Kabelfernsehen der 13 von Kabel Deutschland versorgten Bundesländer. Die deutschen TV-Übertragungsrechte für die englische Fußballliga erstanden die beiden sogar gemeinsam.

          Kein Platz für zwei Anbieter

          Analysten zufolge gibt es im deutschen Bezahlfernsehgeschäft offenkundig nicht Raum genug für zwei Anbieter. „Das hat sich in anderen europäischen Märkten auch schon gezeigt“, sagte BayernLB-Analyst Christoph Gmeinwieser. „In zwei oder drei Jahren wird es sicherlich nicht mehr zwei Pay-TV-Anbieter geben“, ergänzte Kollegin Sonia Rabussier von Sal. Oppenheim.

          Arena hat die Bundesliga-Übertragungsrechte bis zur Saison 2008/09. Für die nachfolgenden Spielzeiten muss neu geboten werden. Arena wolle sich daran beteiligen, sagte der Chef der Arena-Muttergesellschaft Unity Media, Parm Sandhu im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters.

          Premiere hebt die Geschäftsprognosen an

          Die Vereinbarung mit Premiere sei für beide Seiten ein Gewinn, betonte Sadhu. Premiere übernehme die technische Betreuung der Satelliten-Plattform, Arena könne sich darauf konzentrieren, Programm-Anbieter zu sein. Arena erhalte einen Großteil des Umsatzes, der durch die Vermarktung auf der Satelliten-Plattform von Premiere erwirtschaftet wird. Daher werde Arena bereits in der zweiten dieses Jahres die Gewinnschwelle beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erreichen. Die geplante Beteiligung an Premiere von 16,7 Prozent soll an ein unabhängiges Finanzinstitut übertragen werden, um Unstimmigkeiten mit dem Kartellamt zu vermeiden.

          Wegen der erwarteten Impulse für das Neugeschäft durch die Vereinbarung hob Premiere seine Geschäftsprognosen für 2007 und 2008 an. Zum Jahresende 2007 will der Sender die Abonnentenzahl auf über 3,7 Millionen von derzeit rund 3,4 Millionen steigern.

          Bei einem Umsatz von 1,1 Milliarden Euro soll das Ebitda zwischen 120 und 140 Millionen Euro betragen. Im Jahr darauf soll die Kundenzahl auf mehr als vier Millionen zulegen und das Ebitda auf mehr als 200 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr rutschte der operative Gewinn wegen hoher Investitionen zur Kompensation des Bundesliga-Verlusts um 65 Prozent auf 47,9 Millionen Euro ab. Unter dem Strich blieb ein Verlust von 161,5 Millionen Euro nach einem Gewinn von 48,7 Millionen Euro im Vorjahr.

          Für die Kunden der beiden Bezahlsender Premiere und Arena bleibt auch nach dem Vermarktungsvertrag zwischen den früheren Konkurrenten alles beim Alten - zumindest im Prinzip. Für Kunden, die Arena direkt über Satellit oder über die ish- und iesy-Kabelnetze in Hessen und Nordrhein-Westfalen empfangen haben, ändert sich nichts. Allerdings können sie künftig auch direkt über Arena das Premiere-Angebot buchen und nutzen. Im Gegenzug haben alle Premiere-Kunden im gesamten Kabelnetz die Möglichkeit, nun auch direkt über Premiere die Arena-Bundesliga-Übertragungen zu buchen und zu sehen. Gleiches gilt für die Kunden, die Premiere oder Arena über Satellit empfangen.

          Die wichtigste Veränderung ergibt sich aus der Vereinbarung für jene Premiere-Kunden, die noch einen alten Komplett-Vertrag bei dem Bezahlsender haben. Diese langjährigen Bestandskunden können ab Freitag kostenlos das Arena-Angebot über ihren Premiere-Decoder nutzen und die Spiele der Fußball-Bundesliga sehen. Das Programm von Arena werde an die Premiere-Altkunden kostenfrei ausgestrahlt, weil die Fußball-Bundesliga früher (als Premiere die Übertragungsrechte noch selbst besaß) in den Komplett-Paketen mit eingeschlossen war. Pech haben allerdings all jene Premiere-Altkunden, die gleichzeitig auch noch einen Vertrag mit Arena abgeschlossen haben: Der Arena-Vertrag bleibt trotz der kostenlosen Ausstrahlung über Premiere bestehen.

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