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Bundesliga-Kommentar : Radikale Bewegung beim HSV

  • -Aktualisiert am

Der neue starke Mann, Frank Wettstein, muss einige Fragen beantworten. Bild: dpa

Ganz kampflos will sich der immer noch so stolze wie chaotische HSV nicht ergeben. Deswegen musste der Klub rasch handeln. Und wenn es nicht sofort mit dem neuen Trainer klappt: Da geht noch was.

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          Am Ende behielt Felix Magath tatsächlich recht mit seiner vor sieben Wochen recht wagemutig klingenden Behauptung: „Ich gehe davon aus, dass der HSV unter Bernd Hollerbach mit dem Abstiegskampf nichts zu tun haben wird“, hatte er gesagt, als der HSV als Nachfolger von Markus Gisdol ebenjenen Bernd Hollerbach aus dem Hut zauberte. Mit Hollerbach aber, so muss es der mittlerweile ebenfalls runderneuerten Führungsebene nun gedämmert haben, wird der HSV tatsächlich nichts mehr mit dem Gerangel um den Klassenverbleib zu tun haben – stattdessen wird am Ende ganz einfach der erste Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte stehen.

          Ganz kampflos will sich der immer noch so stolze wie chaotische Verein aber dann doch nicht ergeben, und seit Präsident Bernd Hoffmann als Aufsichtsratsvorsitzender wieder der starke Mann des Klubs ist, geht die angekündigte Neuausrichtung rasant voran. Seinen Worten im Wahlkampf lässt Hoffmann schnell Taten folgen: Vorstandsvorsitzender Bruchhagen und Sportchef Todt mussten in der vergangenen Woche gehen, Trainer Hollerbach am Montag – neben dem Platz ist beim HSV momentan deutlich mehr Bewegung als am Samstag beim 0:6 in München.

          Hollerbach war nach lediglich sieben Wochen und drei Punkten aus sieben Spielen nur noch ein Trainer auf Abruf – dass der HSV mit ihm auch in der zweiten Liga arbeiten würde, schien schon längst nicht mehr möglich. Demzufolge war die Trennung auch keine Überraschung mehr, und der größte Leidtragende ist in erster Linie erst einmal Hollerbach selbst. Dass er sich als ehemaliger Spieler dem Ruf des HSV nicht entziehen wollte, ehrt ihn – die Möglichkeit, dass sein Ruf auch erheblich unter diesem Risiko-Engagement leiden könnte, musste er allerdings einkalkulieren. Wollte der HSV aber seine letzte, bei sieben Punkten Rückstand und noch verbleibenden acht Spielen nur noch ganz verschwommen am Horizont erkennbare Chance nutzen, dann musste der Verein vor dem Spiel gegen Hertha BSC an diesem Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) so rasch wie möglich handeln.

          Christian Titz, der neue Mann, dürfte als Fürsprecher Bernhard Peters an seiner Seite wissen, den Direktor Sport für die Bereiche Jugend, Nachwuchs und Koordination beim HSV. Titz hat dort seit 2015 als Trainer der U 17 und aktuell der U 21, des Tabellenführers der Regionalliga Nord, etwas geschafft, was beim HSV ansonsten völlig unbekannt ist – er hat Spieler besser gemacht, sie geformt. Dass ohne Titz der Aufstieg der U 21 in die dritte Liga gefährdet ist, dürfte ohnehin keine Rolle spielen: Geld dafür hätte der HSV im Falle eines Abstiegs der Profimannschaft sicher sowieso nicht.

          Die Profis muss Titz nun allerdings auf die Schnelle in die Spur bringen, was eine schier unmögliche Aufgabe darstellt. Gelingt es ihm dennoch, dürften seine Chancen immens sein, als Cheftrainer zu bleiben – ein Credo von Peters ist es schließlich, dass ein Verein seine Trainer selbst entwickeln sollte. Und wenn es nicht sofort klappt: In der Saison 2013/14 beschäftigte der HSV mit Fink, Cardoso, van Marwijk und Slomka ebenso vier verschiedene Trainer wie eine Spielzeit später mit Slomka, Zinnbauer, Knäbel und Labbadia. Da geht also immer noch was.

          Peter Penders
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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