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Benaglio gegen Sommer : Schweizer Garde hütet deutsche Tore

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Auf dem Weg nach oben: Gladbachs Torhüter Sommer Bild: dpa

Diego Benaglio und Yann Sommer repräsentieren den eidgenössischen Aufschwung auf dem Posten zwischen den Pfosten. Nun treffen die beiden Schweizer Torhüter aus Wolfsburg und Gladbach zum ersten Mal in der Bundesliga aufeinander.

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          Als Yann Sommer im Sommer vom FC Basel zu Borussia Mönchengladbach wechselte, kam es ihm vor, als tauchte er ein „in eine andere Welt“. Auch Monate später noch sieht der Torhüter sich konfrontiert mit der Frage, was denn die wesentlichen Unterschiede seien zwischen seiner alten Schweizer und seiner neuen deutschen Heimat. Die Super League mit der Bundesliga zu vergleichen hieße, zwei verschiedene Welten zu vergleichen. „Das kann man gar nicht“, sagt Sommer und tut es ausnahmsweise doch.

          In Deutschland sei der Fußball „viel größer und viel besser vermarktet“, sagt er. Und für einen Schweizer wie ihn sei es ein bedeutender Karriereschritt, „in einer der besten Ligen der Welt“ zu spielen. Während Sommer die neue, die große weite Fußballwelt noch erkundet, kennt sein Landsmann Diego Benaglio sich dort schon bestens aus. Der Torhüter des VfL Wolfsburg, 2009 deutscher Meister, bekleidet seit sieben Jahren in der Bundesliga einen Stammplatz zwischen den Pfosten, das hat vor ihm kein anderer Schweizer geschafft.

          Zwei Vertreter der modernen Schule

          Die beiden Männer haben aber mehr gemeinsam als ihre Herkunft und ihre Position. Wenn sie sich an diesem Sonntag auf dem Rasen der Arena in Wolfsburg (Anpfiff: 15.30 Uhr / live im FAZ.NET-Bundesligaticker) gegenüberstehen, gehört jeder von beiden einer Mannschaft an, der Fachleute zutrauen, am Ende der Saison einen Platz in der Champions League zu ergattern. Und es begegnen sich zwei Vertreter der modernen Torwartschule; zwei Profis, deren Wirken buchstäblich Hand und Fuß hat, weil sie nicht bloß Bälle fangen, sondern sich dafür zuständig fühlen, den Spielaufbau einzuleiten. Benaglio betrachtet den Torhüter der aktuellen Generation als eine Art „Libero hinter der Abwehr“, sieht aber auch die Gefahren, die damit verbunden sind. „Viele Torhüter sind im Grenzbereich angekommen. Wir bewegen uns derzeit genau auf dem Grat zwischen Risiko und zu viel Risiko“, sagte er vor einigen Wochen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Und etwas macht das erste Aufeinandertreffen der beiden besten Schweizer Torleute in der Bundesliga zu einer Begegnung der besonderen Art. In Wolfsburg misst sich der aktuelle Nationaltorwart Sommer mit seinem Vorgänger. Benaglio war nach der Weltmeisterschaft in Brasilien überraschend zurückgetreten. Er betrachtet das knapp verlorene WM-Achtelfinale gegen Argentinien (0:1) als einen sportlichen Höhepunkt, der sich für diesen Teil der Karriere als Schlusspunkt geradezu aufdrängt. „Dieses Länderspiel und diese Eindrücke werde ich nie vergessen“, sagt er. Wie Philipp Lahm, Kapitän der deutschen Weltmeistermannschaft, will der 31 Jahre alte Benaglio sich künftig voll auf Verein und Familie konzentrieren.

          In Wolfsburg eine Bank: Diego Benaglio
          In Wolfsburg eine Bank: Diego Benaglio : Bild: dpa

          Sein Nachfolger hatte sich den Aufstieg zur Nummer eins zwar zum Ziel gesetzt, zeigt sich jedoch überrascht darüber, dass er die „große Persönlichkeit“ Benaglio schon in dieser Saison im Nationalteam abgelöst hat. „Ich hatte eigentlich damit gerechnet, weitere zwei Jahre die Nummer zwei zu sein“, sagt Sommer. Da die Schweiz die Ausbildung junger Torhüter in den vergangenen Jahren stark vorangetrieben hat, ist Sommer im Nationalteam nicht ohne Konkurrenz. Zwei mögliche Mitbewerber kennt er nicht nur vom Hörensagen, sondern inzwischen auch aus dem Bundesligabetrieb. Auch Marwin Hitz und Roman Bürki verdienen in Deutschland ihr Geld, der eine beim FC Augsburg, der andere beim SC Freiburg. „Alle drei Torhüter besitzen das Potential, in der Schweiz die Nummer eins zu sein“, sagt Benaglio.

          Und alle vier, den Senior eingeschlossen, profitieren davon, Deutschland, das Torwartland, für eine Weile zu ihrem Lebensmittelpunkt erkoren zu haben. Sommer macht es stolz, dass unter den knapp zwanzig Schweizer Bundesligaprofis vier Torhüter sind. „Für uns Schweizer ist das ein Riesenkompliment, weil ihr in Deutschland sehr viele gute Torhüter habt“, sagt er. Einer von ihnen, Marc-André ter Stegen, hat Gladbach in Richtung Barcelona verlassen. So bot sich vor ein paar Monaten im Klubfußball ähnlich unverhofft eine Aufstiegschance für Sommer wie wenig später in der Nationalelf. Er hat sie genutzt. Sommer ist der einzige Borusse, der in dieser Saison alle einundzwanzig Pflichtspiele absolviert hat. Der Fünfundzwanzigjährige ist nicht nur im Tor ein vollwertiger Ersatz für ter Stegen geworden; er genießt auch beim Publikum schon einen ähnlichen Stellenwert wie sein regional verwurzelter Vorgänger.

          Bei den Schweizer Torhütern hat sich in den vergangenen Jahren viel getan, eins aber hat sich auch hier nicht geändert: Die Männer zwischen den Pfosten haben ihren eigenen Kopf und einen Hang zum Kuriosen. Benaglio hält sich für „relativ normal“, räumt aber ein, dass Spielern auf dieser Position eine gewisse Extravaganz nicht fremd ist. „Unsere Position ist und bleibt etwas Besonderes, ganz egal, wie das Spiel interpretiert wird“, sagt er. „Und wir Torhüter sind spezielle Charaktere. Das wird sich auch nicht ändern.“ Sein Gladbacher Landsmann füllt dieses Klischee mit Leben. Yann Sommer posiert gelegentlich als Model, isst - als Schweizer! - keinen Käse und pflegt seine Torwarthandschuhe, wenn sie neu sind, mit unter die Dusche zu nehmen.

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