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Beleidigungen von Torunarigha : Rassisten lauern nicht mehr

Auf Schalke beleidigt: Jordan Torunarigha (rechts) mit seinem Teamkameraden Rune Jarstein. Bild: EPA

Schalkes Fanszene gilt als Vorreiter im Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit. Trotzdem stellen die Tränen von Jordan Torunarigha den Klub bloß.

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          Wie sich die Schalker gegen Rassisten wehren? Mit einem königsblauen Bein, das ein Hakenkreuz zertritt. Es war die Schalker Fan-Initiative, die gegen offen ausgesprochenes, im Stadion heraus gegröltes, menschenverachtendes Gedankengut vorgegangen ist. Wann das war? Ab 1992, vor bald 28 Jahren im Parkstadion – und zwar lange auch in Abgrenzung zur schwarz-gelben Konkurrenz im Revier, wo braune Trupps prominente Plätze auf der Südtribüne halten konnten. Das Symbolbild verwenden die Schalker bis heute.

          Und nun? Muss Schalke 04 damit kämpfen, dass es angesichts der Tränen von Jordan Torunarigha nun heißt: Na klar, Schalke. Denn: Der Aufsichtsratsvorsitzende heißt Clemens Tönnies, trotz seiner Rede beim Tag des Handwerks in Paderborn im vergangenen August. Wer erinnert sich nicht? Die Stichworte: Afrikaner, Fortpflanzung, Kraftwerke. Einige Entschuldigungsbitten und eine mehr oder minder selbst verordnete Auszeit später setzt nun Tönnies „alles daran“ den Vorwurf des rassistischen Missbrauch Torunarighas aufzuklären. Wobei Tönnies, Kopf einer milliardenschweren Unternehmens-Holding, das in der „Bild“-Zeitung „die Angelegenheit“ nennt.

          In der vergangenen Woche saß der frühere Bundesliga-Profi Vincent Kompany, Kapitän der belgischen Nationalmannschaft, auf einem Podium in Brüssel und formulierte, durchaus frustriert, was er seit Jahren zum Thema Rassismus zu sagen hat: Wenn sich etwas tun solle gegen den grassierenden Rassismus, sagte er sinngemäß, dann müssen diejenigen Entscheidungen treffen können, die davon betroffen sind. Ja, sicher, sagte Kompany, man könne den Einzelnen bestrafen, vielleicht müsse man das auch. Aber man solle doch bitte schön Fußballprofis nicht fragen, was sie von Punktabzügen oder leeren Tribünenrängen halten, so lange in den Vereinsgremien allein weiße Männer entscheiden, was gegen Sexismus, was gegen Rassismus zu tun ist. Und Kompany trug seine Argumentation explizit über das Stadion hinaus – sie gelte gesamtgesellschaftlich, in ganz Europa.

          Was das heißt? Die nächste Quotendiskussion und alsbald die Klage, dass schon wieder über Quoten diskutiert wird? Vielleicht erst einmal schauen, was Jordan Torunarigha, was sein Vater Ojokojo Torunarigha, einst Profi in Chemnitz, zu sagen haben über ihre Erfahrungen in Deutschland. „Diskriminierungen lauerten überall“, sagt Ojokojo Torunarigha, ebenfalls in der „Bild“-Zeitung. „Die Polizei half mir erst, als sie erkannten, dass ich ein Fußball-Profi war.“ Er spricht in der Vergangenheitsform. Das ist nicht nötig, obwohl: Heute lauern Rassisten nicht. Sie sitzen im Stadion. In den Landesparlamenten. Im Bundestag.

          Die Frage ist nicht, ob der Fußball die Einzelfälle in den Griff bekommt. Die Frage ist, ob die deutsche Gesellschaft sich selbst in den Griff bekommen will. Auf der Straße und in manchen Vorstandsetagen. Aber es stimmt schon: Das Stadion ist ein guter Ort, diese Dinge zu klären. An jedem Spieltag. Die Schalker Fan-Initiative weiß das schon lange.

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