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HSV : „Honeymoon is over“

  • -Aktualisiert am

Ideen sind gefragt: HSV-Trainer Dieter Hecking sieht aber noch keine Krise. Bild: dpa

Es droht abermals ein Scheitern des Projekts WIederaufstieg. Beim HSV wird der Ton wieder schärfer. Selbst der lange gefeierte Trainer Dieter Hecking verspürt Gegenwind.

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          Die Flitterwochen seien vorbei, hatte Bernd Hoffmann vor einer Woche nach dem 0:3 in Aue gesagt. Dass der Vorstandsvorsitzende des Hamburger SV englisch sprach, ließ es nicht weniger bedrohlich klingen: „Honeymoon is over.“ Der HSV also ab sofort wieder im bekannten Krisenmodus? Gemeint waren Trainer Dieter Hecking und Sportchef Jonas Boldt. Beiden wird bislang bescheinigt, in Hamburg gut, unaufgeregt und zielgerichtet gearbeitet zu haben – das Problem ist nur, dass sich das kaum in Punkten ausdrückt: 41 Zähler hat der HSV in der Zweiten Bundesliga gesammelt, das reicht zu Platz drei hinter dem VfB Stuttgart und Arminia Bielefeld. Für die Hamburger Ansprüche ist das mit dieser nominell starken Mannschaft zu wenig, zumal Boldt und Hecking sie in der Winterpause mit drei Leihspielern aus der ersten Liga verstärkten.

          Vor einem Jahr unter Trainer Hannes Wolf waren es sechs Punkte mehr. Trotzdem musste sich Wolf viel Kritik gefallen lassen, weil der HSV selten ansehnlich spielte. Bisher verhindern Heckings Name und seine Ausstrahlung eine ähnliche Situation für den Trainer – zudem will keiner im Verein an Hecking rühren, schließlich gilt seine Verpflichtung als entscheidender Baustein des Aufstiegs. Wenn es der HSV nicht mit diesem renommierten Bundesligatrainer schafft, wie und wann soll es dann überhaupt gelingen?

          2. Bundesliga

          Unter Hecking waren einige gute und sehr gute Spiele dabei, doch gibt es seit Monaten einen Abwärtstrend: Nur vier Siege errang sein Team aus den 13 Spielen seit Anfang November. Dass der HSV zehn Spiele vor Schluss immer noch ordentlich dasteht, liegt am Punkte-Polster der ersten Monate und der Ausgeglichenheit der Liga. Als „grottenschlecht“ hatte Hoffmann die Leistungen beim 0:2 gegen St. Pauli und eine Woche später in Aue gegeißelt. Bis zum Derby hatte es gewirkt, als habe Hecking den HSV gezähmt. Niederlagen hakte er ohne große Worte ab, die Mannschaft wirkte gefestigt, torhungrig, oft spielfreudig, gerade auf heimischem Terrain.

          Hecking sieht keine Krise

          Doch irgendwann im Herbst schien Hecking den Fokus zu verlieren. Er sprach davon, dass ihn der Bundestrainerposten reize, er warf Umfeld und Medien in Hamburg vor, zu hohe Ansprüche zu haben. Hier geriet er mit Hoffmann ins Gehege. „Wir schwimmen im falschen Teich“, sagt der Vorstandschef, bezogen auf die zweite Liga. Für ihn sind die Aufstiegserwartungen alles andere als überzogene Forderungen an einen Kader mit vielen guten Zweitliga-Spielern und einigen Profis, die in der ersten Liga spielen könnten. Dass es da und dort Schwachpunkte gibt, im Tor, im defensiven Mittelfeld, genügt nicht, um den HSV aus der Rolle des Aufstiegsfavoriten zu drängen.

          Vor dem Spiel gegen Jahn Regensburg (13 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker zur zweiten Bundesliga und Sky) sagte Hecking nun, eine Krise könne er nicht erkennen. Davon spräche er, wenn acht oder mehr Spiele nacheinander verloren gingen. Doch Hoffmann kenne sich in Hamburg besser aus, sagte Hecking am Donnerstag und „erlaubte“ ihm deshalb alle Kritik an der misslichen Lage.

          Es ist – wie fast immer – kompliziert am Standort Hamburg. Hecking und Boldt haben eine zweitligaerfahrene, gut besetzte Gruppe zusammengestellt. Trotz einiger Verletzungen müsste sie um den ersten Platz mitspielen. Die Voraussetzungen sind gut. Das frühere Vereins-chaos ist weitgehend eingedämmt. Hecking kann im Prinzip ruhig arbeiten. Bis zum Aue-Spiel waren die Fans geduldig, genügsam gar, sie erfreuten sich an der Favoritenrolle – immerhin wird im Fußball-Unterhaus auch öfter mal gewonnen. Ihr Bild ist von Realismus geprägt. Doch in Aue gab es Pöbeleien, die Mannschaft musste in der Kurve „antreten“.

          Viele Diskussionen entzünden sich an Aaron Hunt. Er wirkt ideenlos, ohne Energie. Weil Jeremy Dudziak verletzt ist und Adrian Fein es war, ließ Hecking Hunt spielen. Das war eine schlechte Idee. An diesem Samstag wird der Kapitän wahrscheinlich auf der Bank sitzen.

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