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Affäre um Clemens Tönnies : „Auf“ Schalke brechen Gräben auf

  • -Aktualisiert am

Deutliche Aktion: Protest der Schalke-Fans gegen Clemens Tönnies Bild: dpa

In der Affäre um Clemens Tönnies zeigt sich Schalke 04 als Miniatur deutscher Befindlichkeit. Es stellen sich viele Fragen. Und die jüngste Entwicklung kann dem mächtigen Aufsichtsratschef gefährlich werden.

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          Es ist ein beliebtes Spiel, den globalen Fußball, dem sich Milliarden Menschen auf die eine oder andere Weise verbunden fühlen, als verkleinertes Abbild des Weltgeschehens zu beschreiben. Als vereinfachtes Modell für all die viel zu komplex gewordenen und für niemanden mehr vollständig durchschaubaren Vorgänge in der Politik, der Wirtschaft und den Gesellschaften. In den vergangenen Tagen ist nun der FC Schalke 04 zu einer Miniatur einiger Prozesse geworden, die Deutschlands Gegenwartsgesellschaft prägen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies hat mit rassistischen Formulierungen über Afrikaner für Aufsehen gesorgt. Ein echter Rassist ist der Mann zwar eher nicht, hochbrisant sind aber die Dynamiken, die sein Vorschlag zur Bekämpfung des Klimawandels ausgelöst hat. Man solle ein paar Kraftwerke in Afrika bauen, damit die Einwohner dieses Kontinents aufhörten, im Dunkeln Kinder zu produzieren, hatte er angeregt.

          Es geht um die Frage, ob solche diskriminierenden Gedanken immer mehr auch in der Mitte einer großen Gemeinschaft – in diesem Fall Schalke 04 – auf Akzeptanz oder sogar Zustimmung treffen. Ob Leute, die sich über solche Aussagen empören, übersensibel reagieren. Und um die Frage, wie der Umgang mit solchen Vorgängen Gruppen in Lager aufspalten kann, die sich zunehmend unversöhnlich gegenüberstehen. „Auf“ Schalke brechen derzeit jedenfalls tiefe Gräben auf. Susanne Franke von der Schalker Fan-Initiative bezeichnet die zurückliegenden Tage als „Standortbestimmung“, der Klub lernt sich gerade selbst neu kennen.

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