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Bayern in der Champions League : Vom Pfau zum Teamworker

  • -Aktualisiert am

Komm in meine Arme! Thiago (l.) jubelt gemeinsam mit Robben Bild: dpa

Nach dem Wechsel von Guardiola zu Ancelotti schien die Zukunft von Thiago beim FC Bayern ungewiss. Doch eine Änderung im Stil der Münchner beflügelt den Mittelfeldspieler.

          Carlo Ancelotti wird nicht müde, Pep Guardiola in den höchsten Tönen zu loben, jenen Trainer, der noch immer ein bisschen über dem FC Bayern schwebt und damit auch über seinem Nachfolger. Es ist wohl seine eigene Art, den ständigen Vergleichen zu begegnen. Aber es gibt ja auch tatsächlich Dinge, bei denen Ancelotti wie Guardiola tickt. Zum Beispiel, wenn es um Thiago Alcántara geht. Der ist eine feste Größe, genaugenommen die einzige im Zentrum der Münchner und damit ausgenommen von der Rotation. Von den dreizehn Pflichtspielen, die der FC Bayern seit Ende August bestritt, ließ ihn der Italiener nur einmal auf der Bank.

          Obwohl Thiago in den beiden Partien gegen Augsburg 90 Minuten auf dem Platz stand, wird er wohl auch an diesem Dienstag (20.45 Uhr / live auf Sky und im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) im vierten Gruppenspiel der Champions League bei der PSV Eindhoven nicht fehlen. Mit einem Sieg wäre den Bayern der Einzug ins Achtelfinale kaum mehr zu nehmen. Aber das allein genügt ihnen nicht. „Es wäre schön, wenn wir noch ein Endspiel um den Gruppensieg in München hinkriegen würden“, sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge mit Blick auf die letzte Vorrundenpartie gegen Atlético Madrid im Dezember.

          Die Last der Wertschätzung

          Thiago ist einer von Ancelottis Schlüsselspielern, und das überrascht wenig. Denn er ist das, was man als Guardiola-Spieler bezeichnet. Die Worte „Thiago oder nix“, mit denen der frühere Bayern-Trainer einst den Transfer des Spaniers für rund 25 Millionen Euro vom FC Barcelona forciert hatte, sind längst Kult in München. Aber die Last, die Guardiolas Wertschätzung mit sich brachte, wog schwer auf dessen nicht allzu breiten Schultern.

          Der in der Fußball-Schule des FC Barcelona ausgebildete Sohn einer spanischen Volleyballspielerin und des brasilianischen Fußballer-Weltmeisters von 1994, Mazinho, schaffte es nie ganz, das Versprechen, mit dem er nach München gekommen war, unter Guardiola einzulösen. In den drei Jahren war er oft verletzt, zuverlässig planen mit ihm konnte der Trainer erst in der vergangenen Rückrunde, aber da blitzte viel zu selten seine Genialität auf.

          Die Zukunft des 25 Jahre alten Mittelfeldspielers in München schien nach dem Trainerwechsel ungewiss. Schließlich ist Ancelotti das schnörkellose Spiel lieber als die unendlichen Ballstafetten seines Vorgängers. Allerdings zwängt der Italiener seine Mannschaft nicht in ein Korsett wie Guardiola, und das wiederum beflügelt Fußballkünstler wie Thiago. „Er ist ein großer Trainer“, sagt er über Ancelotti, „der uns Selbstbewusstsein und Ruhe gibt.“ Und ein paar Freiheiten, die Thiago gerne angenommen hat.

          Thiago hat sich schnell von seinem Mentor emanzipiert, spielt auf einem hohen Niveau. Von einem Anpassungsprozess will Thiago nicht sprechen. „Ich habe meinen Stil“, sagt er. Aber womöglich hat er etwas anderes verändert. In Barcelona haben ihn die Fans manchmal ausgepfiffen, wenn er einen Hackentrick zu viel gemacht hat, den Spielfluss unterbrach und sich damit über dass Kollektiv stellte. „Pfau“ schimpften sie ihn. Zuletzt bezeichnete sich Thiago als „Teamworker“, der alles dafür tue, dass die Mannschaft gewinne. Er ist sich nicht zu schade, den Gegenspieler hartnäckig zu bekämpfen, und gehört meist zu den lauf- und zweikampfstärksten Münchnern. Vielleicht ist dies das Resultat eines Reifeprozesses – oder Ancelotti ist es gelungen, dem verspielten Thiago die Bedeutung des Wortes Teamgeist nahezubringen.

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