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Mainz 05 nach Pokal-Aus : Schuld ist nicht das Schicksal

Hausgemachte Probleme: Mainz 05 schwächt und schlägt sich selbst in Augsburg. Bild: dpa

Mainz 05 setzt in Augsburg die Negativserie fort. Doch das Pokal-Aus ist nicht der einzige Grund für Ärger. Drei Spieler waren verspätet zur Mannschaftsbesprechung erschienen.

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          Die Worte, die Sandro Schwarz sprach, waren eindeutig. Der Trainer von Mainz 05 war verärgert. Nicht nur über die unnötige 2:3-Niederlage nach Verlängerung beim FC Augsburg, die den Mainzern mal wieder ein zu frühes Ende der Träume im DFB-Pokal schon in Runde zwei bescherte. Der 40 Jahre alte Trainer des Fußball-Bundesligavereins war vor allem sauer auf drei seiner Spieler, die ihm einen Strich durch die geplante Startaufstellung gemacht hatten. Schwarz war ohnehin wegen Pokalsperren von Moussa Niakhaté und Danny Latza sowie aus Rücksicht auf die dritte Prüfung in der Englischen Woche gegen Werder Bremen am Sonntag zu einer gewissen Rotation gezwungen. „Dass ich die Startelf auf acht Positionen geändert habe, hatte in einigen Fällen sportliche, in anderen aber auch disziplinarische Gründe. Drei Spieler waren zu spät zur Mannschaftsbesprechung gekommen. Die konnte ich dann nicht aufstellen“, sagte Schwarz.

          Um welche Spieler es sich dabei handelte, wollte er nicht verraten, und auch Sportvorstand Rouven Schröder ließ dies am Mittwoch auf Nachfrage offen. In Frage kommen gleich sechs Spieler, die aus der Startelf des Spiels gegen Bayern München auf die Ersatzbank rotiert wurden: Neben Stammtorhüter Florian Müller, der ein Versäumnis auf Nachfrage abstritt, fanden sich dort die zuletzt vom Anpfiff weg aufgebotenen Aaron, Jean-Paul Boetius, Pierre Kunde, Jean-Philippe Mateta und Levin Öztunali. Der „Kicker“ nannte am Mittwoch die drei Neuzugänge Aaron, Boetius und Kunde als Übeltäter.

          Schwarz schätzt Werte wie Pünktlichkeit

          Die disziplinarische Verfehlung der Spieler, von denen Boetius und Kunde später eingewechselt wurden, dürfte Schwarz, der Pünktlichkeit als Sache des Respekts und Anstands und für einen unerlässlichen Wert im Zusammenwirken einer Mannschaft erachtet, besonders ärgern. Er hatte sich gerade in den vergangenen Wochen, beispielsweise bei der Mitgliederversammlung, noch lobend über den Geist und den Eifer seiner Spieler geäußert und seine Freude an der Arbeit mit ihnen zum Ausdruck gebracht. Rouven Schröder ließ am Mittwoch wissen, dass der Vorfall intern abgehandelt werde und die drei Spieler mit einer Geldstrafe bedacht würden. Weitere Konsequenzen wie eine vorübergehende Suspendierung stünden nicht zur Debatte.

          Gerade vor dem Hintergrund des bei Mainz 05 unüblichen Vorfalls wäre ein Erfolg in Augsburg vermutlich besonders wertvoll gewesen. Schwarz nahm schließlich in Kauf, mit einer gegenüber dem jüngsten Bundesligaspiel auf acht Positionen veränderten Startelf aufzulaufen und auf eine gewisse Qualität freiwillig zu verzichten. Das Team aber funktionierte in ungewohnter Formation gut, die Mainzer spielten eine starke erste Halbzeit, an der nach 45 Minuten lediglich die zu geringe Höhe des Vorsprungs bei einer 2:1-Führung nach einem Abstauber von Mwene und einem 17-Meter-Schuss von Quaison störte. Ein Erreichen des Achtelfinals hätte nicht nur die Negativserie von zuletzt sechs Bundesligaspielen ohne Sieg unterbrochen.

          Ein Erfolg hätte auch zusätzliche Dynamik in den Konkurrenzkampf im Team gebracht. Trainer Schwarz wollte freilich auch so die positiven Seiten des Auftritts in den Vordergrund stellen. „Die Leistung passt nicht zum Ergebnis“, sagte er. So ähnlich reden die Verantwortlichen bei Mainz 05 seit Wochen, und sie sollten aufpassen, dass sie sich die Lage nicht allzu schön reden. Tatsächlich kamen die Mainzer in Augsburg in 120 Minuten auf bemerkenswerte 24 Torschüsse, was Ausweis eines guten Auswärtsauftritts ist. Allerdings lässt die Effizienz zu wünschen übrig, das Team kreierte kaum Großchancen und wäre schlecht beraten, die Niederlage alleine dem Schicksal zuzuschreiben. Denn immer wieder vermeintliches Pech ist letztlich auch eine Sache des Unvermögens. „Wir haben es verpasst, die Konter zu setzen, obwohl Augsburg immer weiter aufgemacht hat“, sagte Kapitän Stefan Bell in einer etwas weitergehenden Analyse. „Wir sind ein Stück weit selbst schuld“, sagte Bells Innenverteidigerkollege Alexander Hack.

          Am Sonntag (18 Uhr) haben die Mainzer im Heimspiel gegen Werder Bremen die nächste Gelegenheit, die Negativserie zu beenden. In den Tagen zuvor dürften die Spieler ihren Trainer in einem etwas anderen Tonfall als zuvor kennen lernen. Zuletzt erst betonte Schwarz, dass er durchaus auch zu Wutanfällen in der Lage sei, wenn es die Situation gebietet. Die Disziplinlosigkeit der Vorstellung in Augsburg dürfte für ihn Anlass sein, die Ansprache an seine Mannschaft bis zum Wochenende zu verändern.

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