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FSV Mainz 05 : Immerhin mal Resonanz

Voller Einsatz: Auf Innenverteidiger Alexander Hack kommt es bei Mainz 05 an im Abstiegskampf. Bild: dpa

Den Mainzer Abwehrspieler Hack schmerzt, dass die Mentalität seiner Mannschaft angezweifelt wird. Das gemeinsame Verfolgen des Spiels des nächsten Gegners sollte nun den Teamgeist beflügeln.

          3 Min.

          Immerhin bekam Alexander Hack in den vergangenen Tagen mal Rückmeldungen. Er war, natürlich unter Wahrung der Hygienevorschriften, in der Mainzer Innenstadt unterwegs und wurde erkannt. Das war für den Abwehrspieler des Fußball-Bundesligaklubs Mainz 05 nicht immer ganz angenehm, weil die kontinuierliche Annäherung an die Abstiegsränge in den vergangenen Spielen nach Ende der Corona-Zwangspause den Fans Sorgen bereitet.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Aber immerhin gab es einmal einen Widerhall aus der Welt da draußen, die für Fußballprofis derzeit so fern erscheint, wenn sie ohne die gewohnte Resonanz in Form von Applaus oder Pfiffen nach Spielen oder Fankontakten am Trainingsplatz ihrem Sport nachgehen.

          Bundesliga

          Nach dem Abpfiff des mit 0:1 verlorenen Heimspiels gegen die TSG Hoffenheim waren sie am Samstag wie schon zuvor nach der 0:5-Heimniederlage gegen RB Leipzig aus dem Innenraum geschlichen, in Gespräche vertieft mit Mitspielern, aber eben nicht beschimpft oder getröstet vom eigenen Anhang. „Das ist ungewohnt“, sagt Hack. „Aber man kriegt das Feedback. Eben nicht nach dem Spiel. Aber in der Stadt, wenn man da erkannt wird. Da kommen die Emotionen raus.“

          Der 26 Jahre alte Innenverteidiger betont, dass er nicht beschimpft oder gar angegangen wurde, sondern dass es eben besorgte Anhänger seien, die Fragen stellen oder auch aufzumuntern versuchen. Die Mainzer haben ihre Fußballer also vielleicht doch noch nicht vergessen und abgeschrieben, wie es manchmal erscheinen mag, wenn man in Fan-Foren schaut. Dort entsteht der Eindruck eines bedrohlichen Desinteresses, das durch die erzwungene Distanz durch die Corona-Krise zu einer schweren Probe für den Verein im Kampf um die Gunst seiner Fans werden könnte. Viele kündigen da recht emotionslos an, ihre Dauerkarte auf keinen Fall verlängern zu wollen, wie auch immer die Corona-Krise weitergehe. Bislang ist es dem Klub in der Ausnahmesituation nicht gelungen, eine Solidaritätswelle auszulösen.

          Gemeinsamer Teamabend beim Eintracht-Spiel

          Vergleichbare Schwierigkeiten dürften die Fußballspieler an allen Bundesligastandorten haben. Und deshalb ist der Begriff der intrinsischen Motivation zum Modewort geworden, das mittlerweile jeder Profi in seinen Wortschatz aufgenommen haben dürfte. Laut Hack stimmt die auch bei Mainz 05 entgegen allen Zweifeln, die von außen ins Team getragen werden. „Es tut weh, die Vorwürfe zur Mentalität zu hören“, sagt er und betont, dass es in seinem Team stimme. Das gemeinsame Verfolgen des 3:0-Siegs des kommenden Gegners Eintracht Frankfurt bei Werder Bremen am Mittwochabend unter Wahrung der Abstandsregeln sollte das Gefüge nun noch einmal festigen. „Es war schön zu sehen, wie die Jungs mitgegangen sind beim Spiel, wie sie diskutiert haben und sich gemeinsam Gedanken zur Eintracht gemacht haben“, sagt Sportvorstand Rouven Schröder, der wie Trainer Beierlorzer ebenfalls anwesend war. „Die Gespräche in der Halbzeit waren super, die Handys sind auch komplett draußen geblieben. Das war einfach ein positiver Abend.

          Hack betonte derweil zusätzlich, dass er den für den Abstiegskampf gebotenen Geist im Team spüre. „Wir sind geschlossen, wir feuern uns im Spiel gegenseitig an, was ja jetzt besser geht bei der Stille im Stadion. Es gibt doch nichts Geileres für einen Fußballer, als wenn er von allen Teamkollegen nach einer guten Aktion gefeiert wird. Sollte dennoch einer da noch Probleme haben, wird es schleunigst Zeit, alles rauszuhauen, was man hat.“

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          Hack ist dabei einer der Spieler, die bezüglich Einsatz und Leidenschaft über jeden Zweifel erhaben scheinen. Auf der anderen Seite war er am Samstag gleich an zwei Szenen beteiligt, in denen die Mainzer Defizite sichtbar wurden. Bei der Szene, die zum von Schlussmann Florian Müller abgewehrten Elfmeter führte, und beim Gegentor verhielt er sich ungeschickt. An Hack dürfte trotzdem in den verbleibenden Spielen kein Weg vorbeiführen. Bei 63 Bundesligaspielen gehört er im jungen und wenig bundesligaerfahrenen Mainzer Kader zu den Routiniers. Und auf die gilt es zu setzen, wenn man einer Statistik des Instituts für Spielanalyse Glauben schenken will: Die Wissenschaftler stellen fest, dass nach der Corona-Pause Erfahrung stärker als noch vor der Zwangspause ein entscheidender Erfolgsfaktor ist.

          Mehr Erfahrung?

          Das beste Beispiel ist Hertha BSC, wo Trainer Bruno Labbadia auf zuvor ins Abseits beförderte Akteure ohne vermeintlichen „Mehrwert“ zurückgegriffen hat. Die Erfahrenen zahlten ihm das Vertrauen mit drei Siegen und einem Unentschieden zurück und beförderten die Hertha aus der Abstiegszone in sichere Gefilde. Dieses Ziel ist auch für Alexander Hack und seine Mainzer, die bei einem Wert von durchschnittlich nur 584 Bundesligaspielen in der Startelf lediglich die Aufsteiger Paderborn (136) und Düsseldorf (462) sowie Köln (518) hinter sich lassen, noch lange nicht unerreichbar.

          „Wir haben weiter alles in unserer Hand und genug Spiele, um geradezubiegen, was wir versäumt haben“, sagt er. Die Mainzer sollten im eigenen Interesse nur alsbald damit anfangen. Aus ihrer Sicht am besten am Samstag (15:30 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und Sky)in Frankfurt. Mit Daniel Brosinski kehrt dann immerhin der bei 185 Einsätzen bundesligaerfahrenste Akteur im Kader ins Team zurück.

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