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Mainz 05 : Furchterregende Ruhe

In Not: Mainz 05 und Trainer Achim Beierlorzer benötigen eine Erfolgserlebnis. Bild: dpa

Mainz 05 kommt nicht in den Modus eines Abstiegskampfs auf rheinhessische Art. Die Corona-Krise erschwert die Bemühungen. Das Spiel in Frankfurt muss das Team aus sich heraus angehen.

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          Die Deutsche Fußball-Liga hat eine gewisse Vorliebe dafür, das Nachbarschaftsduell zwischen der Eintracht und Mainz 05 kurz vor Saisonende zu terminieren. Zum neunten Mal in nun zwölf gemeinsamen Bundesliga-Jahren treffen sich die Teams nach einem 29. Spieltag, wenn absehbar ist, wer noch dringend Punkte benötigt fürs Erreichen des jeweiligen Ziels. Die Terminierungspolitik zeigt, dass die Rivalität als nicht so dramatisch eingeschätzt wird, dass man durch eine Ansetzung zu weniger entscheidenden Zeitpunkten Brisanz aus den Partien nehmen müsste.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Und so kam es in der Vergangenheit zwangsläufig zu Spielen wie an diesem 30. Spieltag, in denen einer der beiden Nachbarn so dringend Punkte brauchte für den Klassenverbleib wie nun vor allem Mainz 05. 2006 half ein Unentschieden an einem 30. Spieltag beiden abstiegsbedrohten Klubs so viel weiter, dass es am Ende für Hessen wie Rheinhessen reichte. 2011 beförderten die Mainzer die Eintracht im vorletzten Bundesliga-Heimspiel in der Geschichte des alten Bruchwegstadions mit einem demütigenden 3:0-Erfolg so heftig an den Rand zum Abgrund, dass Christoph Daum und sein Team am Ende abstiegen. 2016 überließen für die Europa League qualifizierte Mainzer einer auf Tabellenplatz 17 arg gefährdeten Eintracht am 31. Spieltag recht kampflos drei wichtige Punkte, Trainer Niko Kovac rettete sein Team auch deshalb am Ende über die Relegation.

          Bundesliga

          Die Mainzer bewahrten sich wiederum im Jahr darauf, 2017, nach 0:2-Rückstand durch einen 4:2-Erfolg am vorletzten Spieltag noch vor dem Gang in die Relegation. In der Vorsaison schließlich nahm die Beziehung eine besondere Form an: Der kleine Nachbar schien der vom Siegeszug durch Europa ermatteten Eintracht zunächst am vorletzten Spieltag die Europa League zu verderben durch einen Auswärtssieg in Frankfurt, ehe er dem Rivalen die abermalige Qualifikation am letzten Spieltag durch einen Sieg gegen dessen Konkurrenten TSG Hoffenheim sicherte. Zum Dank schickte die Eintracht später Äppler an den Rhein.

          Schwierige Mobilisierung in Corona-Zeiten

          Auf eine abermalige Nachbarschaftshilfe wollen sich die Mainzer nun freilich nicht verlassen. Die Erinnerung an die letzten, gewonnenen Duelle soll aber nach Worten von Trainer Achim Beierlorzer, der im Dezember seine Heimpremiere als neuer 05-Trainer mit einem 2:1-Sieg gegen die Eintracht gekrönt hatte, ein wenig helfen. „Unerheblich sind die Statistiken nicht. Weil es ein positives Gefühl gibt“, sagt Beierlorzer.

          Der 52 Jahre alte Trainer braucht ein Erfolgserlebnis, damit in Mainz nicht endgültig Panik und womöglich eine Trainerdiskussion ausbrechen vor einem Saisonfinale, für das der Klub auch wegen der besonderen Umstände durch die Corona-Krise nicht wirklich gewappnet scheint. Während in früheren Krisenjahren ein Zusammenrücken initiiert wurde durch den in solchen Ausnahmesituationen besonders einfallsreichen früheren Manager Christian Heidel oder vor drei Jahren durch eine von den Mainzer Ultras initiierte Videobotschaft der Klublegende Jürgen Klopp, so ist es bislang furchterregend ruhig.

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          Die Einschränkungen der Corona-Krise behindern dabei die Mobilisierung eines wie auch immer gearteten Rückhalts. Das „social distancing“ hat die Anhänger zudem offenkundig weiter von ihrem Verein entfremdet, wenn man Diskussionen in manchen Fanklubs verfolgt. Auch die aktive Fanszene hat bislang keine zündende Idee für eine womöglich virtuelle Unterstützung entwickelt. Dazu passt, dass das Mainzer Stadion weiterhin frei von Transparenten der Fanklubs ist, nachdem der Verein aufgrund geringen Interesses von Fanklubs gänzlich auf die Dekoration der Tribünen verzichtete.

          Sportvorstand Rouven Schröder verweist derweil darauf, dass es in dieser merkwürdigen Situation umso mehr darauf ankomme, dass die Mannschaft sich auf die eigene Situation konzentriere. Als Tabellen-Fünfzehnter habe sie noch immer alles in der eigenen Hand. „Es wird ja nur nach unten geschaut auf Düsseldorf und Bremen. Ich habe aber auch die Teams über uns im Blick wie Union Berlin oder FC Augsburg, die nur drei Punkte entfernt sind. Mich interessiert nur unser Restprogramm. Das können wir beeinflussen, das ist das Entscheidende.“

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