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Hannover 96 : Kinds Baby

  • -Aktualisiert am

Alles hört auf sein Kommando: So hätte Martin Kind es jedenfalls gerne. Bild: dpa

Hannover 96 kommt dem Wunschbild seines großen Meisters Martin Kind immer näher. Mit 50+1 soll Schluss sein. Doch auch die Opposition lässt nicht locker.

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          Zwischendurch wurde sogar auch mal gelacht. Aus Hannover 96 soll, das war wohl der Kalauer des Tages, kein von fremden Geldgebern gesteuerter FC Peking werden. Es war bestimmt hilfreich, dass ein wenig Gelächter jene harten Fakten garnierte, mit denen Martin Kind jetzt an die Öffentlichkeit gegangen ist. Der Mäzen, Hauptgesellschafter, Präsident und mehrfache Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten setzt seinen Kurs zielstrebig fort – und macht sich damit nicht nur Freunde.

          Dass die über Jahre von ihm vorbereitete Trennung zwischen Sportverein und Profiklub in Kürze noch endgültiger wird, verdirbt die Stimmung. „Mit Protest müssen wir leben. Aber ich hoffe, dass unsere Kritiker mit Vernunft nachdenken“, sagt Kind, der Hannover 96 schon seit 20 Jahren auf seine Art anführt. Der große Boss des Vereins setzt sich mit einer erstaunlich hartnäckigen Opposition auseinander, die ihm misstraut und ihn anfeindet. Vor allem die Interessengemeinschaft Pro Verein 1896 wird nicht müde, Argumente zu sammeln. Ihre Anhänger sind sich sicher, dass Kind bei grundlegenden Themen auch künftig vom Votum der Mitglieder und deren Zustimmung abhängig ist.

          Hannover 96 Fans protestieren gegen die geplante Übernahme von Martin Kind.

          Kind dagegen wertet die Beschlüsse einer turbulenten Mitgliederversammlung im April so, dass er die breite Basis nur noch informieren und nicht mehr anhören muss. Eine solche Gemengelage führt dazu, dass sich die Fronten immer weiter verhärten. Am Montagabend, als Vorstand und Aufsichtsrat von Hannover 96 über die strategische Zukunftsplanung des Vereins gesprochen und entschieden haben, demonstrierten rund 500 Anhänger gegen den Kurs von Kind. Der Stammverein wird, so will es jedenfalls dessen Chef, seine Gesellschafteranteile an der Hannover 96 Management GmbH an Kind verkaufen. Ein echtes Regulativ zu seinem Wirken wäre damit – von den üblichen, ihm eher wohlgesinnten Gremien abgesehen – nicht mehr existent.

          Die Opposition in Hannover beweist einen ziemlich langen Atem und will sich nicht unterkriegen lassen. Sie hat den Ehrenrat um Unterstützung gebeten. Die ersten Drohungen, vor ordentliche Gerichte zu ziehen, sind bereits im Umlauf. Zu klären ist vor allem die Frage, ob Kind bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) wirklich seinen Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel plazieren darf – und das im Alleingang ohne Votum der Mitglieder. Der Funktionär ist fest entschlossen, seinen schon vor Jahren eingeschlagenen Weg zu Ende zu gehen.

          Der Stammverein Hannover 96, Kind selbst und die für den Spielbetrieb maßgebliche Hannover 96 GmbH & Co. KGaA werden gemeinsam bei der DFL vorstellig. Sie wollen einen ähnlichen Status wie der VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen und die TSG Hoffenheim, für die im Balanceakt zwischen Verein und Investor eine eigene Regel gilt. Das sieht Kind als Wettbewerbsvorteil, der verschwinden soll. Und der erfolgreiche Unternehmer will, wenn es um grundlegende und millionenschwere Investitionen geht, den Vertretern der Kapitalseite die Entscheidungshoheit zugestehen. Genau die hat bisher die 50+1-Regel zugunsten der Vereine nicht zugelassen.

          Die Tücke von Hannover 96 und mit Kind bleibt: Es ist in den vergangenen Jahren nicht gelungen, komplexe Strukturen so transparent zu machen, dass die breite Öffentlichkeit das Vorgehen der Vereinsführung begreift. Das von ihm geschaffene Konglomerat aus Firmen lässt sich für Laien nur noch mit Hilfe von Schaubildern und Tortengrafiken erklären. „Wir wissen, dass wir bei der Kommunikation Fehler gemacht haben“, sagt Kind und spricht von Wissensdefiziten, die auf Fanseite hätten behoben werden müssen.

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          Immerhin ist dank seiner Worte auf einer Pressekonferenz jetzt sicher: Kind wird sein Regiment voraussichtlich noch zwei Jahre fortsetzen und Strukturen nach seinem Gusto festigen. Er sichert zu, dass der Verein nicht mal eben so an externe Investoren verkauft und nach ihren Wünschen werbewirksam umbenannt werden kann. Andererseits ist noch einmal manifestiert worden, wer auf lange Sicht das Sagen bei den Niedersachsen hat.

          Bei der Bestellung der für den Profisport zuständigen Geschäftsführung behält der Stammverein künftig zwar ein Mitspracherecht. Sollte sich bei wichtigen Entscheidungen keine Mehrheit finden lassen, gilt das Wort des großen Meisters. „Ich habe gewisse Emotionen für diesen Verein und die Stadt entwickelt“, sagt Kind. Er beteuert, ausschließlich zum Wohl von Hannover 96 zu handeln.

          Die latente Sorge, dass der Saisonstart durch vereinsinterne Querelen überlagert bleibt, nimmt die Vereinsführung in Kauf. „Hier geht es nicht um Einzelne, sondern um Hannover 96 und die Konkurrenzfähigkeit des Vereins“, findet Sportdirektor Horst Heldt. Er freut sich auf die Option, dass sein Arbeitgeber künftig mutiger auf potentielle Investoren zugehen und ihnen einen aus ihrer Sicht angemessenen Einfluss zusichern kann.

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