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Bayern gegen Dortmund : Ein bisschen Brisanz

Mehr Brisanz am Spielfeldrand als auf dem Rasen im Vorjahr: Das Duell Klopp gegen Sammer Bild: picture alliance / M.i.S.-Sportp

Sportlich geht es im Spiel zwischen Bayern München und Borussia Dortmund um die „goldene Ananas“. Feuer kommt nur durch die gestörte Beziehung zwischen den Verantwortlichen ins Duell.

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          Es ist eine Krux mit den Top-Duellen der Bundesliga. Fußball-Europa schwärmt nach den Viertelfinals der Champions League von den beiden deutschen Spitzenteams. Auch Bayern-Trainer Pep Guardiola tat das. Er war nicht nur angetan von der eigenen Elf, die Manchester United besiegte, sondern auch vom Gegner an diesem Samstag, der gegen Real Madrid unglücklich ausschied. „Ich habe begriffen, wie gut Borussia Dortmund ist“, sagte er. „Ich habe sie gegen Real gesehen, sie haben unglaublich gespielt.“

          Und doch ist diesmal kaum Vorfreude spürbar auf die Begegnung zweier Mannschaften, die an großen Tagen den aufregendsten Fußball der Welt spielen. Wie im Vorjahr findet das zweite Saisonduell (Samstag, 18.30 Uhr / live in Sky und F.A.Z.-Liveticker) der beiden besten Teams der Bundesliga an einem Termin statt, an dem die Meisterschaft längst entschieden ist. Vor genau zwei Jahren, ebenfalls am 30. Spieltag, war das zuletzt anders. Damals entschied der 1:0-Heimsieg der Dortmunder die Meisterschaft – eine Partie, die wochenlang das Land elektrisiert hatte und bis zur letzten Minute faszinierte.

          Pokalspiele im Kopf

          Nun aber ist für beide das folgende Spiel wichtiger. Beide haben Champions-League-Spiele in den Beinen und Pokalspiele im Kopf, die sie gewinnen müssen, um sich am 17. Mai in Berlin wiederzutreffen. Deshalb dürften an diesem Samstag Teams mit deutlich reduzierter Intensität und Qualität auf dem Platz stehen.

          „Ein bisschen Brisanz“ erwartet dennoch Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Dafür sorgten die Führungskräfte beider Lager mit ihrem bis ins Persönliche zugespitzten Wortgefecht um das Darlehen, das 2004 der FC Bayern den damals klammen Dortmundern gewährt hatte. Bisher verlief die Rivalität, seit die gerettete Borussia 2010 zum Bayern-Rivalen aufstieg, betont provokationsfrei. Dafür, dass sich das nun geändert hat, bietet Borussia-Geschäftsführer Hans-Joachim die These an, man sei „den Bayern zu nahe gekommen“. Sehr plausibel klingt das nicht, schließlich war der BVB dem FCB schon mal deutlich näher als jetzt. Auslöser des jüngsten Gefechts war vielmehr Watzkes (inzwischen von ihm selbst korrigierte) Behauptung, das Bayern-Darlehen sei nicht zinslos, sondern mit acht Prozent zu verzinsen gewesen.

          Hopfner bringt die Schärfe rein

          Die Schärfe in die Sache kam dann allerdings aus München, wo der designierte Präsident Karl Hopfner einen Vergleich Watzkes mit dem Lügen-Baron Münchhausen ablehnte, weil damit „dem Herrn Watzke noch geschmeichelt“ sei. Worauf Watzke noch eins drauflegte und „mit Blick auf die Vita der handelnden Personen“ erklärte, bei den Dortmunder Verantwortlichen bestehe „im Vergleich mit denen des FC Bayern München“ kein Glaubwürdigkeitsdefizit.

          So hat sich alles etwas ungut verdreht vor diesem Bundesliga-Gipfel. Hoffen wir also, dass die Friedenspfeife auf der Ehrentribüne geraucht werde statt auf dem Rasen – und sich die Funktionäre wieder dem Niveau ihrer Teams annähern.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

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