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Eklat in der Bundesliga : Spielabbruch in Bochum nach Wurf eines Bechers

  • Aktualisiert am

Das Schiedsrichtergespann verlässt während des Spiels das Spielfeld, nachdem der Linienrichter einen Gegenstand an den Kopf bekommen hatte. Bild: dpa

Das Bundesligaspiel zwischen Bochum und Gladbach dauerte nur 68 Minuten. Nach einem Becherwurf an den Kopf des Schiedsrichter-Assistenten wurde die Partie abgebrochen. Schiedsrichter Benjamin Cortus sagt, das sei unvermeidbar gewesen.

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          Eklat in der Fußball-Bundesliga: Wegen eines Becherwurfs ist am Freitagabend die Partie zwischen dem VfL Bochum und Borussia Mönchengladbach abgebrochen worden. In der 68. Minute wurde Schiedsrichterassistent Christian Gittelmann von einem Getränkebecher am Kopf getroffen, der von einer Tribüne mit hauptsächlich Bochumer Fans geworfen wurde. Schiedsrichter Benjamin Cortus unterbrach daraufhin sofort die Partie. Später teilte der Stadionsprecher mit, dass die Partie abgebrochen wird. Zu diesem Zeitpunkt stand es 2:0 (0:0) für Gladbach. Nach dem Spielabbruch wurde Gittelmann ins Krankenhaus gebracht: „Unseres Wissen nach ist er zu Untersuchungen ins Krankenhaus gebracht worden. Das Ergebnis liegt noch nicht vor“, sagte Bochums Pressesprecher Jens Fricke am späten Freitagabend im Ruhrstadion.

          Schiedsrichter Benjamin Cortus bezeichnete den Spielabbruch nach Ende der Partie als unvermeidbar bezeichnet. „Bei einem tätlichen Angriff auf einen Spieloffiziellen, in dem Fall den Schiedsrichter-Assistenten, ist ein Spielabbruch einfach alternativlos“, sagte Cortus dem Streamingdienst DAZN. Der Becher habe Gittelmann klar am Kopf getroffen, sagte Cortus. „Er war benommen, ist ins Krankenhaus gebracht worden und wird dort entsprechend untersucht“, sagte der Hauptschiedsrichter. Florian Heft, Cortus' zweiter Assistent, habe Gittelmann ins Krankenhaus begleitet.

          Bundesliga

          „Als erstes können wir uns nur in aller Form entschuldigen für den Vorfall“, sagte Bochums Sportdirektor Sebastian Schindzielorz bei DAZN und bezeichnete den Vorfall als „nicht akzeptabel“. Er wünschte Gittelmann gute Besserung bedauerte die Geschehnisse Vorfall. „Es ist natürlich sehr, sehr schade: Es ist das erste Mal, dass wir wieder vor 25.000 Zuschauern spielen können und das Spiel keinen sportlichen Ausgang findet“, sagte der Sportdirektor.

          „Es macht kein gutes Bild, das muss man ganz klar sagen. Das gehört sich nicht. Es ist einfach ärgerlich, das muss man ganz klar sagen“, erklärte Gladbachs Sportchef Roland Virkus, der Gittelmann auch gute Besserung wünschte. Gittelmann hatte sich immer wieder die schmerzende Stelle am Kopf gerieben. Das Schiedsrichter-Gespann zog sich in die Katakomben des Stadions zurück. Es folgten kurz darauf auch die Gladbacher Spieler. Die Bochumer um Torhüter Manuel Riemann gingen zu den Anhängern und versuchten, energisch auf sie einzuwirken. Dann verließen auch sie das Spielfeld.

          „Ihr schadet euch und dem Klub“

          Mit Durchsagen hatte der Stadionsprecher schon zuvor immer wieder darauf hingewiesen, dass die Zuschauer das Werfen von Gegenständen unterlassen sollten. Es wirkte nicht. „Ihr schadet nicht nur euch, ihr schadet anderen und ihr schadet unserem Klub“, sagte der Stadionsprecher. Zunächst sangen die Fans beider Vereine noch, je länger die Unterbrechung dauerte, desto stiller wurde es im Stadion.

          Vor 25.000 Zuschauern im Ruhrstadion hatten Alassane Pléa in der 55. Minute und Breel Embolo (61.) die Tore für die Gäste erzielt. Als der Abbruch feststand, gingen die Gladbacher zu ihren Fans in die Gästekurve und verabschiedeten sich mit Applaus von ihren Anhängern, ehe sie wieder in ihre Kabine gingen.

          Schon vor dem Anpfiff hatte das Spiel für ein Kuriosum gesorgt: Beide Teams wurden von ihren Ko-Trainern gecoacht. Gladbachs Trainer Adi Hütter und sein Bochumer Kollege Thomas Reis fehlten wegen Corona-Infektionen. Hütter wurde an der Seitenlinie von Christian Peintinger vertreten, bei den Bochumern war Markus Gellhaus verantwortlich.

          Beide Assistenztrainer mussten auch bei ihren Aufstellungen coronabedingt umstellen. Die Innenverteidiger Nico Elvedi und Marvin Friedrich sowie Offensivspieler Patrick Herrmann fehlten bei den Gladbachern, beim Gastgeber konnten Cristian Gamboa, Stürmer Milos Pantovic und Mittelfeldspieler Robert Tesche wegen positiver Tests nicht mitwirken.

          Die Borussia hatte zuletzt im Kampf gegen den Abstieg einen wichtigen 2:0-Heimsieg über Hertha BSC gefeiert. Allerdings begann die Borussia fahrig und produzierte durch ungenaues Spiel zu viele Fehlpässe, um die Bochumer unter Druck zu setzen. Vielmehr entwickelte sich ein Kampfspiel, in dem sich beide Teams an Intensität und Einsatz nichts schenkten. Torszenen blieben selten. Die beste Chance in den ersten 45 Minuten für einen Treffer hatte Bochums Armel Bella-Kotchap (37.), dessen Kopfball Gladbachs Schlussmann Yann Sommer mit einem tollen Reflex parierte.

          Die Gastgeber, die zuletzt mit 1:2 bei Eintracht Frankfurt verloren hatten, starteten mit weiteren Großchance in die zweite Hälfte. Sebastian Polter schoss nach einer scharfen Hereingabe von links aus Nahdistanz aufs Tor, doch wiederum war der Schweizer Sommer mit einer Glanzparade Endstation.

          In der bisweilen hitzigen Partie war es aber die Borussia, die in Führung ging. Nach einer Ecke von Luca Netz ist Plea in der 55. Minute im Strafraum völlig frei und schießt den Ball volley mit der Innenseite ins Bochumer Tor. Nur sechs Minuten später vollendete Embolo einen Konter zum Gladbacher 2:0. Dann kam es zum Eklat: Von der Bochumer Tribune wird ein gefüllter Becher geworfen und trifft Gittelmann am Kopf. Schiedsrichter Benjamin Cortus unterbrach daraufhin sofort die Partie – nach gut einer Viertelstunde wurde das Spiel dann abgebrochen.

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