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3:3 gegen Hoffenheim : Hoeneß ist da, Bayerns Siegesserie ist futsch

Erster Stadionbesuch nach dem Urteil: Uli Hoeneß Bild: AP

Wird der Meister nachlässig? Gegen Hoffenheim geben die Bayern einen Zwei-Tore-Vorsprung aus der Hand. Thiago verletzt sich. Mindestens genauso viel Interesse wie das Spiel erregt Uli Hoeneß.

          2 Min.

          Die Meisterschaft ist seit fünf Tagen sicher – und schon wirkt der bisher unantastbare FC Bayern auch für die Gegner aus der Bundesliga wieder in Reichweite. Zumindest wenn er sich mit erkennbar angezogener Handbremse für die ausstehenden Aufgaben in der Champions League zu schonen versucht wie am Samstag. Mit einer vermutlich völlig anderen Elf als die, die am Dienstag bei Manchester United antreten dürfte (20.45 Uhr/ Sky, RTL und im FAZ.NET-Liveticker), reichte es für die Bayern nach 3:1-Führung nur zu einem 3:3 gegen die TSG Hoffenheim.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Es war das Ende der Serie von 19 Siegen in der Bundesliga. Und das erste Mal seit über drei Jahren, dass die Münchner daheim in der Bundesliga mehr als zwei Tore kassierten. Damals, im Februar 2011, bedeutete das 1:3 gegen Dortmund den Verlust der Meisterschaft – die ihnen nun längst niemand mehr streitig machen kann. Zudem verletzte sich Thiago früh. Der Spanier erlitt eine Knieverletzung. Ihm droht in der WM-Saison das vorzeitige
          Saison-Ende bei den Münchnern. Es besteht der Verdacht auf Teilriss des Innenbandes am linken Knie.

          Vor den Augen des früheren Präsidenten Uli Hoeneß beim ersten Stadionbesuch seit seiner Verurteilung zu dreieinhalb Jahren Haft hatte Anthony Modeste die Hoffenheimer in der 23. Minute in Führung gebracht. Binnen zehn Minuten verwandelten die Bayern den Rückstand in eine 3:1-Führung durch zwei Tore von Claudio Pizarro (31. und 40.) und einen Treffer von Xherdan Shaqiri (34.). Eine Minute vor der Pause brachte Sejad Salihovic die Kraichgauer 3:2 heran. Der verdiente Ausgleich gelang Roberto Firmino nach 75 Minuten. Für den Brasilianer, der seinen Vertrag in Hoffenheim in dieser Woche trotz Angeboten von Top-Klubs aus halb Europa verlängert hat, war es das 14. Saisontor.

          Es wurde das unterhaltsame und torreiche Spiel, das man erwarten durfte von den beiden torhungrigsten Mannschaften der Liga, die zusammen bis Samstag bereits 139 Tore erzielt hatten – und von dem Aufeinandertreffen des besten Angriffs (Bayern mit nun 82 Toren) und der schlechtesten Abwehr (Hoffenheim mit nun 62 Gegentoren). Und da Bayern-Trainer Pep Guardiola mehrere Ersatzspieler wie Contento, van Buyten, Pizarro oder Torwart Tom Starke aufbot, erkannten die Hoffenheimer ihre Chance und suchten sie von Beginn an beherzt. Ihr energisches Pressing verunsicherte die Bayern, die sonst in Top-Besetzung in ihrer großen Ballsicherheit davon kaum zu beeindrucken sind. Nach 23 Minuten war ihr Torwart Starke plötzlich ganz allein mit Modeste, der erst aus 16 Metern schoss und dann den von Starke abgeprallten Ball aus kurzer Entfernung über die Linie drückte.

          Wer braucht schon Spielpraxis? Claudia Pizarro trifft auch ohne auf Anhieb
          Wer braucht schon Spielpraxis? Claudia Pizarro trifft auch ohne auf Anhieb : Bild: AP

          Dann begannen die großen zehn Minuten des Claudio Pizarro. Während die Hoffenheimer noch in Unterzahl wahren, weil noch kein Ersatz für den inzwischen verletzten Modeste eingewechselt werden konnte, erzielte der Bayern-Veteran das 1:1, indem er eine halbhohe Shaqiri-Flanke per Flugkopfball ins Tor verlängerte. Drei Minuten später ließ der Peruaner eine flache Hereingabe von Rafinha gekonnt in den Lauf von Shaqiri prallen, und der Schweizer traf zum 2:1. Nach vierzig Minuten startete der 35-jährige Pizarro einen Hochgeschwindigkeits-Konter mit Ribéry, den er nach einem Fünfzig-Meter-Spurt abschloss und zum 3:1 traf. Doch eine Minute vor der Halbzeitpause schöpften die niedergeschlagen wirkenden Hoffenheimer wieder Mut. Ihr Spezialist für scharf geschlagene Standards, Salihovic, zirkelte einen Freistoß aus 25 Metern wuchtig und präzise zum Anschlusstreffer in den Torwinkel.

          Jubel vor der Meisterschale: eine seltene Ehre für die TSG Hoffenheim
          Jubel vor der Meisterschale: eine seltene Ehre für die TSG Hoffenheim : Bild: AFP

          Nach der Pause spielten die Kraichgauer wieder mutig nach vorn. Doch ihre Torabschlüsse waren meist zu hektisch und ungenau – bis in der 75. Minute Firmino Torwart Starke mit einem Flachschuss überwand. Die Hoffenheimer drängten sogar auf den Siegtreffer. Doch am nächsten kam ihm der eingewechselte Bayern-Flügelstar Arjen Robben, der völlig frei in der 87. Minute am glänzend reagierenden Torwart Grahl scheiterte. In der 90. Minute verhinderte auf der Gegenseite Starke mit einer starken Parade gegen einen Schuss von Sebastian Rudy die erste Bayern-Niederlage seit 53 Spielen. Doch ganz so unschlagbar sehen die Münchner seit Samstag nicht mehr aus.

          Bayern München - 1899 Hoffenheim 3:3 (3:2)

          Bayern München: Starke - Rafinha, van Buyten, Dante, Contento - Thiago (25. Lahm), Schweinsteiger - Shaqiri, Götze (46. Mandzukic), Ribéry (76. Robben) - Pizarro
          1899 Hoffenheim: Grahl - Johnson, Strobl, Vestergaard, Beck - Rudy, Polanski, Salihovic (60. Herdling) - Roberto Firmino - Volland (89. Karaman), Modeste (32. Elyounoussi)
          Schiedsrichter: Dingert (Lebecksmühle)
          Zuschauer: 71.000 (ausverkauft)
          Tore: 0:1 Modeste (23.), 1:1 Pizarro (31.), 2:1 Shaqiri (34.), 3:1 Pizarro (40.), 3:2 Salihovic (44.), 3:3 Roberto Firmino (75.)
          Gelbe Karten: Schweinsteiger (3) / Roberto Firmino (4), Vestergaard (3)

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