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3:1 gegen Leverkusen : Bayern verschärft die Bayer-Krise

Torschütze für den FC Bayern: Mittelfeldspieler Arjen Robben Bild: EPA

Leverkusen ärgert sich über den historisch schlechten Saisonstart. Die Münchener indes freuen sich über den nächsten Sieg, müssen aber auch zwei Ausfälle verkraften. Präsident Hoeneß tobt und spricht von Vorsatz.

          3 Min.

          Es war ein leichter Aufgalopp, wie ihn der Meister für die ersten drei Akkord-Wochen der Saison gerade brauchen konnte. Mit einem trotz frühem Rückstand nie gefährdeten 3:1-Sieg gegen Bayer Leverkusen hat Bayern München am Samstag die Tabellenführung verteidigt und sich auf den allherbstlichen Arbeitsrhythmus eingestellt.

          Bundesliga
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Im ersten von sieben Spielen binnen 22 Tagen lagen die Bayern durch einen Handelfmeter von Wendell (6. Minute) rasch hinten, wendeten die Partie gegen den neuen Tabellenletzten aber ebenso rasch durch Treffer von Corentin Tolisso (10.) und Arjen Robben (19.), ehe James spät den Endstand besiegelte (89.). „Wir haben den Rückstand schnell egalisieren können. Die schnellen Spieler von Leverkusen haben wir gar nicht ins Spiel kommen lassen. Ich hätte mir gewünscht, dass wir das 3:1 früher machen“, sagte Bayern-Trainer Niko Kovac.

          „Das war geisteskrank“

          Es war erst eine Minute gespielt, da spielten die Leverkusener ihren ersten und bis Schlusspfiff auch letzten nennenswerten Angriff – und mussten fast fünf Minuten warten, bis er zum 0:1 geführt hatte. Kevin Volland ließ im Strafraum Niklas Süle aussteigen, spielte quer, und sein Zuspiel landete am erhobenen Arm des herangrätschenden Thiago – Elfmeter. Nach minutenlangen Diskussionen der Bayern mit Schiedsrichter Welz konnte Volland zur Ausführung antreten – und scheiterte zwei Mal an Torwart Manuel Neuer, erst mit dem schwach geschossenen Elfmeter, dann mit dem Nachschuss aus kurzer Entfernung. Doch weil mehrere Bayern schon vor der Ausführung in den Strafraum gestartet waren, ließ Welz den Strafstoß wiederholen. Diesmal verwandelte Wendell sicher.

          Es war jedoch die letzte Sicherheit, die zu sehen war im Leverkusener Spiel. Wendell selbst leitete den baldigen Ausgleich ein. Am eigenen Strafraum traf er nach einem scheinbar abgewehrten Münchner Angriff unbehindert den Ball nicht richtig, und gegen die nun unsortierte Abwehr nutzte das Tolisso zum 1:1. Später musste der französische Weltmeister wegen einer Knieverletzung gegen James ausgetauscht werden. „Wir haben den dritten Bundesligaspieltag und ich habe das Gefühl, dass wir Freiwild sind“, sagte Kovac zur Verletzung. Bayern-Präsident Uli Hoeneß fand deutlichere Worte: „Das Foul von Bellarabi war geisteskrank!“, schimpfte er, „das war vorsätzliche Körperverletzung. Sowas gehört drei Monate gesperrt – und zwar für Dummheit!“

          Die Bayern waren im Spiel vollends überlegen, benötigten aber für ihre Tore die aktive Mithilfe der passiven Leverkusener. Ein fast schon bemitleidenswertes Beispiel für das Kaninchen-vor-der-Schlange-Syndrom bot nach 19 Minuten der Nationalspieler Jonathan Tah. Nach einem Chip von Joshua Kimmich schien der Ball eine sichere Beute für Lukas Hradecky in seinem ersten Bundesliga-Einsatz im Bayer-Tor – bis Tah kam. Vor seinem fangbereiten Torwart köpfte der kopflose Innenverteidiger den Ball weg, und das genau auf Robben.

          Corentin Tolisso (Mite, liegend) musste auf dem Platz behandelt werden.
          Corentin Tolisso (Mite, liegend) musste auf dem Platz behandelt werden. : Bild: dpa

          Der beschenkte Niederländer fand genug Zeit, Maß zu nehmen und den Ball vom rechten Strafraumeck ins obere linke Toreck zu jagen. Robben wirkte wie aufgedreht, stürmte von rechts Richtung Tor, ignorierte drei mitgelaufene Mitspieler, verfehlte aber diesmal das Ziel (32.). Kurz danach bekam er Szenenapplaus für eine Grätsche gegen Julian Brandt. Nach 63 Minuten gab der Rechtsaußen, nachdem er zwei Verteidiger genarrt hatte, sogar einmal ab. Aber Robert Lewandowski war so überrascht, dass er zu lange für die Ballannahme brauchte.

          „Mit uns rechnet niemand, aber wir können den Bayern weh tun“, hatte Nationalspieler Brandt kühn behauptet. Er blieb dann aber ebenso harmlos wie Offensivkollege Leon Bailey, vergangene Saison noch der stärkste Bayer-Mann. Einmal fiel der Jamaikaner im Zweikampf vor den Füßen von Bayern-Trainer Niko Kovac einfach hin. Er stand auf, griff sich eine der in Kovacs Coaching-Zone stehenden Wasserflaschen und nahm einfach einen Schluck aus der Bayern-Pulle. Es war aber offenbar kein Zaubertrink drin – er spielte genauso weiter wie vorher. Nichts zu sehen von den von seinem Trainer Heiko Herrlich geforderten „Mentalität, Willen und Geilheit, Spiele für sich zu entscheiden“. Falsch verstanden hatte das wohl der für Volland eingewechselte Bellarabi. Sieben Minuten auf dem Platz, trat er Rafinha von hinten um, der verletzt vom Platz humpelte, und musste mit der Roten Karte gleich hinterher. Die Bayern antworteten mit dem 3:1 durch James – und sparten Kräfte für den zweiten Auftritt der Akkordwochen, am Mittwoch in Lissabon.

          Verdacht auf Kreuzbandriss

          Der FC Bayern München wird womöglich monatelang auf Frankreichs Fußball-Weltmeister Corentin Tolisso verzichten müssen. Der 24 Jahre alte Mittelfeldspieler musste am Samstag beim 3:1 des deutschen Meisters in der Bundesliga gegen Bayer Leverkusen nach einem unglücklichen Aktion mit Verdacht auf Kreuzbandriss im rechten Knie vom Platz. „Es wäre schlimm“, sagte Trainer Niko Kovac, wenn sich der Verdacht auf die schwere Blessur bestätigen sollte. Auch Abwehrspieler Rafinha könnte vorerst ausfallen. Der 33-jährige Brasilianer verletzte sich bei einem bösen Foul des Leverkuseners Karim Bellarabi am Fuß. Bellarabi sah die Rote Karte. „Das war nicht nur Rot, das war Doppel-Rot“, sagte Bayern-Coach Niko Kovac. (dpa)

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