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Bastian Schweinsteiger : Ein großes Fragezeichen weniger

Meisterlicher Lautsprecher: Bastian Schweinsteiger Bild: REUTERS

Mit Bastian Schweinsteigers Rückkehr erhalten die Bayern in der entscheidenden Saisonphase eine Extraportion Führungskraft zurück. Das ist auch für das deutsche WM-Projekt eine gute Nachricht.

          3 Min.

          Und noch ein Rekord, ein persönlicher und ganz spezieller diesmal nach der 24. deutschen Meisterschaft des FC Bayern und der siebten Bastian Schweinsteigers: Im noch gar so weit fortgeschrittenen Alter des schon leicht ergrauten Bayern, also in der „U-30“-Liga, hat bisher noch kein Profi sieben deutsche Titel eingesammelt. Und nur Oliver Kahn und Mehmet Scholl liegen in dieser Individual-Meisterschaft überhaupt (noch) einen Titelgewinn vor der grauen Eminenz der Bayern, von dem Trainer Pep Guardiola aber derzeit sagt: „Er wird jeden Tag besser.“

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Ein Schweinsteiger, der immer besser wird, ist eine schöne Aussicht für die Münchner auf dem Weg, ihre Triple-Verteidigung mit Champions League und DFB-Pokal Wirklichkeit werden zu lassen. Aber auch für Joachim Löw und sein WM-Projekt in Brasilien.

          Der Bundestrainer erwies den Bayern am Dienstag im Olympiastadion jedenfalls schon mal die Ehre, und was er da als Münchner Anfangsformation zu sehen bekam, könnte auch schon gut als Grundformation in knapp elf Wochen zum deutschen WM-Auftakt gegen Portugal durchgehen: Neuer, Boateng, Lahm, Schweinsteiger, Müller, Kroos und Götze. Das waren gleich sieben Deutsche auf einen Streich – und Schweinsteiger fiel dabei wie schon in den vergangenen Wochen eine zentrale und ganz auffällige Rolle in diesem auffälligsten Team zu, das der deutsche Fußball zu bieten hat.

          Es war dabei weniger seine schöne Vorarbeit zum Treffer von Götze nach nicht einmal einer Viertelstunde zum 2:0, die ihn für die bayerischen Allesgewinner wertvoll machte, sondern seine Präsenz im Mittelfeld mitsamt natürlicher Autorität, die nun vor allem in der europäischen Königsklasse gegen Manchester United im Viertelfinale gefragt sein dürfte.

          Ein gewohntes Bild: Schweinsteiger darf sich schon wieder Meister nennen
          Ein gewohntes Bild: Schweinsteiger darf sich schon wieder Meister nennen : Bild: REUTERS

          Und dann gegen alle anderen Konkurrenten, die da noch kommen könnten auf dem Weg bis zum Finale am 24. Mai in Lissabon – und am 13. Juli in Rio de Janeiro. „Ich bin froh, dass es jetzt so gut läuft, dass ich mich von Spiel zu Spiel besser fühle und mehr Power geben kann. Nach zwei Sprunggelenkoperationen und auch ein bisschen Knieschmerzen war es ein bisschen anstrengend“, sagte Schweinsteiger nach dem Titelgewinn zufrieden und mit der gebotenen Vorsicht.

          Tatsächlich wirkte er nicht nur in Berlin, sondern auch schon zuletzt in der Bundesliga und der Champions League gut erholt und tatenfroh nach der bisher schwierigsten seiner zahlreichen Verletzungsphasen in bald zwölf Jahren Profikarriere. Vor nicht einmal vierzehn Tagen – bei seinem ersten Einsatz von Beginn an nach vier Monaten Pause – erzielte er beim 2:1-Sieg gegen Leverkusen gleich ein Tor und leistete zum anderen die Vorarbeit.

          „Er wird jeden Tag besser“: Trainer Pep Guardiola (links) lobt seinen Strategen
          „Er wird jeden Tag besser“: Trainer Pep Guardiola (links) lobt seinen Strategen : Bild: dpa

          Und beim zweiten 90-Minuten-Einsatz in Mainz führte er am Wochenende die Bayern mit seinem Führungstreffer in der 82. Minute zum Sieg – dazwischen sorgte er beim 1:1 im Rückspiel der Champions League gegen Arsenal für das einzige Münchner Tor. „Ich bin froh, dass es jetzt gerade sehr gut läuft, und hoffe, dass es bis zur WM anhält und wir noch viele Titel miteinander feiern können“, so Schweinsteiger in Berlin.

          Mit seiner Rückkehr in der entscheidenden Phase der Saison erhalten die Bayern zu ihrer spielerischen und taktischen Exzellenz auch noch eine Extraportion Führungskraft dazu. „Wir Trainer reden viel, aber die Spieler müssen durch ihre Taten sprechen“, sagte Guardiola ganz allgemein nach dem Titelgewinn. Aber was der Trainer für alle seine Spieler verstanden wissen will, gilt für Schweinsteiger noch einmal ein bisschen mehr. Er ist, was die mentale Kraft angeht, schon jetzt wieder eine, wenn nicht die dominierende Figur im Spiel der Bayern.

          Die Ruhe nach dem Sturm: Schweinsteiger bei der Rückkehr nach München am Mittwochmorgen
          Die Ruhe nach dem Sturm: Schweinsteiger bei der Rückkehr nach München am Mittwochmorgen : Bild: dpa

          Joachim Löw wird dies mit einer gewissen Erleichterung zur Kenntnis genommen haben. Wenigstens ein großes Fragezeichen in seinem maladen Mittelfeld scheint damit verschwunden. Oder zumindest erheblich geschrumpft. An ein rechtzeitiges Comeback des Dortmunders Ilkay Gündogan mit seinem hartnäckigen Nervenleiden im Rücken glauben die Verantwortlichen beim Deutschen Fußball-Bund nämlich schon länger nicht mehr ernsthaft, und die ungebrochene Zuversicht, die Sami Khedira über Wochen und Monate verbreitete, den Wettlauf mit der Zeit nach seinem Kreuzbandriss im vergangenen November vor der WM noch zu gewinnen, teilte so zuletzt nicht mal sein Arzt.

          In der vergangenen Woche klang dann auch Khedira etwas zurückhaltender. Sein Ziel sei es zwar weiterhin, bei der WM zu spielen, aber „wenn es nicht klappen sollte, geht für mich die Welt nicht unter“, so der Mittelfeldspieler von Real Madrid im Gespräch mit dem Magazin „11 Freunde“.

          Auch in der Nationalmannschaft gab Schweinsteiger zuletzt wieder den Takt vor
          Auch in der Nationalmannschaft gab Schweinsteiger zuletzt wieder den Takt vor : Bild: AFP

          Mit der Rückkehr Schweinsteigers in die Zentrale des Münchner Spiels und all der Hoffnung, die sich damit verbindet, ist in den vergangenen Wochen ausgerechnet der Kapitän an den Rand gedrückt worden. Nachdem sich der Bundestrainer angesichts Lahms herausragender Vorrunde im defensiven Mittelfeld mit dem Gedanken anfreundete, den DFB-Kapitän auch in der Nationalelf in diese Rolle schlüpfen zu lassen, hat Guardiola dem FCB-Kapitän den Rückwärtsgang verordnet.

          Gegen Arsenal, Mainz und in Berlin spielte Lahm, nachdem Schweinsteiger seine Posten zurück erobert hatte, wieder genau da, wo er als Triple-Sieger herkam: auf dem rechten Verteidiger-Posten. Aber das muss, gerade in den Spielen, wenn die Weltklasse wartet und Schweinsteiger wieder das Mittelfeld bereichert, auch gar kein Nachteil sein – weder für die Bayern noch für die Nationalmannschaft.

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