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Bayern-Star Ribéry : Francks Reich

Vor der Weichenstellung für seine Karriere: Franck Ribéry Bild: dpa

Schon Weltklasse oder nur besonders gut? Bei den Bayern bleiben oder gehen? Monsieur Ribéry, der heute abend im DFB-Pokalspiel beim VfB Stuttgart aus der Winterpause zurückkehrt, macht es spannend.

          Der Fußball spielt verrückt. Die Welt ächzt unter der Wirtschaftskrise, und bei den ersten Superklubs verdichten sich die Anzeichen finanzieller Engpässe, da wedeln die Scheichs vom Golf ungeniert mit dicken Geldbündeln. So ist die Transferperiode durch die Besitzer von Manchester City zur unterhaltsamen Millionenshow geworden, in der eine Handvoll Kicker im Mittelpunkt kuriosester Spekulationen steht. Dass einer von ihnen derzeit bei den Bayern beschäftigt ist, mag den Münchnern gefallen oder sie beunruhigen. Franck Ribéry dagegen wird sich geschmeichelt fühlen, zum Kreis der heißgehandelten Winterfavoriten zu zählen.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Kein anderer Spieler hat in den vergangenen Jahren für so viel Spektakel in der Bundesliga gesorgt wie der 25 Jahre alte Franzose. Ribéry steht bei den nicht gerade durch künstlerische Klasse verwöhnten Besuchern deutscher Stadien für Spielwitz, Rasanz, Unberechenbarkeit, Artistik und fußballerische Freiheit. „Der macht Dinger auf dem Platz, die kann man nicht trainieren“, sagt einer seiner Gegenspieler. Ribérys Kollegen aus der Bundesliga wählten ihn zum Spieler des Jahres - für die Bayern symbolisiert ihr neuer Fußballkönig die Sehnsucht nach einer Rückkehr in die Premiumklasse des europäischen Fußballs.

          Ribéry sieht sich vor dem entscheidenden Sprung

          Die Begeisterungsstürme machen selbst vor einem Dauerskeptiker wie Franz Beckenbauer nicht halt. Der kürte Ribéry unlängst zum besten Spieler der Welt. Bundestrainer Joachim Löw lobte ihn wegen seiner technischen Überlegenheit, die ihn so außergewöhnlich mache. „Das ehrt mich. Das sind in Deutschland ganz wichtige Leute“, sagt Ribéry. Dass er sich im Trainingslager von Dubai eigenmächtig ans Steuer des Mannschaftsbusses setzte und ein Schild vor dem Hotel rasierte, wurde zwar seinem Ruf als einfallsreichster Münchner Spaßvogel seit Sepp Maier gerecht.

          Der Mann für den Glamour: Franck Ribery

          Doch in der Karriere des Franzosen geht es längst um ein viel höheres Ziel, als nur durch frechen Spaßfußball aufzufallen: Ribéry sieht sich vor dem entscheidenden Sprung auf die große Bühne der weltbesten Mittelfeldspieler. Als Beleidigung seines Könnens empfand er deshalb die kürzlich erfolgte Wahl zu „Europas Fußballer des Jahres“, bei der er nicht über einen 16. Platz hinauskam. „Ich war darüber sehr enttäuscht und muss das schnell vergessen. Es bleibt mein Traum, den Goldenen Ball zu gewinnen.“

          Hoeneß will bei 150 Millionen schwach werden

          In München hat der Franzose die Menschen längst von sich überzeugen können. Beim FC Bayern hat er ein kleines Reich geschaffen, in dem er unumstritten regiert. Ribéry ist einer der Chefs auf dem Platz und für die Verantwortlichen des deutschen Rekordmeisters der Schlüssel zum Erfolg im Bemühen um internationalen Anschluss. Er gilt als unverkäuflich. Es war deshalb nur ein Witz, als Bayern-Manager Uli Hoeneß in dieser Woche auf Gerüchte an der Wechselbörse reagierte und sagte, bei einem Kaufangebot von 150 Millionen für Ribéry doch noch schwach zu werden. „Wir lassen uns nicht locken“, stellte Hoeneß klar.

          Am liebsten würde er den bis 2011 datierten Vertrag mit dem Franzosen sofort verlängern und ein Zeichen setzen. Aber Ribéry ist sich seiner guten Position bewusst. Er ist nicht mehr nur der Instinktfußballer und Spaßvogel, sondern inzwischen eine echte Bayern-Diva. Erst brachte er zwei Landsleute (Torwart Frey und Mittelfeldspieler Toulalan) ins Spiel, die dem FC Bayern gut zu Gesicht stehen würden. Dann erweiterte er seine Gedankenspiele und spekulierte, welche anderen Klubs in Europa ihn noch interessieren könnten, um seinem Ziel des besten Spielers Europas vielleicht näher zu kommen. Zu einer möglichen Vertragsverlängerung sagte der Franzose: „Ich bin für alles offen.“ Damit sorgte er in München für Alarmbereitschaft - sind die Bayern nur Zwischenstation?

          Ribéry besteht auf Sonderstatus

          Der Klub setzt ganz darauf, dass sein Dribbelkönig die familiäre Atmosphäre in München zwangsweise braucht, um Hochleistung auf dem Platz zu zeigen - und nicht den kalten Verdrängungswettbewerb bei den Megaklubs in London, Mailand oder Madrid. Ob es für ihn nicht eine besondere Herausforderung wäre, die Riesen Europas mit dem deutschen Branchenführer herauszufordern? „Für einen Spieler zählen große Titel - ob mit Chelsea, Barcelona oder Bayern ist egal“, sagt Ribéry.

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