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Bayern-Reise nach Riad : Rummenigges späte Reue

„Wir sind ein Fußballverein und keine politischen Entscheidungsträger“: Karl-Heinz Rummenigge Bild: dpa

Bayern-Chef Rummenigge räumt Versäumnisse beim Auftritt in Saudi-Arabien ein. Frauenrechte werden nicht explizit erwähnt. VW reagiert indirekt auf die Vorwürfe.

          Der Druck war dann doch zu groß. Der FC Bayern hat nach Tagen des Schweigens am Mittwoch auf seiner Homepage eine Stellungnahme zu seinem Freundschaftsspiel am vergangenen Samstag in Saudi-Arabien abgegeben, das in den vergangenen Tagen für erhebliche Kritik in der Politik, im Sport und in der Öffentlichkeit gesorgt hatte. Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des deutschen Rekordmeisters, räumte in der in seinem Namen unterzeichneten Erklärung Versäumnisse im Umgang mit Menschenrechtsfragen ein.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Der FC Bayern München als Verein verurteilt jede Form von grausamer Bestrafung, die nicht im Einklang mit den Menschenrechten steht, wie im aktuellen Fall mit dem islamkritischen Blogger Raif Badawi. Es wäre besser gewesen, das im Rahmen unseres Spieles in Saudi-Arabien deutlich anzusprechen“, heißt es in der Stellungnahme. Das Spiel des deutschen Rekordmeisters in Riad gegen den Klub Al-Hilal hatte allerdings auch für Empörung gesorgt, weil es saudi-arabischen Frauen, deren Rechte in vielfältiger Weise eingeschränkt werden, unter anderem nicht gestattet ist, Fußballspiele zu besuchen. Die Frauenfrage war Rummenigge in der Erklärung jedoch kein Wort wert - offenbar doch nicht so wichtig.

          In den vergangenen Tagen habe der Klub „diverse kritische Kommentierungen“ zum Spiel in Riad zur Kenntnis genommen, so Rummenigge. In Menschenrechtsfragen habe grundsätzlich die Politik die Richtlinienkompetenz, auch deutsche Spitzenpolitiker reisten demnächst nach Saudi-Arabien. „Wir sind ein Fußballverein und keine politischen Entscheidungsträger, aber natürlich tragen am Ende alle, also auch wir, dafür Verantwortung, dass Menschenrechte eingehalten werden“, teilte der Vorstandsvorsitzende mit.

          Männliche Fans in Saudi-Arabien freuten sich über den Besuch des FC Bayern – in Deutschland aber ruft die Reise heftige Kritik hervor Bilderstrecke

          Der frühere Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, hatte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung dem Klub vorgeworfen, seiner ethischen Verantwortung mit dem Auftritt in Saudi-Arabien nicht gerecht geworden zu sein. „Ich weiß schon länger, dass bei den Bayern Kommerz Ethik schlägt und sich im Zweifel auf die Seite des Geldbeutels gestellt wird. Das ist schade, aber überrascht mich nicht.“ Auch Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in München und Oberbayern, hatte eine klare Haltung des FC Bayern gefordert: „Im Falle dieser Reise hätte man vorab auf die grausamen Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien mit treffsicheren Statements hinweisen können“, hatte die ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt.

          Rummenigge: „Wir machten und machen uns stets für Toleranz stark“

          Frau Knobloch wird am Montag zusammen mit Rummenigge in München die Sonderausstellung „Kicker, Kämpfer und Legenden - Juden im deutschen Fußball und beim FC Bayern München“ in der sogenannten „Erlebniswelt“ des Klubs eröffnen. In einem Teil der Ausstellung geht es auch um Leben und Wirken des früheren Präsidenten Kurt Landauer, der einen Teil seiner Familie in der Nazizeit verlor und selbst das Konzentrationslager Dachau überlebte. Landauer wurde 2013 posthum zum Ehrenpräsidenten des FC Bayern ernannt. „Gerade unser Klub hat sich immer gegen jegliche Diskriminierung, gegen Gewalt und gegen Rassismus bekannt. Und wir machten und machen uns stets für Toleranz stark“, erklärte Rummenigge. „Fußball ist immer auch im Dienste der Völkerverständigung unterwegs, Menschenrechte sind darin ein integrierter Wert.“

          Im Zusammenhang mit dem hochdotierten Auftritt in einem der reaktionärsten islamischen Länder war auch Sponsor Volkswagen in die Kritik geraten. „Volkswagen hat das Trainingslager des FC Bayern München in Qatar als Sponsor unterstützt. Testspiele in diesem Zusammenhang sind üblich“, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit, ob das Bayern-Spiel in Riad im Rahmen vertraglicher Verpflichtungen stattgefunden habe. In Sponsorenverträgen werden Testspiele vertraglich festgelegt, wobei in diesem Fall der VW-Konzern den Vorschlag zum Spiel in Riad gemacht hat, dem der FC Bayern zustimmte. Auf die Frage, wie sich das Engagement von VW als Sponsor dieses Spiels mit den ethischen Grundsätzen des Unternehmens vertrage, wenn es saudi-arabischen Frauen sowohl verboten sei, Fußballspiele zu besuchen als auch selbst Auto zu fahren, antwortete VW mit schönen Worten, aber nur indirekt: „Grundsätzlich gilt: Der Volkswagen Konzern steht für ein friedliches Miteinander der Völker und verwahrt sich gegen jede Art von Diskriminierung, sei es wegen des Geschlechtes, der Abstammung, der Sprache, der Heimat und Herkunft, des Glaubens, der religiösen oder politischen Anschauungen oder der sexuellen Orientierung.“

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