https://www.faz.net/-gtm-9lq9m

Bayern-Präsident Uli Hoeneß : „Platz zwei ist doch kein Desaster“

  • Aktualisiert am

„Wenn ich unzufrieden bin, heißt das noch lange nicht, dass wir den Trainer rausschmeißen“: Uli Hoeneß Bild: dpa

Trotz des 5:0 im Bundesliga-Topspiel gegen Dortmund ist Niko Kovac nicht unumstritten. Nun setzt sich Bayern-Präsident Uli Hoeneß mit deutlichen Worten für seinen Trainer ein – und nimmt ihm den Druck.

          Niko Kovac lässt die Bayern-Stars die triumphale Fußball-Show gegen Borussia Dortmund ausgiebig genießen. Erst am Mittwoch müssen die Münchner Profis wieder auf dem Trainingsplatz antreten. Dann startet Kovac, über dessen Zukunft trotz seines größten Sieges als Trainer des FC Bayern weiterhin spekuliert werden darf, die Vorbereitung auf die nächste Partie gegen Fortuna Düsseldorf. Nachdem es eine Jobgarantie von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nicht gab, durfte sich Kovac am Montag immerhin über wohlwollende Worte des Präsidenten freuen. Das 5:0 gegen den BVB habe „keine Frage offengelassen“, sagte Uli Hoeneß dem „Kicker“.

          Bundesliga
          ANZEIGE

          Der Präsident hatte vor dem Liga-Gipfel gefordert, dass geliefert werden müsse. Hoeneß’ klare Ansage im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur zielte jedoch nicht auf den Trainer, sondern auf die Mannschaft. Hoeneß ist bemüht, Kovac den schwierigen Job als Trainer einer im Umbruch befindlichen Mannschaft nicht noch zu erschweren. „Wie soll ich denn mit jemandem zusammenarbeiten, den ich bei jeder Gelegenheit infrage stelle? In so einem Spannungsfeld, wie unser Trainer in den letzten Wochen gelebt hat, kann man auf Dauer nicht vernünftig arbeiten“, sagte Hoeneß nach dem 5:0 dem „Kicker“.

          Der Vereinspatron sieht eine insgesamt positive Entwicklung seit der großen Herbstkrise, als ihn das Gefühl beschlich, „es ist alles desaströs und es funktioniert gar nichts“. Das war nach dem Tiefpunkt beim 3:3 im Heimspiel gegen Düsseldorf. Gegen die Fortuna eröffnen die Bayern nun am Sonntag den Sechs-Spiele-Endspurt im Fernduell mit dem BVB. Ein Punkt und 15 Tore Vorsprung sind keine Garantie des Tabellenführers auf Titel Nummer sieben am Stück, so meisterlich das Auftreten der Münchner Mannschaft gegen Dortmund auch war.

          „Es fühlt sich super an, aber es ist noch nicht der letzte Spieltag. Die nächsten sechs Spiele werden alle ein ganz harter Fight“, mahnte Thomas Müller. Für Teamkollege Joshua Kimmich ist alles „Kopfsache“. Der Nationalspieler glaubt dass der Wirkungstreffer des 5:0 beim BVB länger vorhält: „Die Dortmunder fangen jetzt an nachzudenken.“ Bei der Machtdemonstration gegen Dortmund stimmten bei den in dieser Saison wechselhaften Kovac-Bayern Einstellung, Motivation, Teamgeist, Konzentration. Alle Akteure riefen 90 Minuten lang 100 Prozent ab. „Unsere Spieler haben an der Leistungsgrenze gespielt“, lobte Hoeneß. Er sah das, wozu die Mannschaft „permanent fähig sein sollte“.

          Genau an dem Punkt beginnt der Reiz des Titel-Fernduells mit einem möglichen großen Finale am 18. Mai. Am letzten Spieltag kommt Eintracht Frankfurt nach München, der BVB gastiert in Mönchengladbach. „Wir sind hungrig auf die Meisterschaft“, sagte Bayern-Torjäger Robert Lewandowski nach seinem Doppelpack gegen seinen ehemaligen Verein.

          Wie steinig der Weg zur Meisterschaft und erst recht zum Double werden dürfte, zeigte sich gleich am Sonntagabend. Da bekamen die Bayern im DFB-Pokal Werder Bremen als Halbfinalgegner zugelost. Am 23. oder 24. April muss der Rekordsieger in Bremen antreten. „Das ist schon ein großes Ding“, sagte Bremens Verteidiger Sebastian Langkamp: „Wir haben ja schon gezeigt, dass wir im Pokal für Furore sorgen können.“ Etwa beim grandiosen Achtelfinalerfolg in Dortmund. Werder ist 2019 ungeschlagen. Und am Wochenende vor dem Pokal-Kampf kommt es in München zum Vorspiel um Bundesligapunkte. Ganz am Ende kommt es auch knüppeldick für die Bayern: Am vorletzten Spieltag müssen sie beim Tabellendritten in Leipzig antreten, bevor es gegen den Vierten Frankfurt, Kovacs früheres Team, um alles gehen könnte.

          In der Hinrunde holten die Bayern aus den letzten sechs Partien 16 Punkte, der BVB 15. „Die Spieler haben ein Statement abgegeben, daran müssen sie sich jetzt messen lassen“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic nach dem Kantersieg am Wochenende. Das 5:0 befeuerte nach dem mutlos wirkenden Champions-League-K.o. gegen den FC Liverpool auch wieder die Taktik-Debatten im Anschluss an das 1:3 im Achtelfinal-Rückspiel. „Offensiv zu spielen, ist unsere DNA“, sagte Angreifer Lewandowski. Kovac erhebt defensive Stabilität dagegen über die Kunst des Angreifens. Letztendlich muss nur der Mix stimmen.

          Schon fünfmal hat die Tabellenführung zwischen Bayern und BVB in dieser Saison hin- und hergewechselt. Kimmich reicht’s damit: „Wer uns gesehen hat, weiß, dass wir das nicht mehr hergeben wollen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Rechenzentrum

          Digitales Deutschland : Kein Techno-Nationalismus

          Macht sich Deutschland gerade zu sehr abhängig von ausländischen Internetunternehmen? Die Sorge in der Wirtschaft wächst – sie sollte nicht leichtfertig abgetan werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.