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Bayern-Neuzugang Hernández : Der bislang teuerste Spieler der Bundesliga

Auf dem Thron der Fußball-Welt: 2018 gewinnt Lucas Hernández mit Frankreich die Weltmeisterschaft. Bild: Reuters

80 Millionen Euro bezahlt der FC Bayern für einen französischen Weltmeister. Dass das Folgen für zwei Münchener Profis haben könnte, liegt auf der Hand. Wer aber ist eigentlich dieser Rekordspieler Lucas Hernández?

          „Ich spreche besser Spanisch als Französisch“, hat Lucas Hernández mal gesagt. „Ich fühle mich als Spanier. Spanien hat mir alles gegeben.“ So richtig französisch ist der Franzose also eigentlich nicht, den der FC Bayern München für die festgeschriebene Ablösesumme von 80 Millionen Euro verpflichtet hat. Bislang hat noch kein Bundesligaverein mehr für einen Spieler bezahlt als der Branchenprimus aus München nun für Hernández.

          Eines der Argumente von Sportvorstand Hasan Salihamidzic dürfte dennoch gewesen sein, dass der Verteidiger von Atlético Madrid natürlich aber doch aus dem Nachbarland Deutschlands kommt – Frankreich ist schließlich Fußball-Weltmeister. Mit Benjamin Pavard steht für die kommende Saison bereits ein weiterer französischer WM-Sieger als Neuverpflichtung der Bayern fest. Ebenfalls ein Defensivspieler. Pavard kommt für 35 Millionen Euro vom VfB Stuttgart.

          Was diese Transfers für die unlängst aus der Nationalmannschaft ausgebooteten Bayern-Verteidiger Mats Hummels und Jerome Boateng bedeuten könnte, liegt auf der Hand. Der deutsche Fußball-Rekordmeister treibt den Kaderumbruch voran, wie es auch Joachim Löw im DFB-Team anstrebt. Auch deshalb ist wohl die Kritik der Klubverantwortlichen am Nationalmannschafts-Aus nur verhältnismäßig gering ausgefallen. Mit dem 23 Jahre alten Hernández und dem an diesem Donnerstag ebenfalls 23 Jahre alt gewordenen Pavard stocken die Münchener jetzt ihren Kader um zwei junge Verteidiger auf, die nicht nur weniger Lebensjahre auf dem Buckel haben, sondern auch variabler eingesetzt werden können als die beiden 30 Jahre alten Hummels und Boateng.

          Ob die beiden ehemaligen Nationalspieler den Konkurrenzkampf beim FC Bayern jetzt annehmen, oder vielleicht doch zur Konkurrenz wechseln werden, wird erst die Zukunft zeigen. Fest steht aber, dass dem derzeitigen Bundesliga-Tabellenführer insbesondere mit Hernández ein echter Coup gelungen ist. Der 1996 in Marseille geborene Defensivspezialist spielte seit 2007 für Atlético Madrid, durchlief dort alle Junioren-Mannschaften und bestritt von der Saison 2014/15 an insgesamt 110 Pflichtspiele für die Profis. Schon sein Vater François spielte als Verteidiger beim spanischen Hauptstadtklub. Fußballerisch sozialisiert wurde der Franzose Lucas Hernández also tatsächlich in Spanien, wo er seit seinem fünften Lebensjahr zu Hause war, und nicht in seinem Heimatland.

          Das hat sich auf seine Spielweise ausgewirkt. Schnelligkeit, Wendigkeit und ein gutes Auge für die Spieleröffnung zeichnen Hernández aus, der bei der Weltmeisterschaft in Russland bei jedem Spiel seines Teams in der Startelf stand und den Bayern nun die bisherige Rekordsumme von 80 Millionen Euro wert ist. Er kann sowohl im Abwehrzentrum als auch auf der linken Defensiv-Seite agieren. In München hat er einen Fünfjahresvertrag bis zum 1. Juli 2024 unterschrieben. Ob sich diese Investition lohnen wird, muss der Verteidiger freilich erst noch unter Beweis stellen. Immerhin kostete er fast doppelt so viel wie der bisherige Rekordtransfer: Corentin Tolisso, ebenfalls Franzose, kam 2017 für 41,5 Millionen Euro von Olympique Marseille an die Säbener Straße.

          „In sportlicher Hinsicht verliert Atlético ein Stück aus seiner Mitte“, schrieb die spanische Zeitung „Marca“ am Tag nach dem Bekanntwerden der Personalie, was unterstreicht, welchen Stellenwert Hernández nicht nur bei seinem Klub genoss. Salihamidzic bezeichnete seinen Transfer zuvor als einen „der besten Defensivspieler der Welt“, der sich jedoch zunächst wegen eines bei der sportmedizinischen Untersuchung festgestellten Schadens am Innenband des rechten Knies einer Operation unterziehen musste. Nach Prognose von Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt wird er aber zum Saisonstart der neuen Bundesliga-Runde im August einsatzfähig sein. Ein Restrisiko bleibt wohl dennoch.

          „Ich bin stolz, künftig um alle Titel für Bayern kämpfen zu können“, zeigte sich der 23-Jährige im offiziellen Statement prompt kämpferisch. Mit seinem neuen Verein strebt er Erfolge in Liga, Pokal und Champions League an. Ob er dabei noch weitere prominente Unterstützung bekommen wird, ist offen. Bekanntlich arbeiten die Münchener an weiteren Transfers, Präsident Uli Hoeneß sprach kürzlich von einem umfangreichen „Investitionsprogramm“ des Klubs. Vielleicht wird dem bislang teuersten Spieler der Bundesliga dann dieses Rekord-Prädikat genommen. Seine spielerische Klasse aber wird bleiben.

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