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Fußball-Talentreport (6) : Großes Bussi vom lieben Gott

Elf Mannschaften, zweieinhalb Plätze

Es ist bald Mittag inzwischen, Dremmler schaut durchs Fenster auf die Halbstarken, die in der Märzsonne über den Rasen flitzen, hundert Meter weg von Guardiolas Stars beim Morgentraining. Niemand weiß, ob wieder ein Müller darunter ist. Und ob man das rechtzeitig erkennt. Noch ist Platz auf dem Platz, die meisten Jungen haben noch Unterricht. Nach Schulschluss am Nachmittag wird es voll sein: elf Mannschaften, nur zweieinhalb Plätze.

Es ist seit Jahren das Hauptproblem, auch wenn Dremmler ihm etwas Positives abzugewinnen versucht: „Unsere Jugendspieler kommen sehr gut auf engem Raum zurecht.“ Nicht mehr lang. Dremmler zeigt auf die verglaste Panorama-Fotografie über seiner Sitzecke. Die Allianz Arena bei Nacht, rot erleuchtet, im Hintergrund Schwärze. „Da, wo es dunkel ist“, sagt er, „werden bald wir sein.“ Fernab der Enge der Säbener Straße ist bis 2017 das neue Nachwuchsleistungszentrum für rund 35 Millionen Euro geplant: „Mit acht Plätzen und einer Fußballhalle für den Winter. Ein Quantensprung.“ Er soll den Bayern künftig auch im Kampf um internationale Toptalente auf die Sprünge helfen.

„Uli tut uns einen großen Gefallen“

Bei der Fertigstellung allerdings, sagt der Sechzigjährige, „werde ich zu alt sein“. Es deutet sich danach ein Wandel in der Jugendarbeit an, mit möglicher Vereinheitlichung des Spielsystems, der Verankerung einer wiedererkennbaren Spielweise, wie sie nicht nur einige der Trainer bereits befürworten sollen. Im Hintergrund hat der Verein schon an Schrauben gedreht, hat mit Männern wie Sportvorstand Matthias Sammer, der sich mehr als bisher um die Jugend kümmern will, und dem Technischen Direktor Michael Reschke auch Nachwuchs-Expertise von außen in den Klub geholt. Und dann ist da natürlich Uli Hoeneß.

Uli Hoeneß bei einem Jugendspiel in Mainz Anfang März

„Das Ergebnis seiner Arbeit bei uns wird nach außen nicht erkennbar sein“, sagt Dremmler über den Mann, der derzeit offiziell als sein „Assistent“ geführt wird. „Aber er verschafft uns im Moment Aufmerksamkeit, das ist gut.“ Früher habe Hoeneß nie Zeit gefunden für den Nachwuchs. Jetzt, als Freigänger, hat er sie. Anfang März besuchte er erstmals seit seiner Inhaftierung ein Fußballspiel: U-19-Bundesliga, FSV Mainz gegen FC Bayern. „Uli Hoeneß tut uns einen großen Gefallen. Er ist ungeduldig, stellt viele Fragen“, sagt Dremmler. „Er ist immer noch ein großer Querdenker.“

Kürzlich wollte Hoeneß Bescheid wissen über die Talentsituation. Dremmler berichtete von einigen guten Jahrgängen, von Nationalspielern. Und dann habe Hoeneß die Frage gestellt, „die er immer stellt, die er früher schon, wenn man ihm als Scout einen Spieler vorschlug, immer als letzte gestellt hat: Sind das Spieler für den FC Bayern?“ Es ist die Frage, die Dremmlers Job und den seiner Nachfolger zum schwierigsten macht, den es gibt in der Nachwuchsarbeit. Den Job, nicht sehr gute Spieler zu entwickeln. Sondern Bayern-Spieler.

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