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Fußball-Bundesliga : Warum Klose beim FC Bayern befördert wird

Aufstieg beim FC Bayern: Miroslav Klose macht weiter Karriere. Bild: AFP

Es ist eine Frage des Vertrauens: Miroslav Klose soll an der Seite von Hansi Flick eine ganz bestimmte Stärke auf den Fußball-Bundesligaklub übertragen. Aber kann der FC Bayern daraus auch einen Vorteil ziehen?

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          Dass er einmal Trainer werden wollte, dieses Gefühl hatte Miroslav Klose schon als Spieler. Zur Gewissheit wurde es ihm in den vier Monaten nach dem Karriereende bei Lazio Rom 2016, „als ich viel mit der Familie unternahm, mit Freunden, Angelurlaub, alles, was Spaß macht – und dabei merkte, dass ich noch etwas anderes tun muss“. In früheren Zeiten hätte einer wie er, Weltmeister und WM-Rekordtorschütze, nach der Zeit als Spieler gleich einen Top-Job als Profitrainer bekommen. Heute, im immer komplexeren Anforderungsprofil des Trainers, scheint ein Blitzstart ohne Lehrzeit kaum noch möglich.

          Bundesliga
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Klose hätte ihn auch nicht gewollt. Erst ging er als Praktikant zu Bundestrainer Joachim Löw, in dessen Stab er am Ende bei der WM in Russland für das Training der Stürmer zuständig war. Als dann der FC Bayern anrief, für den er von 2007 bis 2011 mit allerdings eher mäßigem Ertrag (24 Tore in 98 BundesligaSpielen) gestürmt hatte, und den Trainerjob des U-17-Nachwuchses anbot, musste er „nur zwei Minuten überlegen“. So begann Klose gleich nach der Rückkehr aus Russland, fünf Tage nach dem 0:2-Debakel gegen Südkorea, seine erfolgreiche Arbeit mit der Bayern-B-Jugend.

          Der bescheidenste Star der Ära Löw

          „Ich wollte das bewusst so. So wie meine Spielerkarriere: step by step“, sagt Klose. Als schmächtiges Aussiedlerkind in die Pfalz gekommen, arbeitete er sich von der siebtklassigen SG Blaubach-Diedelkopf bis zum Nationalspieler hoch, schloss nebenbei die Lehre zum Zimmermann ab (womit er, wie er selbst glaubt, der wohl letzte Fußballweltmeister bleiben wird, der noch „etwas Richtiges gelernt“ hat) – und wurde der bescheidenste Star der Ära Löw. „Es hat mich schon als Spieler interessiert, alles von Grund auf auszuprobieren. Deshalb wollte ich auch zu Beginn meiner Trainerkarriere erst einmal in der Jugend trainieren.“

          Nun also der „nächste Schritt“, wie er das am Donnerstag genannt hat, der Schritt zurück ins Rampenlicht, das ihm schon als Spieler herzlich egal war. Von der kommenden Saison an wird Klose einer der Assistenten von Bayern-Trainer Hansi Flick, dessen „Wunschkandidat“ er laut Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge war. „Insbesondere unsere Stürmer“ würden von Klose als Trainer profitieren, erwartet der frühere Weltklassestürmer Rummenigge.

          Der Salto gehörte dazu: Miroslav Klose zelebrierte seine Treffer im Nationalteam oder beim FC Bayern spektakulär.
          Der Salto gehörte dazu: Miroslav Klose zelebrierte seine Treffer im Nationalteam oder beim FC Bayern spektakulär. : Bild: Imago

          Mit Klose bereichern die Bayern ihre Sammlung von Weltmeistern, die lückenlos vom Franzosen Bixente Lizarazu (Weltmeister 1998) über den Brasilianer Lúcio (2002), die Italiener Luca Toni und Massimo Oddo (2006), den Spanier Xabi Alonso (2010) bis zu den heute noch aktiven Franzosen Benjamin Pavard und Lucas Hernández (2018) reicht – mit der Krönung durch die deutschen Weltmeister von 2014. Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Thomas Müller, Toni Kroos und Mario Götze waren damals schon Bayern-Spieler, Mats Hummels später auch. Löws damaliger Assistent Hansi Flick ist inzwischen Cheftrainer der Bayern, und als dessen Gehilfe kommt nun auch noch der älteste aller deutschen Weltmeister dazu, der damals 36- und heute 41-jährige Klose.

          Sammeln die Bayern Helden?

          Fast wirkt es, als sammelten die Bayern die Helden von Rio ein, als wollten sie damit den Geist des letzten internationalen Triumphes des deutschen Fußballs auf sich und die eigene Zukunft übertragen. Aber vielleicht sind es einfach auch nur praktische Vorteile, nützliche Synergien, die sich durch diese Art von Familienzusammenführung ergeben. Man kennt und schätzt sich unter Weltmeistern und weiß, wie man gemeinsam etwas Großes gewinnt. „Es fühlt sich sehr gut an, ich freue mich unheimlich auf die Aufgabe“, sagt Klose, der sich neben dem Bayern-Job von Juni an im Fußballlehrer-Lehrgang der DFB-Akademie die Trainerlizenz erarbeiten will. Er betont die in den Jahren beim Nationalteam gewachsene Verbundenheit mit Flick: „Wir vertrauen uns sowohl fachlich als auch menschlich.“

          Auch mit Robert Lewandowski, dem torgefährlichsten Bundesliga-Stürmer der letzten vierzig Jahre, wird der Rekordschütze der deutschen Nationalmannschaft wohl eine gemeinsame Wellenlänge finden. Beide haben dieselbe Muttersprache, das Polnische. Und beide beherrschen das entscheidende Idiom des Fußballs ohnehin besser als fast jeder andere: die Sprache der Tore.

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