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2:2 in Berlin : Bayern verlieren die Kontrolle und Ribéry

Bitterer Moment für die Bayern: Sie verlieren Ribéry mit einer schweren Knieverletzung. Bild: AFP

„Wir sind nicht mehr die stärkste Mannschaft in Deutschland“. Die Bayern offenbaren beim 2:2 in Berlin unter Interimstrainer Sagnol mehr als nur Symptome einer vorübergehenden Krise.

          4 Min.

          Alles schien seinen erwarteten Gang zu nehmen. In der 49. Minute reagierte Robert Lewandowski im Strafraum im Stile eines Torjägers und erzielte die verdiente 2:0-Führung für den FC Bayern. Der Rekordmeister bejubelte den Treffer mit der verhaltenen Routine von Seriensiegern. Das erste Spiel nach einer turbulenten Woche mit der Entlassung von Trainer Carlo Ancelotti als Höhepunkt und Reaktion auf eine bisher enttäuschende Saison schien bei Hertha BSC Berlin genau den Verlauf zu nehmen, den sich die Bayern erhofft hatten. Ein souveräner Sieg, um wieder ein bisschen Ruhe in den Klub zu bringen – und den Abstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund nicht noch weiter wachsen zu lassen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Aber dann genügten sechs Minuten, in denen auch unter Interimstrainer Willy Sagnol offensichtlich wurde, was den jahrelangen Herrschern der Bundesliga derzeit fehlt: eine stabile Defensive sowie unbedingter Kampf- und Siegeswille. Und dazu die spielerische Dominanz der vergangenen Jahre. Ondrey Duda (51.) und Salomon Kalou (56.) durchkreuzten mit ihren beiden Toren die Münchner Hoffnungen auf einen erfolgreichen Neuanfang nach der Ancelotti-Zeit. „Wir sind nicht mehr die stärkste Mannschaft in Deutschland“, sagte Sagnol zum eingebüßten bayerischen Alleinvertretungsanspruch. Es war sein Schlusswort auf der Pressekonferenz.

          Bundesliga

          Nun suchen die Bayern nach dem 2:2 bei Hertha BSC Berlin nicht nur einen neuen Trainer, sondern auch Anschluss an Borussia Dortmund. Der BVB hat nach sieben Spieltagen schon fünf Punkte auf den Tabellenzweiten. In Berlin musste nach einer guten Stunde auch noch Franck Ribéry wegen einer Knieverletzung vom Platz – er konnte nicht mehr auftreten und wurde gestützt. Sagnol sprach nach ersten medizinischen Befunden von einem Außenbandanriss im Knie, aber für eine endgültige Diagnose brauche es noch weitere Untersuchungen.

          Ohne Cheftrainer hatten die Münchner seit über sechs Jahren nicht mehr in der Bundesliga antreten müssen. Seit Andries Jonker im Frühjahr 2011 die Leitung von Louis van Gaal übernommen hatte, war dem Rekordmeister danach stets ein geordneter Trainerübergang zum Saisonende gelungen. Doch die Frage des Tages, wie Willy Sagnol als Nachfolger des am Donnerstag entlassenen Carlo Ancelotti seine Sache machen würde, spielte in diesen Tagen in München vorab keine allzu große Rolle.

          Die Vereinsführung mit Präsident Uli Hoeneß setzte vor allem darauf, dass die Mannschaft und die mit Ancelotti unzufriedenen Spieler in Berlin nun eine entsprechende Reaktion zeigen würden. Die Reaktion folgte – aber eine andere, als die Bayern sich erhofft hatten.

          Die Begegnung in Berlin wurde überlagert von der Frage, ob die Münchner ihre längerfristige Zukunft tatsächlich Thomas Tuchel anvertrauen wollen, was vertraglich nahe läge, nachdem Hoeneß angekündigt hatte, dass schon beim nächsten Heimspiel gegen den SC Freiburg in knapp zwei Wochen ein neuer Cheftrainer die Mannschaft führt – oder ob die Bayern doch eine andere, überraschendere Lösung wie Julian Nagelsmann, Jürgen Klopp oder Lucien Favre präsentieren werden.

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