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Bayern München : Unverhofft zurück im Torwartduell

  • -Aktualisiert am

Punktsieg Michael Rensing: Der Torwart nutzt seine Chance Bild: AP

Michael Rensing darf wieder auf den Platz im Bayern-Tor hoffen: Nach seinen Elfmeterheldentaten gegen Manchester United ist er wieder auf Augenhöhe mit Jörg Butt. Der hatte bei seiner Generalprobe gepatzt.

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          Der Mann lässt sich nichts entlocken, aber schon rein gar nichts. Ohne eine Miene zu verziehen, beantwortet der Trainer des FC Bayern München in diesen Tagen drängende Personalfragen. Aber genaugenommen beantwortet Louis van Gaal sie eben nicht. Am Donnerstagabend, kurz nachdem seine Mannschaft das Turnier eines Autosponsors in der eigenen Arena gewonnen hatte – dank eines glänzenden Michael Rensing im Tor – behauptete er, sich noch nicht entschieden zu haben, wer in dieser Saison die Nummer eins sein werde. Immerhin ließ er wissen, dass dies bis zum Pokalspiel am Sonntag gegen den Sechstligaklub aus Neckarelz feststehen werde.

          Vielleicht ist van Gaal tatsächlich wieder ins Grübeln gekommen. Denn bis zu dem Turnier hatte es eine klare Tendenz gegeben, hin zu Hans-Jörg Butt. Der Fünfunddreißigjährige bestritt alle Testspiele in der A-Mannschaft, hatte viel Zeit, sich einzuspielen mit der neuformierten Abwehr und die von van Gaal bevorzugte Art des Torwartspiels etwas besser interpretiert als Rensing. Bis Mittwoch, bis zur Partie gegen den AC Mailand, hielt Butt tadellos. Aber beim 4:1-Sieg der Münchner unterliefen ihm zwei Fehler, einer führte zum zwischenzeitlichen Anschlusstor der Italiener. Es war die letzte Gelegenheit vor dem ersten Pflichtspiel, sich zu beweisen, denn einen Tag später, so war es verabredet worden, stand der Kollege zwischen den Pfosten. Seine Leistung sah Butt kritisch, konnte sich aber nicht vorstellen, „dass das Einfluss auf die Entscheidung über die Nummer eins haben wird“.

          Hätte es sicher auch nicht, hätte Rensing am Donnerstag gehalten wie zuvor in der gesamten Vorbereitung: solide, ohne große Fehler zwar, aber auch ohne große Szenen. Aber Butt musste zuschauen, wie sein Herausforderer den Finalsieg gegen Manchester United rettete, mit zwei guten Paraden während des Spiels und den beiden abgewehrten Schüssen im Elfmeterschießen. Rensing wurde nach dem 7:6-Sieg zum Mann des Spiels gewählt, und genoss dieses lange vermisste Erfolgserlebnis. „Das tut gut“, gab er zu. „Ich habe versucht, mein Bestes zu geben und das umzusetzen, was der Trainer verlangt. Mehr kann ich nicht tun.“ Eine Woche zuvor im Trainingslager der Bayern in Donaueschingen hatte Rensing noch sehr bemüht gewirkt, nicht als Verlierer im Torwartduell dazustehen. „Ich weiß, dass ich ein sehr guter Torhüter bin und der richtige sein kann für den FC Bayern“, hatte Rensing fast trotzig gesagt.

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          Rensing will nicht als Gescheiterter gelten

          Es fällt schwer nachzuvollziehen, warum er den Verein nicht verließ, warum er nach seiner Degradierung durch Jürgen Klinsmann den Kampf noch einmal annahm. Aber Rensing will partout verhindern, als Gescheiterter zu gelten, bezeichnet den Torwartwechsel vor dem Champions-League-Spiel im April in Barcelona deshalb nicht als Bruch in seiner Karriere, sondern als „Entscheidung des damaligen Trainers“. Er sei es gewohnt zu kämpfen, sagt er. Rensing musste immer kämpfen beim FC Bayern, vom ersten Tag an. „Und ich werde erst gehen, wenn ich sehe, dass ein Torwart hier ist, der besser ist als ich.“

          Fast schon unverhofft ist er nun wieder im Rennen. Als Einziger im Bayern-Ensemble verbesserte er seine Chancen im Schlussspurt der Vorbereitung. Die Plätze im Rautensystem des Niederländers van Gaal sind zwar nicht alle fest vergeben, aber die Eindrücke der ersten vier Wochen unter dem neuen Trainer bestätigten sich bei dem Turnier über zwei Tage.

          Die neue Hierarchie

          Van Gaal hat den Bayern schon eine neue Hierarchie verpasst – und damit für ein paar Härtefälle gesorgt. Für die derzeit angeschlagenen Nationalspieler Ivica Olic und Luca Toni ist ebenso wenig Platz wie für Martin Demichelis. Dass der Chef noch immer Mark van Bommel ist, verwundert viele. Denn Neuzugang Anatolij Timoschtschuk war auf der Position vor der Abwehr höher gehandelt worden als der nicht so dynamisch wirkende Niederländer. Aber van Gaal setzt im Zentrum offenbar auf einen lauten Strategen, auch als Absicherung für Franck Ribéry, der nach seiner vollständigen Genesung auf der Position der Nummer zehn spielen soll. Der Franzose rechnet damit, sein Comeback beim ersten Heimspiel gegen Werder Bremen geben zu können.

          Van Bommel ist das, was man gerne als verlängerten Arm des Trainers auf dem Platz bezeichnet, und wird deshalb Kapitän bleiben – obwohl van Gaal natürlich auch das noch nicht bestätigt hat. Timoschtschuk spielte in der Vorbereitung ganz ordentlich, allerdings meist auf der nicht ganz so geliebten rechten Seite, und muss vielleicht doch erst einmal auf die Bank, weil Hamit Altintop zuletzt noch engagierter war. Der türkische Nationalspieler musste sich erst hocharbeiten. Denn die Vorbereitung hatte er in der B-Mannschaft begonnen. Wie Rensing.

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