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Angeschlagene Bayern : Wenigstens auf Neuer ist Verlass

Manuel Neuer muss man erst mal überwinden: „Sie haben einen überragenden Torhüter“. Bild: AFP

Niederlagen nur im Konjunktiv: An schlechten Tagen haben die Bayern immer noch ihren Torhüter. Das ist ein Luxus, den es im Weltfußball nur in München gibt.

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          Der Linienrichter hob die Fahne, doch Joshua Sargent und Ludwig Augustinsson merkten es nicht. Die beiden Bremer standen im Strafraum und schauten dem Ball hinterher, der erstaunlicherweise nicht im Münchner Tor lag, sondern neben dem Pfosten ins Aus kullerte. Konnte das sein? Kein Tor? Dann pfiff der Schiedsrichter. Sargent und Augustinsson schauten zum Linienrichter. Abseits. Puh, Glück für sie. Hätte eh nicht gezählt.

          Christopher Meltzer

          Sportkorrespondent in München.

          Wenn Sargent oder Augustinsson in der 16. Minute ins Tor getroffen hätten, wäre vermutlich nichts passiert, aber es lohnt sich trotzdem, die Szene genauer anzusehen. In einem Bundesligaspiel mit wenigen sportlichen Höhepunkten war sie der Ausreißer. Das lag aber nicht an Sargent oder Augustinsson, sondern an Manuel Neuer. Als Erstes wehrte er Sargents unpräzisen Schuss aus drei Metern mit dem Fuß ab. Als Zweites Augustinssons präzisen Drehschuss aus elf Metern mit der Hand. Dazwischen vergingen höchstens drei Sekunden. Und so sagte der Bremer Trainer Florian Kohfeldt später: „Sie haben einen überragenden Torhüter, der hat es Weltklasse gemacht.“

          Bundesliga

          Es bedeutet für den FC Bayern München meistens nichts Gutes, wenn Manuel Neuer, ihr Torhüter, den Höhepunkt des Spiels setzt. Es bedeutet meistens aber auch nichts Schlechtes. Das ist ein Luxus, den im Weltfußball nur die Bayern haben. An guten Tagen nehmen sie sogar die Abwehrkünstler von Atlético auseinander. An schlechten Tagen haben sie immer noch Neuer.

          Am Samstagnachmittag haben sie im eigenen Stadion so einen schlechten Tag erwischt. Sie spielten 1:1 gegen Werder Bremen. In der 45. Minute traf Maximilian Eggestein für Bremen. In der 62. Minute traf Kingsley Coman für München. Und wenn man das Drumherum in Betracht zieht, musste man aus Münchner Sicht fast sagen: immerhin ein Punkt. In der 87. Minute zum Beispiel hätte Sargent das 2:1 schießen können. Aber so ist das, wenn man auf Neuer zuläuft: Es bleibt oft beim Konjunktiv. „Manu hat seine Klasse unter Beweis gestellt“, sagte Hansi Flick, sein Trainer. Man könnte das forscher formulieren.

          Thomas Tuchel hat das im August gemacht. Als seine Pariser im Finale der Champions League bis zum Ende an Neuer scheiterten, sagte er über dessen Leistung: „Es ist ein bisschen Wettbewerbsverzerrung.“ Aber zurück zur Bundesliga. Dort hat München durch das 1:1 noch einen Punkt Vorsprung vor Dortmund. Und eigentlich steht dieser Punkt ganz gut dafür, was die zwei besten deutschen Fußballmannschaften im Moment unterscheidet: Die einen haben Neuer – und die anderen haben ihn halt nicht.

          Falsche Rotation gewählt: Hansi Flick
          Falsche Rotation gewählt: Hansi Flick : Bild: dpa

          Es ist in diesem Saisonabschnitt besonders hilfreich, dass Neuer seinem Trainer Woche für Woche den Rücken freihält. Der muss andere Probleme lösen. Im Mittelfeld zum Beispiel. Dort wird Joshua Kimmich für den Rest des Jahres fehlen. Am Samstag konnte auch Corentin Tolisso (muskuläre Probleme) nicht mitspielen. Und weil Flick auch Leon Goretzka schonen wollte, stellte er vor der Abwehr den guten alten Javi Martínez auf und etwas weiter vorne erstmals von Anfang an den 17 Jahre alten Jamal Musiala.

          Es dauerte aber nur 17 Minuten, bis ein neues Problem auftrat. Der Linksverteidiger Lucas Hernández landete mit dem Becken auf dem Boden. Er konnte nicht weiterspielen. Gegen seinen Willen musste Flick umstellen. Er schickte seinen Chefverteidiger David Alaba auf die linke Seite und Martínez dafür in die Abwehrmitte. Danach ging die Spielkontrolle verloren.

          Das lag auch am Bremer Matchplan. Sie griffen in dem Raum zwischen Abwehr und Mittelfeld aggressiv an, was vor allem Musiala überforderte. Robert Lewandowski tat sich damit ebenfalls schwer. „Die wenigen Momente, die wir kreiert haben, waren nicht so gefährlich“, sagte Flick. Daran änderte sich auch nichts, als er die deutschen Nationalspieler einwechselte. In der ersten Halbzeit bereits Goretzka (für Hernández). In der zweiten Halbzeit Serge Gnabry und Leroy Sané. Sie standen wegen der Ereignisse in Sevilla unter besonderer Beobachtung.

          Ohnehin sorgte das 0:6 später für mehr Aufmerksamkeit als das 1:1. Spätestens als Thomas Müller zum Sky-Interview antrat. Er sollte etwas zu Sevilla sagen, was er dann auch machte. „Das tut schon weh“, sagte er, und auf die wöchentliche Nachfrage, wie es denn nun aussehe mit einer Rückkehr von ihm, Hummels und Boateng in die Nationalmannschaft, antwortete er nur: „Wie gesagt, keiner von uns ist zurückgetreten.“ Da hatte der Bundesliga-Samstag in München seinen neuen Höhepunkt gefunden.

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