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Bayern München : Torwarttausch mit Restrisiko

  • -Aktualisiert am

Der neue Mann im Münchner Tor: Thomas Kraft Bild: dpa

„Er hat alles gut gemacht, das ist nicht das Problem“, sagt Bayern-Trainer van Gaal über den 36 Jahre alten Torwart Butt und wechselt ihn dennoch aus. Der 22jährige Kraft darf nun ins Tor, ihm gehört die Zukunft - zumindest bis Neuer kommt.

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          Louis van Gaal hielt sich oben in der Chefetage nicht lange auf mit dem Thema, das beim FC Bayern München derzeit für Wirbel sorgt und das bevorstehende Comeback von Arjen Robben in den Hintergrund gedrängt hat. Nur drei Minuten, sagt der Trainer, habe er mit dem Vorstand über den geplanten Torwartwechsel gesprochen. „Über das Trainingslager oder Transfers haben wir viel länger geredet.“ Am Mittwoch hat er nun auch öffentlich bestätigt, dass Thomas Kraft in der Bundesliga-Rückrunde Jörg Butt ablösen und zum ersten Mal am Samstag in der Partie beim VfL Wolfsburg als Nummer eins im Tor des deutschen Rekordmeisters stehen wird.

          Für den Holländer gibt es mit dem Vorstand darüber ohnehin nichts mehr zu diskutieren. Bereits am Ende der Vorrunde hatte er nach eigener Aussage die Bosse informiert, dass er überlege, Kraft ins Tor zu stellen. Der Vorstandvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge gab sich versöhnlich. „Wir sind überhaupt nicht irritiert oder verärgert“, behauptete er. Den Vorstand mag die Entscheidung, die van Gaal im Trainingslager in Qatar in der vergangenen Wochen den beiden betroffenen Spielern mitteilte, tatsächlich nicht mehr überrascht haben, sie mutet auf den ersten Blick allerdings ziemlich ungewöhnlich an, weil Butt in seinem letzten Profijahr eine sehr gute Vorrunde gespielt hatte. „Er hat alles gut gemacht, das ist nicht das Problem“, gibt auch van Gaal zu. Aber Kraft, so ist er sicher, kann es noch besser. „Es gehört zu meiner Verantwortlichkeit, ihn spielen zu lassen, wenn ich denke, dass wir mit ihm weiter kommen. Ich denke, der Moment ist erreicht. Die Winterpause war der richtige Zeitpunkt.“

          „Die Frage ist, ob er mit dem Druck umgehen kann“

          Zuvor hatte nichts darauf hingedeutet, dass Butt noch vor Ende seiner Vertragslaufzeit den Stammplatz zwischen Pfosten verlieren könnte. Kraft war zwar in drei Pflichtspielen bei den Profis zum Einsatz gekommen, aber nur weil im Supercup Anfang August gegen Schalke 04 Butt erst kurz davor erst aus dem WM-Urlaub zurückgekehrt war und die Bayern bereits vor den letzten beiden Champions-League-Partien gegen Rom und Basel fürs Achtelfinale qualifiziert waren.

          Jörg Butt ist raus, aber warum? „Er hat alles gut gemacht, das ist nicht das Problem”

          Für van Gaal hingegen waren das schon Testläufe. „Er hat da sehr ordentlich gehalten“, findet der Bayern-Trainer. Kraft glänzte jeweils mit ein paar sehr guten Paraden, aber er war aufgrund der geringen Bedeutung der Partien keinem großen Druck ausgesetzt. Im Achtelfinale Ende Februar bei Inter Mailand sieht dies anders aus. „Die Frage ist, ob er mit dem Druck umgehen kann. Das weiß ich nicht“, sagt van Gaal. Es könne deshalb sein, „dass Butt wieder zurückkommt, wenn Kraft es nicht schafft“.

          „Ich weiß, dass ich ein sehr guter Trainer bin“

          Wenn van Gaal seine Entscheidung tatsächlich rückgängig machen muss, um das Minimalziel in der Bundesliga, das Erreichen eines Champions-League-Platzes, nicht zu gefährden, wäre es eine herbe Niederlage für ihn. Er ist sich des Risikos bewusst und sich gleichzeitig sicher, dass er sich nicht täuscht. „Ich weiß, dass ich ein sehr guter Trainer bin und ich habe ein sehr gutes Auge für eine Entwicklung.“ Welche Vorzüge Kraft nun tatsächlich hat, verrät van Gaal nicht - auch Butt bekam darauf keine Antwort „Er wollte das auch wissen, aber ich will keine Vergleiche ziehen und nicht über Fehler sprechen.“

          Für ihn ist aber stets das Alter ein Argument. Kraft ist 22 Jahre alt, ihm gehört die Zukunft; der 36jährige Butt ist Vergangenheit. Es könnte aber auch ein bisschen mit dem Tauziehen um Manuel Neuer zu tun haben. Die Bosse würden den 24 Jahre alten Nationaltorhüter vom FC Schalke 04 im Sommer gerne nach München holen.Van Gaal hatte sich dazu bisher nicht geäußert, ob das auch sein Wunschspieler ist, sein Torwartwechsel könnte also auch Taktik sein, seine Art, sich gegen die Transferpolitik der Chefetage aufzulehnen. Kraft hatte bereits wissen lassen, dass er im Falle einer Verpflichtung Neuers, den Verein verlassen werde. Ein Teil der Fans jedenfalls würde lieber Kraft im Bayern-Tor sehen als Neuer - solange er gut hält.

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